Fußball-EM

David Guetta? Will Grigg's on fire! Wie famose Nordiren die EM retten

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Sind on fire: Die Fans der nordirischen Nationalmannschaft.

(Foto: REUTERS)

Sportlich braucht Nordirland ein Fußballwunder gegen die DFB-Elf. Die Fans des EM-Debütanten sind schon jetzt wunderbar. Nicht nur mit ihrem Ohrwurm "Will Grigg's on fire!" tragen sie viel dazu bei, dass diese EM doch ein Fest der Freude ist.

Wer mosert, dass zu viele kleine Teams an dieser Europameisterschaft teilnehmen, dem sei gesagt, dass es eben jene Fußballzwerge sind, die mit ihren Fans das Turnier in Frankreich enorm bereichern. Was wäre die EM ohne die martialischen Schlachtrufe der Isländer und die bierseligen Gesänge der Waliser? Und was wäre sie ohne die Nordiren? Die Anhänger der "Green and White Army" tragen viel dazu bei, dass diese EM doch ein Fest der Freude ist.

Die nordirische Nationalmannschaft, die heute (ab 18 Uhr im Liveticker auf n-tv.de) die DFB-Elf zur letzten Vorrundenpartie in Gruppe C fordert, ist in dem Turnier bisher nicht annähernd so aggressiv aufgetreten, wie es ihr Spitzname vermuten lässt. Dennoch sollte sich das deutsche Team in Acht nehmen. Mögen die Spieler allenfalls Mittelmaß sein, gehören die nordirischen Fans zu Europas besten. Sie schmettern einen Gesang nach dem anderen - und huldigen nicht nur ihrer Nationalelf, sondern auch Will Grigg.

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Will Grigg? Nun ja - gut möglich, dass Sie den 24-jährigen Stürmer noch nie in Aktion gesehen haben. Der Torschützenkönig der dritten englischen Liga hat noch keine einzige EM-Minute gespielt. Doch das ist nebensächlich. Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben (was nahezu unmöglich ist): der Kerl brennt. "Will Grigg's on fire!" singen die nordirischen Fans folgerichtig zur Melodie des 90er-Jahre-Hits "Freed from desire" und sorgen damit allerorts für Gänsehaut und gute Laune. Wen interessiert schon der offizielle EM-Song von David Guetta? Die Hymne dieser Europameisterschaft ist definitiv "Will Grigg's on fire!"

"Good times never seemed so good"

Ob im Stadion, im Pub oder auf der Straße - vor diesem Ohrwurm gibt es kein Entrinnen. Mittlerweile wird er sogar in Berliner U-Bahnhöfen intoniert. Doch ausgerechnet in der nordirischen Hauptstadt Belfast schien es bis vor Kurzem eine Person gegeben zu haben, die das Lied noch nicht kannte.

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Den Beweis dazu liefert ein Video, das mittlerweile ein Renner in den sozialen Medien ist. Selbst der deutsche Nationalspieler Mats Hummels zeigte sich begeistert: "Großartig!" Das Video zeigt einen Telefonstreich, bei dem einige Männer via Notruf der Feuerwehr melden, Will Grigg sei "on fire". Nachdem die Frau am anderen Ende verdutzt "Will Grigg's on fire?" fragt, johlen die Scherzbolde und grölen das Lied der Stunde.

Das Video ist nur eines von vielen Beispielen, die die scheinbar grenzenlose Euphorie innerhalb der nordirischen Fanszene zum Ausdruck bringen. Mehr als 50.000 Nordiren sollen sich auf den Weg nach Frankreich gemacht haben, um ihr Team bei der ersten großen Turnierteilnahme seit 30 Jahren zu unterstützen. Zudem es die erste EM überhaupt, an der "Norn Iron" teilnimmt - und das genießen die trinkfreudigen Briten von der grünen Insel in vollen Zügen.

Zu beobachten ist dies unter anderem, wenn im Stadion "Sweet Caroline" gespielt wird. Der Oldie von Neil Diamond ist eines der Lieblingslieder der "Ulstermen". Darin heißt es passend: "Good times never seemed so good". Wenn diese Zeile gesungen wird, schallt ein ohrenbetäubendes "so good, so good, so good!" hinterher.

Torschützen-Orakel von den Rängen

Die Fans der nordirischen Nationalelf zeigen der Welt bei dieser EM, was Fußballkultur ist. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie nach dem Spiel im Pariser Prinzenpark gegen Deutschland auch einen sportlichen Grund zum Feiern haben. Mit einem Unentschieden könnte Nordirland das Fußballmärchen fortsetzen und als einer der besten Gruppendritten ins Achtelfinale einziehen.

Der Glaube daran ist groß. "Vom Trainer bis hin zum Zeugwart glaubt jeder daran, dass wir in diesem Turnier weiterkommen können", sagte Stürmer Josh Magennis. "Wir fürchten niemanden."

Gegen die DFB-Elf haben sich die Nordiren viel vorgenommen: "Wir werden ihnen nicht viel Zeit geben am Ball, das haben sie in dieser Form noch nicht erlebt", kündigte Linksaußen Jamie Ward an. Damit es mit der Sensation klappt, sollen die Fans helfen. Kapitän Steven Davis sagte: "Wir fahren nach Paris, um dort vor ausverkauftem Haus zu spielen. Unsere Fans werden wieder in gewaltiger Zahl und in bester Stimmung dabei sein - gegen den Weltmeister, ist das nicht großartig?"

Der Weltmeister sollte also nicht nur auf seine Gegenspieler, sondern auch auf die Gesänge auf den Rängen achten. Dort werden nämlich nordirische Torschützen orakelt. Bei der Partie gegen die Ukraine besangen die nordirischen Fans in der 48. Minute Gareth McAuley. Wenige Sekunden später erzielte der das 1:0. Und wenn Trainer Michael O'Neill einen gewissen Will Grigg einwechselt, dann Gnade der deutschen Abwehr: "He will score goals / he will just score more and more / Will Grigg's on fire / your defence is terrified!"

Übrigens: Am 14. Oktober 2014 besiegte die "Green and White Army" die griechische Nationalelf im dritten Qualifikationsspiel zur EM mit 2:0. Trainer der Hellenen war damals ein gewisser Claudio Ranieri. Nach der Niederlage in Piräus wurde Ranieri entlassen und heuerte bei Leicester City an. Der englische Klub gewann darauf sensationell die Premier League.

 

Quelle: ntv.de