55 Jahre Bundesliga

Redelings über die Saison 15/16 Gruseligstes Geschenk der Liga-Geschichte

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Sehr spezielles Geschenk; Ob das Ding jetzt in Gardiolas Wohnzimmer in Manchester steht?

(Foto: imago/ActionPictures)

Marwin Hitz ruiniert den Rasen und verwirrt Kölns Anthony Modeste. Wolfsburg Fans langen bei einem Banner gegen Braunschweig etwas daneben. Beim FC Bayern überrascht Karl-Heinz Rummenigge den scheidenden Trainer Josep Guardiola.

Ein Fan-Banner geht ins Auge - und bleibt deshalb in Erinnerung. Weil der VfL Wolfsburg den Nachbarn aus Braunschweig in der ewigen Tabelle der Fußball-Bundesliga überholt, schreiben die VfL-Anhänger beim Heimspiel gegen Gladbach eine Grußbotschaft an ihre Rivalen: "Blau-gelbe Schweine seht es ein, wir werden auf ewig hinter uns sein". Natürlich lassen sich die Fans der Eintracht nicht lange um eine Antwort bitten und hängen schon beim nächsten Spiel gegen den MSV Duisburg ein Spruchband mit den folgenden Worten auf: "Verein für Legastheniker! Ihr bleibt ewig hinter euch!!!" Äußerst gelungen ist hingegen das Banner der Darmstädter Fans in der Veltins-Arena: "Wir wären heute auch mit einer Knappen-Niederlage zufrieden!"

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Das schnellste Tor der Saison 2015/2016 fällt gleich am zweiten Spieltag durch den Hoffenheimer Kevin Volland in der Partie der TSG gegen den FC Bayern. Nach nur neun Sekunden netzt der Nationalspieler ein. Ein neuer Bundesligarekord! Offiziell werden zwar die Tore von Karim Bellarabi (Saison 2014/15 gegen den BVB) und Volland als gleich schnell gewertet, der Hoffenheimer traf aber 0,3 Sekunden früher.

Für seine Meisterschaft braucht der FCB dagegen so lange wie schon einige Saisons nicht mehr. Bis zum 33. Spieltag muss der Rekordmeister warten, bis er als Titelträger feststeht, obwohl es am Ende zehn Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund sind. Mit seiner dritten Meisterschaft in Folge verabschiedet sich Trainer Josep Guardiola und zieht weiter nach England zu Manchester City. Vor Guardiolas letztem Spiel in München überreicht Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem Katalanen ein sehr spezielles Geschenk: Ein brasilianischer Künstler hat für 3.000 Euro eine Acryl-Figur des Bayern-Maskottchens Berni angefertigt.

Kruse vergisst 75.000 Euro im Taxi

In Wolfsburg träumt man nach dem Gewinn des Supercups gegen den FC Bayern von einer erfreulichen Spielzeit. Doch Trainer Hecking ("Wir haben Blut geleckt") und sein Team erleben eine turbulente Saison. Und das liegt auch an den Skandalen um seine Spieler. Während Max Kruse in den Fokus gerät, weil er nach einer Pokernacht 75.000 Euro im Taxi vergisst, scheinen die Vorkommnisse um das Enfant terrible Nicklas Bendtner schlimmer zu sein. Als der im April gefeuert wird, sagt Sportdirektor Klaus Allofs: "Bei Nicklas sind konkrete Dinge vorgefallen. Wir haben ihn als Gefahr für unsere Gemeinschaft gesehen. Da mussten wir reagieren."

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Alle mit der 4: Frankfurts Spieler in der Relegation.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Und auch eine dänische Zeitung fällt in diesen Tagen ein verheerendes Urteil: "Bendtner hält wohl den dänischen Rekord für vergeudetes Talent. Er ist ein Karriere-Clown!" Natürlich hinterlässt der ganze Wirbel Spuren bei der Mannschaft. Sky-Kommentator Marc Hindelang bringt es bei der Partie in Ingolstadt auf den Punkt: "Beim VfL war so viel Sand im Getriebe, da könnte man Beachvolleyball spielen." In die Relegation muss am Ende Eintracht Frankfurt. Doch das erste Spiel gegen den 1. FC Nürnberg rückt von einem Moment zum anderen in den Hintergrund, als bekannt wird, dass Abwehrrecke Marco Russ an Hodenkrebs erkrankt ist. Nur durch Zufall wurde der Tumor entdeckt. Weil bei einer Dopingkontrolle ein extrem hoher Wert des Wachstumshormons HCG beanstandet wurde, ordneten die Ärzte beim Eintracht-Verteidiger sofortige Untersuchungen an. Trotz seiner Erkrankung absolviert Russ sogar noch das Hinspiel. Die Rettung der Eintracht in Nürnberg erlebt er dann im Krankenhaus. Am Morgen des Spieltags war Russ operiert worden.

Eine Aktion erhitzt in Köln die Gemüter: Als Augsburgs Torwart Marwin Hitz im Dezember mit seinen Stollen den Elfmeterpunkt im Stadion zu Müngersdorf malträtiert, ist die Aufregung groß. Vor allem, weil Kölns Anthony Modeste ausrutscht und den Strafstoß verschießt. In die Enttäuschung über das 0:1 mischt sich Wut über die Freveltat des Augsburgers. Doch einer reagiert besonnen, überlegt und mit einer typisch kölschen Prise Humor: Hans Rütten, der Chef der Kölner Sportstätten, schickt eine Rechnung in Höhe von 122,92 Euro an Marwin Hitz. Die Summe soll den Schaden ausgleichen, der der Stadt Köln beim Austausch des Rasenstücks entstanden ist. Lächelnd erklärt Rütten: "Es geht mir nicht um das Geld. Aber ein bisschen Strafe schadet nicht." Die Rechnung begleicht Hitz übrigens umgehend - als Spende an die Kinderklinik an der Amsterdamer Straße.

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Quelle: n-tv.de

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