55 Jahre Bundesliga

Redelings über die Saison 05/06 Klopp ist nicht mehr Erster an der Wurstbude

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Merkwürdig: Klopp bevorzugt plötzlich Trennkost.

Eine legendäre Slapstick-Einlage begeistert die Bundesliga, ein Großaktionär schmeißt beim BVB mit Kohle um sich und auf Schalke lässt Assauer seine Freundin die Bierkästen tragen. "Harry Potter" Klopp ändert seine Ernährungsgewohnheiten.

Es ist eine dieser Szenen, die ewig im Gedächtnis aller Bundesliga-Fans bleiben wird: Die legendäre Slapstick-Einlage spielt sich im Dezember in Duisburg ab. MSV-Trainer Norbert Meier und Kölns Albert Streit geraten am Spielfeldrand aneinander. Ihre hitzige Konfrontation beenden die beiden Laien-Darsteller mit einer hollywoodreifen Schauspieleinlage. Nach einem gegenseitigen Kopfstoß-Wischer sacken beide – mit den Händen vor dem Gesicht – zu Boden. Bis heute eine unvergessene Szene.

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Tiefschlaf oder Trennung? Assauer weiß es nicht so genau.

In Dortmund wird schon wieder Geld verteilt. Groß-Aktionär Florian Homm möchte eine Million Euro für die Meisterschaft und 500.000 Euro für das Erreichen der Champions League springen lassen. Ganz schön großzügig. Ob solche Summen tatsächlich einen speziellen Anreiz für die gut bezahlten Profis des BVB darstellen, darf angesichts der unglaublichen Summen, die in den letzten Jahren in Dortmund verbrannt wurden, allerdings bezweifelt werden.

In Mainz erarbeitet sich Trainer Jürgen "Harry Potter" Klopp ("Harry Potter ist mir lieber, als wenn sie mich Kermit getauft hätten") nach Anfangsschwierigkeiten langsam, aber sicher seinen Status als talentierter Bundesliga-Coach. Seine Methoden sind jedoch nicht immer so ganz nach dem Geschmack seiner Spieler – vor allem nicht derer, die noch mit ihm zusammen auf dem Platz gestanden haben, wie Torwart Dino Wache: "Früher war er nach Testspielen immer die Nummer eins an der Wurstbude. Heute bevorzugt er diese merkwürdige Trennkost."

Kaum ist Peter Neururer wieder in Lohn und Brot, ist auch schon die Sprüchemaschine angeworfen. In Hannover möchte der in Bochum vor wenigen Monaten entlassene Trainer endlich einmal langfristig etwas aufbauen. Um die Lockerheit im Verein – nach der etwas angestrengten Zeit unter Ewald Lienen – wiederzufinden, wirft er einige Dinge über Bord. Kiebitze sind wieder herzlich eingeladen zum Training und in Fragen der Ernährung kommt er den Spielern entgegen. Die Phase der Askese ist vorbei. Die Laster dürfen wieder gepflegt werden. Bierchen und fettiges Essen sind nicht mehr komplett tabu, denn für Neururer steht fest: "Fettwerte interessieren mich nicht. Mich interessieren die Lederwerte!"

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In Hamburg feiern sie ihren neuen Star. Der Niederländer Rafael van der Vaart begeistert nicht nur die Fans. HSV-Torwart Stefan Wächter: "Der kleine Holländer? Der ist ganz gut, ne?!" Die Hamburger starten mit sechs Siegen und zwei Unentschieden in die Spielzeit. Das ist der beste Saisonauftakt einer HSV-Mannschaft in der Bundesliga überhaupt. Auch Trainer Thomas Doll ist ein Anhänger von van der Vaart. Als der Niederländer beim 3:0-Sieg in Kaiserslautern ein Tor mit rechts und eines mit links erzielt und anschließend auch noch ein weiteres mit einem Traumpass vorbereitet, herzt ihn der HSV-Coach innig und ruft ihm begeistert mit einem Klaps auf den Po zu: "Ist das geil, Junge!" Innerhalb kürzester Zeit gehen 6.000 Trikots mit van der Vaarts Namen über den Ladentisch – ebenfalls Rekord in Hamburg. Viele Größen sind schnell ausverkauft.

Auf Schalke ist die Welt für Rudi Assauer im Spätsommer noch in Ordnung. Sein junger Nachwuchsmanager Andreas Müller darf ab sofort sogar "Du" zum Rudi sagen, wie Assauer selbst erzählt: "Den Gesellenbrief hat er jetzt schon. Den Meisterbrief noch nicht ganz. Aber es reicht, um Du zu mir zu sagen. Den Andi und mich kann kein Mensch der Welt auseinanderdividieren." Auf seine Arena Auf Schalke ist Assauer immer noch ganz besonders stolz; auch wenn in München mittlerweile der Hoeneß meint, sein Stadion wäre schöner. Jedoch nicht mit Assauer: "Die Allianz-Arena wirkt vor allem außen. Sie hat Charme, aber kein Dach!" Und auch sein Alter – er ist 61 Jahre jung – ist für Assauer kein Grund zur Sorge. Als ihn der Journalist der "Sport Bild" fragt, ob er nicht ab und zu einmal "depressiv" sei, antwortet Assauer: "Depressiv? Ist das eine neue Weinsorte? Oder ein neuer Kaffee? Nein, toi, toi, toi!"

Aber wie auch, bei so einer attraktiven Freundin? Zu den Gerüchten, dass die Schauspielerin Simone Thomalla nicht mehr bei ihm sei, sagt Assauer zu einem Reporter: "Wie? Die ist ausgezogen? Dann muss ich 14 Tage im Tiefschlaf gelegen haben. Sie geht manchmal weg zum Einkaufen. Ist aber immer wieder zurückgekommen …"

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Quelle: n-tv.de