Fußball

Fußball-Zeitreise, 27. 4. 07 Als Bochum den Schalkern die Schale stahl

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Der Endstand von 2:1 gegen den VfL Bochum könnte die Schalker die Meisterschaft gekostet haben.

Ein Debakel scheint an diesem Abend für den VfL Bochum schon nach acht Minuten fast unausweichlich. Die Schalker präsentieren sich bei ihrem "Heimspiel in Bochum" wie der kommende deutsche Meister. Doch dann kippt die Partie – und die gesamte Saison für den S04!

Hartnäckig hält sich die Legende, dass der FC Schalke 04 den Kampf um die Deutsche Meisterschaft 2007 bei seiner 2:0-Niederlage am 33. Spieltag in Dortmund verlor. Das liest sich natürlich gut: Ausgerechnet im Derby gegen den großen Rivalen und Widersacher – das sind die emotionalen Übergeschichten, die vermeintlich nur der Fußball produziert.

Doch was offenkundig die allermeisten Anhänger dieses fantastischen Sports und insbesondere die königsblauen Fußballfans verdrängt haben: am Freitagabend des 27. April 2007, auch damals der 31. Spieltag, hätte der FC Schalke 04 nicht nur einen riesengroßen Schritt auf dem Weg zur ersten deutschen Meisterschaft seit 1958 schaffen, sondern den Sack quasi schon zumachen können. Doch an diesem legendären Abend im Bochumer Ruhrstadion verspielte S04 nicht nur einen 1:0-Vorsprung, sondern mit ziemlicher Sicherheit auch das zuvor dominierende Gefühl: dieses Jahr kann uns keiner was!

Nur Matthäus ahnte es

Einzig Lothar Matthäus hatte es schon vor der Saison geahnt: "Wegen der Klasse der Spieler müsste Schalke 04 sogar Meister werden." Das hielten jedoch viele andere Experten für Schwachsinn. Umso überraschender war das forsche Auftreten dieser Schalker Truppe um Manuel Neuer, Marcelo Bordon, Rafinha, die Altintop-Brüder, Lincoln und Kevin Kuranyi.

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Auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Schalker, Clemens Tönnies, trug ein Nordkurve-Shirt.

Ab dem 20. Spieltag standen die Königsblauen an der Tabellenspitze. Nichts schien diese Mannschaft mehr aufhalten zu können. Und als an diesem herrlichen Frühsommerabend des 27. April die Hälfte aller Besucher im Ruhrstadion auf den Tribünen in weißen "Nordkurve in deiner Stadt"-Shirts auch optisch die aktuelle Übermacht des S04 präsentierten, war klar: den VfL Bochum und seine Fans konnte nur ein Wunder vor einem Debakel bewahren. Doch genau dieses Debakel schien ab der ersten Sekunde nach dem Anpfiff unausweichlich!

Als Kevin Kuranyi in der achten Minute den Führungstreffer für die Schalker schoss, war dieses Tor bereits lange überfällig. Wie eine absolute Spitzenmannschaft hatten die Königsblauen das Bochumer Team durcheinander gewirbelt und phänomenal aufgetrumpft. Kaum einmal gelang es den Blau-Weißen, überhaupt nur in die Nähe des Balls zu kommen. Die Schalker ließen die Kugel und den Gegner laufen. Der zweite Treffer war nur eine Frage der Zeit – das dachten alle im Stadion und ganz besonders wohl auch die Spieler des S04. Doch als Gerald Asamoah die riesengroße Chance zum 2:0 ausließ, veränderte sich plötzlich etwas auf dem Platz. Das lockere Kombinationsspiel der Schalker wirkte nicht mehr nur souverän, nein, es hatte sich eine gewisse Arroganz in die Aktionen der Königsblauen eingeschlichen. In der Halbzeit wird Youri Mulder an diesem Abend völlig zu Recht sagen: "Und dann gibt es Schalke ohne Not aus der Hand."

"Gutes vom Griechen"

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Torhüter Jaroslav Drobny (r.) rettete den Sieg des VfL.

(Foto: imago sportfotodienst)

Der 1:1-Ausgleich der Bochumer in der 33. Minute durch „Zwetschge“ Misimovic fiel noch etwas überraschend – doch man hatte schon vorher das Gefühl gehabt, die Königsblauen hatten durch ihre aufreizend lässige Art die Spieler des VfL Bochum gereizt. Und dann kam auch noch Pech hinzu, als Pander in der 38. Minute den Ball bei einem Freistoß anstatt ins Tor nur an den Bochumer Pfosten schoss. Das Spiel endgültig gedreht hat an diesem bemerkenswerten Abend schließlich der Treffer zum 2:1 durch Gekas. Nach einer herrlichen Hereingabe von der rechten Seite von Marcel "Magic" Maltritz gab es "Gutes vom Griechen" – flankiert von obligatorischen Sirtaki-Klängen aus den Lautsprechern. Die zweite Halbzeit war anschließend eine einzige Abwehrschlacht von elf Bochumern gegen phasenweise recht fantasielose aber bemühte Schalker. Den Sieg des VfL rettete vor allem der phänomenal haltende Keeper im Kasten der Bochumer Jaroslav Drobny.

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Vor diesem Spieltag hatten die Königsblauen 62 Punkte auf ihrem Konto. Der spätere deutsche Meister, der VfB Stuttgart, lag mit 58 Zählern bereits vier Punkte hinter dem S04. Natürlich ist es im Nachhinein reine Spekulation, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der VfB bei einem Sieg der Schalker am Freitagabend in Bochum seine Chancen auf den Titel vermutlich spürbar schwinden gesehen hätte. Und ob man dann am nächsten Tag in Mönchengladbach tatsächlich, wie geschehen, mit einem 1:0-Sieg den Abstand von vier Punkten hätte halten können – man weiß es nicht.

Eins ist jedoch klar: Mit ein wenig mehr Zielstrebigkeit und ein bisschen weniger Arroganz an diesem Abend im Bochumer Ruhrstadion hätten die Königsblauen ein paar Wochen später selbst eine Niederlage in Dortmund verschmerzen können. Denn dass der BVB und seine Fans überhaupt in den „Genuss“ kamen, dem ewigen Rivalen in einem einzigen großen Spiel die deutsche Meisterschaft zu versauen, haben sie vor allem dieser bemerkenswerten Partie des 31. Spieltags am 27. April 2007 zu verdanken.

Quelle: n-tv.de

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