Fußball-EM

"Möge der Bessere gewinnen" Zamperoni, Dante und der Fan-Aufstand

Bei der EM 2012 muss der deutsch-italienische Moderator Ingo Zamperoni viel Kritik einstecken. Auslöser sind seine Bemerkungen in der Halbzeitpause des Spiels Deutschland gegen Italien. Gibt es am Samstag eine Fortsetzung?

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"Oh je, nicht schon wieder … #GERITA", schreibt Ingo Zamperoni noch am späten Montagabend. Die Spanier sind gerade bei der Fußball-EM in Frankreich ausgeschieden, gegen Italien. Nun treffen die Azzurri im EM-Viertelfinale auf die DFB-Elf. Der nächste Gegner ist ausgerechnet Deutschland.

Nicht nur bei Zamperoni weckt das Spiel wohl eher unschöne Erinnerungen. Erinnerungen an jenen 28. Juni 2012. Beim EM-Turnier vor vier Jahren hatten Deutsche und Italiener ebenfalls gegeneinander gespielt, im Halbfinale. Als der Halbzeitpfiff im Warschauer Stadion um kurz nach halb zehn ertönte, stand es schon 2:0 für die Italiener. Mario Balotelli hatte zweimal getroffen.

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In der Halbzeitpause schaltete die ARD zur Kurz-Ausgabe der Tagesthemen. Moderator war Zamperoni. Der damals 38-Jährige ist in Wiesbaden geboren, hat aber einen italienischen Vater. Zamperoni gab einen kurzen Nachrichtenüberblick, während Fußball-Deutschland zitterte und hoffte, dass die deutsche Elf es in der zweiten Hälfte noch irgendwie richten würde.

Dann passierte es. Mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht verabschiedete sich Zamperoni schließlich: "Beenden möchte ich diese Tagesthemen aus gegebenem und aus persönlichem Anlass mit den Worten des italienischen Dichterfürsten Dante: 'Das Gesicht verrät die Stimmung des Herzens.' Ich weiß jetzt nicht, was Ihnen mein Gesicht verrät, aber seien Sie versichert, dass ich innerlich ziemlich zerrissen bin." Der lächelnde Zamperoni endete mit dem Satz: "In diesem Sinne: Che vinca il migliore, möge der Bessere gewinnen."

"Ich habe mich gewundert"

Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell berichtete später von "wäschekörbeweise" entrüsteten Mails und Anrufen. Er verteidigte seinen Kollegen. "Ich bin der festen Überzeugung, dass es vollkommen korrekt war, dass Zamperoni in dieser Situation einen solchen Satz sagt", sagte er im Tagesschau-Blog. Kritisch merkte Gniffke an: "Wir lernen, dass Einwandererkinder zwar für Deutschlands Nationalmannschaft kicken dürfen, aber wenn Zamperoni in den Tagesthemen Dante zitiert, ist die nationale Ehre im Eimer."

Der Deutsch-Italiener Zamperoni reagierte damals erstaunt auf die heftigen Reaktionen. "Ich habe mich gewundert, dass mir manche Fußballfans die ehrliche, innere Zerrissenheit nicht abgenommen haben. Denn die war echt", sagte er damals.

Und heute? Nach dem Italien-Sieg im EM-Achtelfinale twitterte ein Nutzer: "Wir freuen uns wie Bolle auf die Tagesthemen am Samstag mit Ingo Zamperoni." Der ARD-Journalist antwortete prompt: "Sorry, aber die Konstellation könnte es erst zur WM 2018 wieder geben … #nochinUSA."

Zamperoni ist zurzeit TV-Korrespondent in der US-Hauptstadt Washington. Im Oktober wird er Nachfolger von Thomas Roth als Hauptmoderator der Tagesthemen. Dass er am Samstag nicht die Nachrichten moderieren muss, wird ihm aber womöglich ganz recht sein.

Quelle: n-tv.de

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