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Redelings übers Fußball-Fasten Alles gut oder nächste Ausfahrt Klapse?

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Er ist der einzige Fußball-Fan in Deutschland, der nicht weiß, was gestern Abend passierte. Seit 13 Tagen lebt Ben Redelings nun schon im Fußball-Nirwana. Hält er noch durch? Und wie geht es ihm überhaupt so?

Na, war das nicht ein interessanter Fußball-Abend gestern? Und erst das Wochenende? Abstiegsdrama! Aufstiegskrimi! Trainer auf dem heißen Stuhl! So macht Fußball richtig Spaß, oder!? Und jetzt kommt wieder dieser Hansel und will uns was von seinem Fußball-Fasten erzählen. 31 Tage ohne Fußball. Im Mai. Dem Monat der Entscheidungen. Wie kann man nur so blöd sein? Was für ein Opfer! Soll sich mal schön verpissen, der Junge!

"Fußball ist nicht das Wichtigste"

Ben Redelings, Jahrgang 1975, sagt: "Ich lese eigentlich alles, was es zur Bundesliga gibt." Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und kümmert sich seit 15 Jahren hauptberuflich um alles, was mit Fußball zu tun hat. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er alle zwei Wochen mittwochs die spannendsten und lustigsten Geschichten auf - eigentlich. Seit dem 1. Mai befindet sich der "Fußball-Nerd" in einem besonders nerdigen Selbstversuch: 31 Tage Enthaltsamkeit, 31 Tage Fußball-Fasten. Wie das funktioniert und ob überhaupt - davon berichtet er noch bis zum Ende des Monats jede Woche in seiner Kolumne.

Wer jetzt denkt, ich sei endgültig reif für Aplerbeck (haben wir als Kinder immer gesagt, weil wir mal gehört hatten, dass dort im Dortmunder Stadtteil die "Klapse" steht), den muss ich auf eine gewisse Art und Weise enttäuschen. Ich fühle mich eigentlich ganz gut – nur die Gesprächsthemen gehen mir in meiner Peergroup langsam aus. Und das lässt mich leider von Tag zu Tag mehr zu einem gesellschaftlichen Außenseiter werden. Ein durchaus interessanter Aspekt dieses Experiments, aber im Grunde natürlich nicht so wirklich prickelnd!

Machen wir es kurz: Ich weiß immer noch nichts. Gar nichts! Abstiegskampf. VfL Bochum. Champions League. Das sind zwar keine böhmischen Dörfer für mich, aber aktuell liegt mein Wissensstand auf dem Niveau eines Menschen, den man vor 13 Tagen eingefroren hat.

Apropos. Es gab da einmal diesen Louis de Funès Film, bei dem der für immer verschollen geglaubte Opa nach Jahren in einer Gletscherspalte (oder so) wiedergefunden und anschließend langsam aufgetaut wurde. Als Schutz, damit er sich nicht zu sehr aufregt über all die Veränderungen, hat man ihm seine Welt so hergerichtet, wie er sie Jahre zuvor verlassen hatte. Sehr lustig, der Film.

Ein Brief vom VfL, welch eine Verlockung...

Ich bin jetzt schon sehr gespannt, was sich da "draußen" seit dem Beginn meiner inneren Einkehr so alles verändert hat. Wird man mich auch behutsam ins reale Fußball-Leben zurückführen müssen? Gibt es da etwas, das ich besser jetzt schon wissen sollte? Als wir letzten Samstag nach Hause kamen, lag ein Brief vom VfL in der Post. Ich schlich einige Stunden um den Umschlag herum und entschloss mich kurz vorm Schlafengehen endlich: Nein, ich werde den nicht aufreißen! Die Frau muss das machen.

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Umgehend habe ich ihr den Brief in die Hand gedrückt und sie gebeten, ihn zu öffnen. Zur Sicherheit entfernte ich mich einige Schritte. Warum auch immer?! Sie überflog das Stück Papier und sagte: Der VfL meint, du solltest deine Dauerkarte verlängern. Bis zum 30. Mai. Dann gibt es irgendwas umsonst dabei. Ich fragte, ob in dem Brief irgendwas "Gefährliches" steht, so in die Richtung: "Wieder einmal möchten wir uns bei Ihnen für die tolle Unterstützung bedanken. Für das kommende Jahr in der 2. Liga hoffen wir auf einen ähnlich stimmungsvollen Support wie in dieser Saison. Seien Sie dabei. Gemeinsam wollen wir das Ziel 1. Liga mit vereinten Kräften angehen!" So oder so ähnlich.

Sie glaubte, so etwas stehe da nicht drin, aber ich ging wieder einmal auf Nummer sicher und archiviere das Teil nun lieber bis nach dem 1. Juni. Aber eine Frage blieb: Es wäre doch schon komisch, wenn der VfL so ein Teil rausschicken würde, ohne zu 100 Prozent zu wissen, in welcher Liga man im nächsten Jahr spielt, oder? Hört sich für euch wahrscheinlich ziemlich bescheuert an, aber das sind die kleinen Dinge, anhand derer man versucht, etwas von eurem ganz normalen Alltag mitzubekommen.

Mittlerweile hat sich meine kleine Welt sehr gut eingespielt. Am Anfang bin ich noch jedes Mal panisch auf die Gästetoilette gesprintet und habe die Türe hinter mir zugeschlagen, so bald meine Frau unvorsichtigerweise den Fernseher in meiner Gegenwart angemacht hat. Sendeplatz 100 – Sky Sport News drohte mir etwas zu verraten. Das ist Geschichte!

Neongrüne Kinder-Kopfhörer und rote Feuerwehrhelme

Möchte sie nun das Empfangsgerät einschalten, bittet sie mich vorher liebevoll, vor die Türe zu gehen. Die Kinder gucken zwar immer noch etwas erstaunt, aber eigentlich finden sie dieses komische Projekt von Papa ganz prima. Seitdem ich das begonnen habe, trage ich schließlich ihre neongrünen Kinder-Kopfhörer. Das sieht zwar herrlich bescheuert aus, macht mich aber insgeheim zu einem Verbündeten der beiden. Zum Spaß setze ich mir im privaten Rahmen gerne auch noch einen unserer zahlreichen Feuerwehrhelme auf. Zusammen mit dem brandroten Shirt "31 Tage ohne Fußball" sehe ich fast wie "Feuerwehrmann Sam" aus. Und den lieben die beiden fast noch mehr als ihren seltsamen Papa!

Ihr seht, das Leben ohne Fußball ist nicht weniger verrückt als mit. Aber ich gebe ehrlich zu: Ein ordentliches Gespräch beim Bier über Fußball fehlt mir schon irgendwie. Hoffentlich kann ich in zwei Wochen überhaupt noch mitreden. Ihr müsst mir auf jeden Fall versprechen, mich ganz behutsam an eure Welt heranzuführen. Die Dauerkarte für den VfL werde ich aber ohnehin so oder so bestellen. Mit diesem Verein gehe ich schließlich zur Not auch nach Aplerbeck!

Weitere Informationen zum Experiment und zum Buch übers Fußball-Fasten gibt's hier!

Quelle: n-tv.de

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