Fußball

Taktische Meisterleistung gegen den BVB 45 Minuten reichen "besessenem" Guardiola

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Er zieht die Fäden, aber noch nicht alle reagieren so, wie sie sollen: Pep Guardiola.

(Foto: dpa)

Nicht Mario Götze, nicht Arjen Robben, sondern Pep Guardiola hat den Liga-Gipfel in Dortmund entschieden - mit seinen Einwechselungen. Aber die 90 Minuten beim BVB haben auch gezeigt, dass das System Guardiola noch nicht zu 100 Prozent greift.

Pep Guardiola ist ein Taktik-Fanatiker. Das war er als Spieler und das ist er jetzt als Trainer. Durchschnittliche Leistungen seiner Mannschaft reichen ihm nicht. Das taten sie nie. Und genau deshalb muss im System Guardiola jeder Spieler genau wissen, was er zu tun hat. Noch vor dem 3:0-Sieg beim BVB sagte er: "Die Mannschaft ist zwar ein bisschen besser als zuvor. Aber noch ist es nicht meine Mannschaft. Ich brauche mehr Zeit." Und ein Blick auf die Statistik unterstreicht seine Worte.

Die Münchner plagen in dieser Saison Anlaufschwierigkeiten. In sechs der letzten sieben Bundesliga-Spiele benötigten sie die komplette erste Hälfte, um sich auf den Gegner einzustellen. Fünfmal stand es zur Pause unentschieden, gegen Mainz lag der FCB daheim sogar hinten. Damals sagte 42-Jährige: "In der ersten Halbzeit haben wir oft Probleme. Aber ich bin mir sicher, dass wir das in kurzer Zeit verbessern werden." Die ganz großen Fortschritte waren in den letzten Wochen aber noch nicht zu sehen. Was auch das Spiel am Samstag verdeutlichte.

Immer für eine Überraschung gut

In Dortmund zauberte Guardiola wieder mal eine dicke Überraschung aus dem Hut: Javi Martinez begann im offensiven Mittelfeld. Dort sollte der Spanier, eigentlich auf der Sechs zu Hause, das Umschaltspiel der Dortmunder an der Wurzel packen. Das gelang jedoch nur zeitweise. Durch die offensivere Ausrichtung von Martinez schraubten die Bayern zwar ihre Ballbesitzzahlen in die Höhe, doch das kreative Spiel blieb auf der Strecke. Vor allem Toni Kroos, der abwechselnd mit Lahm als eine Art Libero agierte, kam überhaupt nicht zur Entfaltung.

Guardiola korrigierte nach der Pause sein System und brachte Mario Götze (56.) und Thiago (64.). Martinez rutschte für den Gelb-Rot gefährdeten Jerome Boateng in die Innenverteidigung. Von diesem Moment an nahm das Angriffsspiel des Triplesiegers Konturen an. Dortmund musste sich durch die Überzahl im Mittelfeld enger zusammenziehen. Was für viele Mannschaften auf diesem Planeten wohl zu einem Problem geworden wäre, löste der FC Bayern souverän. Denn unter Guardiolas Führung hat sich die Mannschaft zu einem wahren Passmonster entwickelt. Philipp Lahm, Thiago, Götze, Kroos oder auch David Alaba kamen gegen die Dortmunder auf Passquoten von über 90 Prozent. So konnte man sich immer wieder dem Zugriff des BVB entziehen.

Mit Kontern zum Sieg

Nach dem 1:0 durch Götze in der 66. Minute warf der BVB noch einmal alles nach vorne und deckte die Probleme der Münchner in der Rückwärtsbewegung auf. Das Mittelfeld stand zu hoch, ohne im Pressing wirklichen Druck auf Dortmunds Abwehr auszuüben. Doch bevor die Gastgeber diese Schwächen ausnutzen konnten, hatte Guardiola taktisch schon wieder eingegriffen. Daniel van Buyten kam als neuer Innenverteidiger, Martinez rückte auf die Sechs. Mit der verstärkten Defensive stand Bayern stabiler. Der BVB machte in der Schlussphase auf und ermöglichte den Gästen so zwei Konter-Tore.

Das Spiel in Dortmund spiegelte sehr anschaulich einen Großteil der laufenden Saison wider. Guardiola probiert viel, testet Spieler auf diversen Positionen und nimmt dem Spiel seiner Elf damit auch ein Stückchen Sicherheit und Spielfluss. Zudem ist auch defensiv noch Luft nach oben.

Sollte Guardiola aber weiter taktisch so klug wechseln, werden die Bayern auch die zähen Spiele für sich entscheiden. Wer den Trainer kennt, weiß, dass das jedoch nicht sein Anspruch ist: "Pep ist ohne Frage besessen. Er ist auf der Suche nach dem ultimativen Fußball. Er kommt früh morgens und geht spät am Nachmittag oder abends nach Hause", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spitzenspiel. Bedenkt man, dass dem FC Bayern schon 45 Minuten genügen, um einen Gegner komplett auseinanderzunehmen, möchte man aus Sicht der Konkurrenz hoffen, dass Guardiola den ultimativen Fußball niemals findet.

Quelle: n-tv.de, sport.de

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