Fußball

"Wir werden einige vermissen" 13 Bundesligisten droht die Insolvenz

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Dem SC Paderborn fehlt vor allem eins: Zeit.

(Foto: imago images/Kirchner-Media)

Durch die Corona-Krise steht die Fußball-Bundesliga still. Den Vereinen fehlen dadurch Gelder in Millionenhöhe - es mehren sich Hilferufe. DFB-Präsident Fritz Keller bewertet die Situation als ernst und befürchtet, dass viele Bundesligisten in schwerwiegende finanzielle Nöte geraten werden.

Die Angst vor dramatischen Folgen für den deutschen Fußball durch die Coronavirus-Pandemie nimmt zu. "Ich glaube nicht, dass nach der Corona-Krise die Landschaft des Fußballs gleich sein wird wie heute", sagte der Präsident des Deutschen Fußball Bundes (DFB), Fritz Keller, dem TV-Sender Phoenix. "Wir werden einige vermissen, und ich glaube, je länger das geht, umso mehr Insolvenzen werden wir auch im Profifußball haben." Gleich 13 der 36 Vereine aus der 1. und 2. Bundesliga sollen nach Informationen des "Kicker" von der Insolvenz bedroht sein. Der FC Schalke 04 wies seine Fans bereits darauf hin, dass der Verein "aktuell vor einer potenziell existenzbedrohenden wirtschaftlichen Situation" stehe. "Die Lage ist sehr ernst und kritisch", sagte Alexander Jobst, Marketingchef und Vorstandsmitglied, am Mittwochabend in einem Live-Chat mit Anhängern des Fußball-Bundesligisten.

Auch beim Bundesliga-Schlusslicht SC Paderborn geht es langsam ans Eingemachte. "Wir können das noch ein, zwei Monate hinauszögern, aber dann geht uns die Luft aus", sagte Geschäftsführer Martin Przondziono in einem Interview mit Sport1. "Sollten die TV-Gelder auch nicht bei uns landen, wird es für uns eng." Keller schließt nicht aus, dass auch in der Eliteklasse des deutschen Fußballs der eine oder andere Verein von einer Pleite betroffen sein wird. "Die Hilferufe sind seriös und sehr ernst. Je länger es geht, dass der Spielbetrieb nicht fortgesetzt werden kann, werden wir dieses Szenario leider erleben müssen. In der 2. Liga sowieso und in der 3. Liga sieht es noch schlimmer aus", sagte der DFB-Boss

"Denen muss geholfen werden"

Und auch für den Amateurfußball malte der 63-Jährige ein düsteres Bild. Viele Vereine bis in die Kreisligen seien stark gefährdet. "Denen muss geholfen werden", sagte Keller und appellierte an die Politik: "Man muss schauen, ob man das gesamte System alleine lassen möchte."

Um den drohenden Absturz vieler Vereine in den vier höchsten Spielklassen von der Bundesliga bis zu den Regionalligen etwas abzufedern, haben die Deutsche Fußball-Liga und der DFB die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Lizenz angepasst und den obligatorischen Neun-Punkte-Abzug im Falle einer Insolvenz für diese Saison ausgesetzt. Das könnte jedoch dazu führen, dass Vereine in eine Planinsolvenz gehen. Entsprechende Überlegungen gibt es bereits beim Zweitligisten Karlsruher SC und beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern. "Die Insolvenz in Eigenverwaltung bietet natürlich auch eine Chance für Unternehmen und Vereine, die schon vorher Probleme hatten, einen Schuldenschnitt zu vollziehen", sagte der Insolvenzexperte Matthias Hofmann dem "Kicker".

Nach Ansicht des Sportökonomen Daniel Weimar von der Uni Duisburg-Essen droht dadurch eine Wettbewerbsverzerrung. "Weil die sportliche Konsequenz nun wegbricht, könnte das ein Vorteil für alle Klubs werden, die zuletzt hohes Risiko gefahren haben", sagte Weimar unlängst dem "Tagesspiegel".

Quelle: ntv.de, Eric Dobias, dpa