Fußball

Fußball-Finale in der Türkei Alle gegen den Erdogan-Klub

imago40208659h.jpg

Rekordmeister Galatasaray Istanbul möchte gegen Basaksehir seine 22. Meisterschaft einfahren.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Showdown um den Titel in der Süper Lig: Das Duell zwischen Rekordmeister Galatasaray und Erdogan-Klub Basaksehir am vorletzten Spieltag spaltet das Land. Das Stadion des einen Klubs wurde einst nach dem Trainer des anderen benannt. Nicht das einzige Kuriosum rund um dieses Spiel.

Der Titelkampf in der Türkei wird zum spannenden Duell der Fußball-Kulturen und wie so oft spielt auch Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Rolle. Der Traditionsklub Galatasaray mit seinen enthusiastischen Fans will sich gegen den vom Erdogan-Lager unterstützten Retortenklub Istanbul Basaksehir die Meisterschaft holen. Und der finale Showdown der bislang punktgleichen Teams steigt im direkten Aufeinandertreffen (ab 18 Uhr).

"Wir haben das ganze Jahr dafür gekämpft", sagte Galatasarays Mittelfeld-Spieler Younès Belhanda nach dem Pokalsieg am Mittwoch. "Jetzt wollen wir den Meisterschafts-Pokal vor unseren Fans holen", fügte der ehemalige Schalke-Profi an. Normalerweise machen die "großen Drei", die Istanbuler Traditionsvereine Galatasaray, Besiktas und Fenerbahce die Meisterschaft unter sich aus. Galatasaray hat den Titel schon 21 Mal gewonnen, Basaksehir noch nie. Der Verein ist noch relativ jung - und umstritten wegen seiner Nähe zum Präsidenten.

Traditionsverein gegen Retortenklub

*Datenschutz

Am Sonntag treffen in der Türk Telekom Arena von Galatasaray somit am vorletzten Spieltag zwei sehr unterschiedliche Mannschaften und auch Trainer aufeinander. Zehntausende Fans auf der einen, wenige Unterstützer auf der anderen Seite. Galatasaray-Coach Fatih Terim, der seine Mannschaft auch in schwierigen Situationen motivieren kann, gegen Taktiker Abdullah Avci, Traditionsverein Galatasaray, gegründet 1908, gegen Retortenklub Basaksehir.

Erst im Jahr 2014 wurde Basaksehir als Nachfolger des Vereins der Istanbuler Stadtverwaltung gegründet. Er wird vor allem von regierungsnahen Unternehmen gesponsert wie der Krankenhauskette Medipol. Vereinspräsident Göksel Gümüsdag ist mit der Nichte der Ehefrau Erdogans verheiratet und auch sonst ist die Regierungsnähe des Vereins ein offenes Geheimnis. Der Fußballexperte Patrick Keddie nennt den Verein "eine Art Projektteam" der Istanbuler Stadtverwaltung, die zumindest bis zur Wiederholung der Bürgermeisterwahl Ende Juni noch islamisch-konservativ geführt wird.

Das regierungsnahe Sponsoring verärgert Fans anderer Klubs. "Es gibt durchaus Fans von Besiktas, Fenerbahce oder Trabzon, die jetzt Gala die Daumen drücken", sagt Türkei-Experte Fatih Demireli, Chefredakteur des Magazins Socrates, dem Sport-Informationsdienst. Das wäre in jeder anderen Konstellation undenkbar. Doch viele Fans täten sich "schwer, Basaksehir zu unterstützen", sagt Demireli. Das liegt auch an Erdogan.

Wer würde feiern - außer Erdogan?

"Unser Präsident wäre sicher Nationalspieler geworden, wenn er eine Fußballer-Karriere eingeschlagen hätte", sagt Basaksehir-Trainer Abdullah Avci, der wie Erdogan im Arbeiterbezirk Kasimpasa aufwuchs. Avci hat sich einen Ruf als geschickter Taktiker erarbeitet, der auf Verteidigung und Konter setzt. Seine Mannschaft hat er aus erfahrenen Spielern zusammengestellt. Darunter ist der ehemalige Arsenal-Star Emmanuel Adebayor sowie der ehemalige brasilianische Nationalspieler Robinho. Und Arda Turan, der von Barcelona ausgeliehen wurde und ein treuer Anhänger Erdogans ist. Bei seiner Hochzeit war der Staatschef Ehrengast und Trauzeuge, berichteten viele Medien.

imago37355172h.jpg

Bei Spielen des Erdogan-Klubs verlieren sich in der Regel kaum mehr als 3000 Fans im Fatih-Terim-Stadion.

(Foto: imago/Seskim Photo)

Was dem Verein bislang fehlt, ist eine nennenswerte Fangemeinde. Der Klub hat keine Tradition, auch das Stadtviertel Basaksehir im Westen der Stadt ist relativ neu. Zu den Heimspielen kommen nur rund 3500 Anhänger in ein Stadion, das 17 000 Zuschauer beherbergen kann. Das entspricht in etwa dem Zuschaueraufkommen des deutschen Drittligisten Sonnenhof Großaspach. Würde Basaksehir die Meisterschaft gewinnen, stellt sich die Frage: Wer würde die überhaupt feiern?

Ganz anders sieht es bei Galatasaray aus: Die Fans fiebern mit, grölen ihre Unterstützung heraus und sind oft genug ein Faktor für den Erfolg. Der Heimvorteil am Sonntag könnte den entscheidenden Unterschied machen. Der ehemalige türkische Nationalspieler und Kommentator Rivdan Dilmen sagt, die Nation erwarte "ein Fußballfest" zum Tag des Sports. Denn die Türkei begeht an diesem Sonntag auch den Feiertag der Jugend und des Sports zum Gedenken an Republikgründer Atatürk.

Quelle: n-tv.de, Mirjam Schmitt, dpa