Formel1

"Mercedes im Moment absolut top" Vettel "reißt mit Ferrari keine Bäume aus"

122746909.jpg

Sebastian Vettel denkt noch lange nicht an das Karriere-Ende.

(Foto: picture alliance/dpa)

In den Kurven verbessert, auf den Geraden (noch) zu langsam: Sebastian Vettel sieht Ferrari momentan nicht in der Favoritenrolle, das Team habe bisher erst eine "grobe Ahnung" vom tatsächlichen Leistungsvermögen des Autos.

Beim Versuch, eine deutsche Redewendung sinnvoll ins Englische zu übersetzen, kam Sebastian Vettel ein bisschen aus dem Konzept. "Bei uns sagt man so was wie 'we are not moving trees', aber das ergibt irgendwie keinen Sinn", stellte der 32-Jährige vor seinem möglicherweise letzten Ferrari-Jahr ganz richtig fest und machte es dann lieber auf die sachliche Art: "Wir sind in den Kurven besser geworden, aber auf den Geraden noch zu langsam. Wir reißen im Moment keine Bäume aus, es liegt viel Arbeit vor uns."

Diese Aussage kennt man hinlänglich von dem stolzen italienischen Rennstall, der in diesem Jahr endlich Mercedes vom Thron des Formel-1-Weltmeisters stoßen möchte. Vettel mag sich aber zu keiner detaillierteren Prognose hinreißen lassen. Die äußeren Verhältnisse bei den Wintertests in Barcelona seien alles andere als optimal, bei starkem Wind sei es "nicht besonders gemütlich im Auto" gewesen: "Ich habe von allem ein bisschen versucht, aber beim Testen zeigt man halt auch nicht alles. Wir nicht, die anderen auch nicht." Das Auto mit der Typbezeichnung SF1000 sei im Vergleich zum letzten Jahr aber "auf jeden Fall ein Schritt nach vorne", sagte Vettel, der zum Abschluss der Testfahrten am Freitag nicht mehr im Einsatz war.

Ferrari sucht nach dem Highspeed

*Datenschutz

Vor allem der verbesserte Abtrieb und die damit verbundene höhere Stabilität in den Kurven sei ein deutliches Plus: "Wir müssen jetzt nur noch den Highspeed auf den Geraden finden, aber wir haben ja auch noch ein bisschen Zeit." Vettel verließ Barcelona auf jeden Fall mit einem guten Gefühl, nachdem er am Donnerstag noch einmal viel Zeit auf der Strecke verbracht und zudem die schnellste Runde des Tages gedreht hatte. Auf die absolute Bestzeit von Mercedes-Pilot Valtteri Bottas aus Finnland fehlte allerdings gut eine Sekunde. "Vor uns liegt eine lange Saison", sagte Vettel: "Man darf nicht zu früh die falschen Schlüsse ziehen."

Den Primus der letzten Jahre sieht der Heppenheimer aber auch im Hinblick auf den Beginn der neuen Saison am 15. März in Melbourne als großen Favoriten. "Im Moment ist Mercedes absolut top", sagte der dreifache Familienvater: "Wann immer sie rausfahren, sind sie ganz locker vorne." An diesem Eindruck konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass der sechsmalige Weltmeister Lewis Hamilton am Donnerstag nur wenige Meter weit kam, ehe er sein Auto abstellen musste - Mercedes nannte Probleme mit dem Öl-Druck als Ursache für das schnelle Aus.

Bei Ferrari fühlt sich gewinnen anders an

Bis zum geplanten Abflug zum Saisonstart am 15. März in Melbourne bleiben den Teams noch zehn Tage. "Anderthalb Tage ein bisschen Regenerieren, ein paar Einheiten im Simulator, und dann geht's los", sagte Vettel. Wo Ferrari in Melbourne am Ende landen wird, vermag er nicht zu sagen: "Ich hoffe, vorne, und wenn nicht, müssen wir es möglichst schnell drehen. Erst nach den ersten zwei, drei Rennen werden wir ein genaues Bild haben." Ganz egal, wie das ausgeht, an ein baldiges Karriere-Aus bei Ferrari denkt Sebastian Vettel noch nicht: "Ich glaube jetzt nicht, dass ich Angst haben muss, dass ich nächstes Jahr nicht mehr dabei sein kann oder darf. Ich bin überzeugt, dass ich meine Leistung bringen werde, der Rest wird sich dann zeigen", sagte der 32-Jährige.

Vettel fährt im sechsten Jahr bei Ferrari, hat aber bislang den ersehnten WM-Titel mit dem italienischen Traditionsteam noch nicht holen können. Bei aller Enttäuschung und Kritik sei er jedoch in der Winterpause "zu dem Entschluss gekommen, dass ich das auf jeden Fall noch will und dass ich Spaß daran habe", sagte der viermalige Weltmeister. Die stets große Erwartungshaltung bei Ferrari belastet Vettel nicht. "Ich mache mir deshalb keinen Extra-Stress oder bin zusätzlich unter Druck. Aber ich will es mir selbst beweisen", sagte er. Sein oberstes Ziel bleibe der WM-Triumph mit "dem bedeutendsten Team in der Formel 1. Hier zu gewinnen fühlt sich anders an als woanders", sagte Vettel.

Quelle: ntv.de, Angela Bern, sid