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Ausnehmend entspannt vor der Auslosung: Bundestrainer Joachim Löw.
Ausnehmend entspannt vor der Auslosung: Bundestrainer Joachim Löw.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 02. Dezember 2011

EM-"Todesgruppe" nur ein Mythos: DFB-Team winken gute Lose

Ab 18 Uhr entscheidet sich in Kiew, gegen welche Teams Deutschland in der Vorrunde der Fußball-EM 2012 antreten muss. Vorab geistert ein Schreckgespenst durchs Land, das vor der ominösen "Todesgruppe" warnt. Auszuschließen ist die nicht, aber sehr unwahrscheinlich. Zumal Bundestrainer Joachim Löw ohnehin sagt: "Es gibt keine Gegner, gegen die wir nicht gern spielen."

Kaum waren die letzten vier Tickets für die Fußball-Europameisterschaft 2012 vergeben, da war sie auch schon da: die Angst vor der ominösen Hammergruppe in der EM-Vorrunde, wahlweise auch Todes- oder Horrorgruppe genannt - und die Hoffnung, eben dieser durch das typisch deutsche Losglück zu entgehen. Und tatsächlich besteht vor der heutigen Auslosung um 18 Uhr in Kiew (live im n-tv.de Auslosungsticker) die Gefahr, dass Bundestrainer Joachim Löw und sein DFB-Team in der Gruppenphase nicht nur mit Welt- und Europameister Spanien um die K.o.-Runde streiten müssen, sondern außerdem mit Portugal und Frankreich. Die tragen zumindest noch große Namen auf dem Trikot. Auch die Aussicht, dass statt Spanien der WM-Zweite Niederlande in der deutschen Gruppe landen könnte, lässt die vermeintliche "Todesgruppe" nur minimal freundlicher erscheinen.

Möglich wird diese Konstellation durch die Zusammensetzung der Lostöpfe, die mit einem nicht trivialen Verfahren ermittelt wurde. Ausschlaggebend ist nicht nur die EM-Qualifikation, die Deutschland makellos absolvierte, sondern der UEFA-Koeffizient. In den wiederum fließen die Resultate der EM 2008 (Qualifikation und Turnier/20 Prozent), der WM 2010 (Qualifikation und Turnier/40 Prozent) sowie der Qualifikation für die EURO 2012 (40 Prozent) ein, was letztlich folgende Lostöpfe ergeben hat (Polen und Ukraine sind als Gastgeber gesetzt):

Allerdings, und das ist das Gute: Viel wahrscheinlicher als eine Hammergruppe ist eine Auslosung, an deren Ende Deutschland in einer Gruppe voller kleiner Großer landet - und Spanien, Holland, Portugal und Frankreich komplett aus dem Weg geht. Dazu muss man nicht einmal das unvermeidliche Losglück bemühen, sondern nur simple Wahrscheinlichkeitsrechnung, wie die "taz" im Kampf gegen mediale Schnappatmung vorgerechnet hat.

Die Rechnung geht so: Aus den drei Lostöpfen mit potenziellen DFB-Gegnern ergeben sich insgesamt 64 mögliche Kombinationen für die Zusammensetzung der deutschen Gruppe. Aber nur in zwei Fällen droht dem DFB-Team auch die befürchtete "Todesgruppe", was einer Wahrscheinlichkeit von 3,2 Prozent entspricht. Also eher unwahrscheinlich ist, sehr unwahrscheinlich sogar. In 14 Konstellationen (21,9 Prozent) bekommt Deutschland zwei der vermeintlichen Topteams zugelost, in 18 Fällen hingegen gar keins. Die wahrscheinlichste Variante ist, dass Deutschland in der Vorrunde nur auf eines der Topteams trifft. Das wäre in 30 der möglichen 64 Kombinationen der Fall. Fazit: Es braucht kein Losglück, um die "Todesgruppe" zu vermeiden, sondern ganz viel Lospech, um sie zu erwischen.

Der DFB ist ganz entspannt

Im Kunstpalast "Ukraina" werden die EM-Gruppen ausgelost.
Im Kunstpalast "Ukraina" werden die EM-Gruppen ausgelost.(Foto: REUTERS)

Die Nationalmannschaftsleitung gab sich vor der Auslosung im Kiewer Kunstpalast "Ukraina" ohnehin entspannt. "Ich habe weder Wunschgegner noch Angstgegner. Wir wissen, dass alles möglich ist. Wir nehmen die Auslosung so, wie sie kommt. Es gibt keine Gegner, gegen die wir nicht gern spielen", gab Bundestrainer Löw gelassen zu Protokoll. Ohnehin gilt: "Du musst dich auf alle 15 Mannschaften umfassend vorbereiten." Bei Europameisterschaften ist das Niveau traditionell höher als bei einer WM. Auch abseits von "Todesgruppen" gilt: Vermeintlich leichte Spiele sind die Ausnahme.

Auch Teammanager Oliver Bierhoff wird die Auslosung nicht zitternd vor Aufregung verfolgen. Er vertraut dabei weniger auf die günstigen Wahrscheinlichkeiten als auf das in der EM-Qualifikation gezeigte hohe Leistungsniveau der DFB-Elf, das auch die Konkurrenz beeindruckt hat. Er findet: "Wir haben eine hohe Qualität und können jeden schlagen."

Logistische Vorteile

Während der DFB der Auslosung gelassen entgegenblickt, haben die deutschen Fans durchaus konkrete Wünsche. Am liebsten wäre der deutschen Anhängerschaft sicher die Gruppe A, in der Polen als Gastgeber gesetzt ist. Dann könnte das Löw-Team alle Vorrundenspiele und ein mögliches Viertelfinale in Polen bestreiten. Auch die Vorrunden-Gruppe C würde zunächst drei Spiele beim Nachbarn garantieren - eines davon sogar in Danzig, wo der DFB-Tross in der gesamten EM-Zeit sein Hauptquartier aufschlagen wird.

Mit den Gruppen B und D dagegen wären aufwendige Vorrundenreisen in ukrainische Stadien verbunden. Von Danzig etwa nach Donezk wären die Fans mit dem Bus 25 Stunden unterwegs.

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Quelle: n-tv.de