Fußball

Flick hadert, Neuer patzt Abwehrexperiment beim FC Bayern misslingt

Bei der Einstimmung auf das Champions-League-Spiel beim FC Chelsea fehlt dem FC Bayern "die perfekte Lösung". Aus dem zähen 3:2-Sieg gegen Tabellenletzten Paderborn ziehen die Münchner dennoch ein paar Erkenntnisse für den Ausflug auf die Insel.

Ein bisschen Sorgen musste man sich schon machen. Um Steffen Baumgart, den Trainer des SC Paderborn 07. Ohne Jacke, nur im kurzärmeligen Shirt, wuselte er gut 90 Minuten am Spielfeldrand umher und trieb seine Mannschaft an, während er hektisch einen Kaugummi zwischen seinen Zähnen malträtierte. Gut, er mochte nicht viel spüren von der Kälte an diesem Winterabend, war er doch stets in Bewegung. Ganz anders als sein Kollege vom FC Bayern. Hansi Flick stand meist auf dem gleichen Fleck vor der Bank, und war vermutlich ganz froh, einen Mantel anzuhaben und somit der Jahreszeit entsprechend gekleidet zu sein, bis zum Schluss, bis der zähe 3:2-Sieg gesichert war.

FC Bayern - SC Paderborn 3:2 (1:1)

München: Neuer - Kimmich, Alaba, Hernandez - Odriozola (63. Coman), Thiago, Tolisso (87. Zirkzee), Davies - Coutinho (69. Müller), Gnabry - Lewandowski. - Trainer: Flick
Paderborn: Zingerle - Jans, Strohdiek, Schonlau, Holtmann (29. Jastrzembski) - Gjasula, Vasiliadis - Pröger, Srbeny (81. Fridjonsson), Antwi-Adjei - Mamba (53. Michel). - Trainer: Baumgart
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Tore: 1:0 Gnabry (25.), 1:1 Srbeny (44.), 2:1 Lewandowski (70.), 2:2 Michel (75.), 3:2 Lewandowski (88.)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Hernandez (3) - Gjasula (11), Michel (3), Antwi-Adjei (2)

Es gab Momente in dieser Bundesligapartie zwischen dem Spitzenreiter und dem Tabellenletzten, da konnte sich Baumgart tatsächlich mehr am Spiel seiner Mannschaft erwärmen als Flick. Nein, es war nicht unbedingt schauerlich, was die Bayern da boten ein paar Tage vor dem ersten Achtelfinalspiel in der Champions League gegen den FC Chelsea in London, aber eben "nicht so seriös, wie ich mir das vorgestellt habe", gab der Münchner Trainer zu. "Wir haben nicht immer die perfekte Lösung gefunden", stellte Joshua Kimmich fest. Der Rekordmeister war zweimal in Führung gegangen, durch Serge Gnabry nach 25 Minuten und Robert Lewandowski eine halbe Stunde vor Spielende, aber zweimal kamen die munteren Paderborner zurück.

Salihamidzic ist zufrieden

Noch vor der Pause sorgte Dennis Srbeny für einen Adrenalinkick beim Trainer, als er vor dem 1:1 den herausgelaufenen Bayern-Torhüter Manuel Neuer tunnelte (44.), in der zweiten Hälfte war es dann der eingewechselte Sven Michel, der mit dem 2:2 die Hoffnung auf einen Punktgewinn im Abstiegskampf nährte, ehe Lewandowski dafür sorgte, dass der FC Bayern auf jeden Fall als Bundesliga-Primus nach London reisen wird. Ausschlaggebend seien die drei Punkte gewesen, sagte Thomas Müller. "Und jetzt geht’s Richtung Dienstag."

Mit einer Champions-League-Woche vor Augen, das weiß der designierte Sportvorstand Hasan Salihamidzic, sind solche Spiele in der Bundesliga nicht immer ganz einfach. "Wir haben die Pflichtaufgabe ganz gut gelöst", findet er. Als Generalprobe für den prestigeträchtigeren internationalen Auftritt taugt das nationale Duell ohnehin nicht. Dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, zeigte schon die Hinrunde. Da hatten sich die Bayern ebenfalls zu einem mühevollen 3:2 in Paderborn gequält, vier Tage später dann den letztjährigen Champions-League-Finalisten Tottenham Hotspur mit 7:1 düpiert. Ein paar Erkenntnisse für Chelsea habe es dann doch gegeben, findet Neuer. Er hebt die "absolute Teamleistung" hervor, vor allem in der Schlussphase. "Wir wollten unbedingt", findet der Kapitän. Ähnlich sieht es Müller. "Auf jeden Fall ist der Spirit da."

Boatengs erstaunlicher Wandel

Die Partie gegen die Ostwestfalen geht auch als Experiment in die Flick'sche Trainer-Ära in München ein, das nicht unbedingt zur Wiederholung taugt, vor allem nicht gegen Chelsea. Der Bayern-Coach hatte sich aufgrund der beiden Gelbsperren von Benjamin Pavard und Jerome Boateng für eine Dreier-Abwehrkette entschieden. Zwei Linksfüßer, wie es David Alaba und Lucas Hernandez sind, in der Innenverteidigung, das habe sich schon in der Woche zuvor nicht bewährt, wie Neuer findet. "Wir mussten was verändern." Und ein Top-Team müsse auch in der Lage sein, mehrere Systeme zu spielen, erklärte Joshua Kimmich. Allerdings lief es auch gegen Paderborn mit drei Innenverteidigern nicht besser als in der zweiten Hälfte in Köln mit Alaba und Hernandez in der bewährten Viererkette.

"Das hat nicht ganz so gut funktioniert", gab Flick zu. Vor allem von den beiden Außen Alphonso Davies und den Startelf-Debütanten Alvaro Odriozola, der Münchner Winter-Transfer, sei zu wenig Initiative für die Offensive gekommen, rügte der Bayern-Trainer. Dass in der Champions League nun wieder Jerome Boateng in der Startelf stehen wird, gilt als fast sicher. Jener Boateng, der bereits keine Zukunft mehr zu haben schien in München, erfährt plötzlich wieder Wertschätzung. Aber egal, mit welchem System und Personal der FC Bayern an der Stamford Bridge antreten wird: Eine Wiederholung des Hinrunden-Ereignisses mit dem Fußballfest bei Tottenham schließt Neuer aus. "Es wird keinen Durchmarsch geben."

Quelle: ntv.de