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In der bayerischen Landesmetropole schätzt man Mehmet Scholl sehr.
In der bayerischen Landesmetropole schätzt man Mehmet Scholl sehr.(Foto: imago sportfotodienst)
Samstag, 17. Februar 2018

Redelings über die Saison 93/94: "Mehmet Scholl - 67 Kilo geballte Erotik"

Von Ben Redelings

Fußball kurios: Der "FC Hollywood" beklagt ernsthaft das große Interesse an der Bundesliga, während Reiner Calmund genau das mit zwei Verpflichtungen sucht. Eine Saison, in der Olli Kahn einen guten Grund hat, sich in Hundekot zu schmeißen.

Es waren komplett andere Zeiten: Weil am Tag zuvor im Olympiastadion eine Hundeschau stattgefunden hat, ist der Rasen vor der Partie des FC Bayern gegen den Karlsruher SC (1:0) komplett mit Hundekot übersät. Nach einer Beschwerde von KSC-Trainer Winfried Schäfer, dem die Haufen mächtig stinken, rücken einige Herren in Blaumännern mit Schippe und Eimern an und reinigen den Rasen, so gut es geht. Gäste-Torwart Oliver Kahn schmeißt sich jedoch wie gewohnt beherzt und ohne Rücksicht auf Verluste in jeden Ball.

Schließlich möchte er sich für einen möglichen neuen Arbeitgeber empfehlen und sagt: "Ich bin nicht mit dem KSC verheiratet!" Das hatte sich Mehmet Scholl bereits vor einem Jahr gesagt und den Weg von Karlsruhe nach München eingeschlagen. In der bayrischen Landesmetropole schätzt man die unbekümmerte Art des ehemaligen KSC-Spielers sehr. Vor allem Scholls Vorliebe für verbale Kabinettstückchen treffen einen Nerv. Der Jungstar des FC Bayern über sich selbst: "Mehmet Scholl - das sind 67 Kilo geballte Erotik!"

Ex-Nationalspieler Bernd Schuster kehrt mit seiner Frau Gaby und seinen Hunden und Pferden zurück in die deutsche Fußballlandschaft. Leverkusens Manager Reiner Calmund hat sich zur neuen Saison richtig was einfallen lassen. Nach der Verpflichtung von Dragoslav Stepanovic ("Der ist einer zum Anfassen, der bringt uns hier mal Zirkusmief in die Bude") ist der Transfer des Europameisters von 1980 die zweite große Nummer in Leverkusen. Und es klappt. Bayer steht oben, und Calmund ist total begeistert: "Alle reißen sich um Schuster und Stepi!" Kein Wunder, spielt der langjährige Spanien-Legionär doch spektakulär auf und ist fürs Vereinsmarketing eh unschlagbar, wie Calmund es auf den Punkt bringt: "Der hat einen PR-Wert wie Frank Sinatra."

Jens Lehmann begeht Stadionflucht

Jahrelang hat er für die Bundesliga geworben, immer höhere Erlöse aus der TV-Vermarktung gefordert und nun, wo die Liga durch die bunte TV-Präsentation der Privatsender immer populärer wird, beschwert sich Bayerns Manager Uli Hoeneß über die gesteigerte Aufmerksamkeit: "Wir kommen noch so weit, dass die Meldung über mein Treffen mit Anicic in der Tagesschau vor der Meldung vom Jelzin-Rücktritt gesendet wird." Bremens Willi Lemke erkennt hingegen, dass die neuen Entwicklungen die zwei Seiten einer Medaille sind. Er sieht eher die Vorteile, die die Bundesliga im Moment genießen darf: "Jeder Zirkusdirektor träumt davon, dass über seine Vorstellung so intensiv berichtet wird wie über unsere."

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Und eigentlich darf sich der "FC Hollywood" über das Medieninteresse auch nicht beschweren - sorgt man doch selbst durch überraschende Taten für besonderes Aufsehen. Kurz vor Weihnachten überreden die Bayern-Offiziellen Franz Beckenbauer, die Mannschaft von Erich Ribbeck zu übernehmen. Der hatte es sich zusehends mit dem Team verscherzt. Bereits in der Vorsaison hatte ihm der Spieler Jan Wouters mitten in der Mannschaftssitzung gesagt: "Trainer, Sie sind der Einzige hier im Verein, der von Fußball nichts versteht." Das haben im Winter nun wohl auch die Verantwortlichen des FC Bayern eingesehen und entlassen Ribbeck. Am Ende der Saison dürfen sie sich für ihre mutige Entscheidung selbst auf die Schulter klopfen. Das ewige Glückskind Beckenbauer gewinnt die Meisterschaft mit einem Punkt Vorsprung vor dem 1. FC Kaiserslautern.

Drei Kuriositäten der Saison zum Schluss: Schalkes Keeper Jens Lehmann begeht Stadionflucht und zwar mit der S-Bahn. In der Pause der Partie in Leverkusen, Halbzeitstand 3:0 für Bayer, fährt Schalkes ausgewechselter Torhüter mit der S-Bahn in seine Heimatstadt Essen zurück. Der von den eigenen Anhängern verhöhnte Jens Lehmann ist am nächsten Tag ganz geknickt: "Ich muss auf die Fans zugehen. Ich will hören, was Sache ist." Das Problem: Gegen seinen Konkurrenten Holger Gehrke hat Lehmann in puncto Beliebtheit keine Chance.

Thomas Helmer stochert am 23. April 1994 beim 2:1 seines FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg den Ball am Gehäuse des Clubs vorbei. Doch Schiedsrichter Harm Osmers erkennt den Treffer für die Münchner an. Bayerns Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge gab nach dem Schauen von zig Wiederholungen des Phantomtors zu Protokoll: "Wir werden den Ball nicht reinkriegen." Der DFB entscheidet: Es gibt ein Wiederholungsspiel. Das gewinnen die Bayern schließlich mit 5:0. Ein weiteres Kuriosum der Bundesligageschichte ereignet sich am 22. Spieltag. Der MSV Duisburg übernimmt die Tabellenführung - und das erstmals in der Ligahistorie mit einem negativen Torverhältnis von minus einem Tor.

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Quelle: n-tv.de