Fußball

Legendäres 6:6 im DFB-Pokal Als Schalkes Olaf Thon den FC Bayern nervte

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Schalker Held: Olaf Thon am 2. Mai 1984.

(Foto: imago/WEREK)

Es ist ein verrücktes Fußballspiel mit einer schier unglaublichen Dramaturgie. Und mittendrin: Schalkes Olaf Thon, dem vor 33 Jahren im Halbfinale des DFB-Pokals beim 6:6-Spektakel drei Tore gegen den FC Bayern gelingen.

Was sollte bei diesem Spiel noch groß passieren? Am Tag zuvor, auf dem mit seinen 34.500 Plätzen ausverkauften Bökelberg, DAS war großes Fußballtheater. Mit 5:4 nach Verlängerung hatte die Mönchengladbacher Borussia den SV Werder Bremen besiegt und war an diesem 1. Mai 1984 ins Endspiel des DFB-Pokals eingezogen. Wir saßen vor dem Fernseher, die ARD übertrug zum ersten Mal überhaupt eine Partie live und in Farbe, das kein Finale oder Länderspiel war. Heribert Faßbender kommentierte: "Guten Tag allerseits." Und da die Partie länger dauerte als 90 Minuten, musste um 20 Uhr sogar die Tagesschau warten.

Der Gladbacher Hans-Jörg Criens war der Mann des Spiels. Direkt nach dem Tor zum 3:4 hatte Trainer Jupp Heynckes ihn nach 82 Minuten eingewechselt. In der fünften Minute der Nachspielzeit gelang Criens das 4:4, nach 107 Minuten schoss er das 5:4. Seitdem gibt es in der Sprache des Fußballs den Begriff des Jokers. Niemand, wirklich niemand hatte daran geglaubt, dass es einen Tag später vor 71.000 Zuschauern im ausverkauften Gelsenkirchener Parkstadion beim zweiten Halbfinale der Schalker gegen den FC Bayern noch ein wenig besser, noch ein wenig spektakulärer werden würde. Heute (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) stehen sich beide Mannschaften wieder gegenüber, dieses Mal zum Viertelfinale in München.

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Aber zurück ins Jahr 1984: Es war der Abend, an dem Olaf Thon die großen Bayern nervte und, wie er später einmal sagte, "das mit Abstand schönste Spiel meiner Karriere" erlebte - dabei war er am Tag vor diesem 2. Mai 1984 just 18 Jahre alt geworden. Dieses Mal übertrug das ZDF, und die Szene, wie der Reporter Rolf Töpperwien im Gedränge der Fans auf dem Rasen nach dem Abpfiff versuchte, mit Thon über seine drei Tore beim legendären 6:6 zu sprechen: "Leute, seid mal ruhig! Wir wollen mit dem Olaf ein Interview machen. Der Olaf muss doch ins Bild. Junge, Junge, Junge!" Das alles haben wir nicht mitbekommen. War nicht schade drum. Wir saßen als Zuschauer auf der Gegentribüne staunten über das, was wir sahen und haben es bis heute nicht vergessen.

Thon: "Dann macht es sofort klick"

Die Schalker spielten damals in der zweiten Liga, der FC Bayern mit Trainer Udo Lattek, den Brüdern Karl-Heinz und Michael Rummenigge, Klaus Augenthaler, Norbert Nachtweih und Sören Lerby waren klarer Favorit. So legten sie dann auch los und lagen nach zwölf Minuten mit 2:0 vorne. Doch dann kam Thon, schoss in der 19. Minute sein erstes Tor zum 2:2, seine zweites nach gut einer Stunde zum 3:3 - und hob sich das Beste bis zum Schluss auf. Denn als der eingewechselte Dieter Hoeneß in der drittletzten Minute der Verlängerung die Münchner mit 6:5 zum vierten Mal in Führung geschossen hatte, war das Spiel gelaufen.

Dachten viele der Zuschauer, die sich spätestens jetzt auf den Weg zum Parkplatz machten in der Gewissheit, ein verrücktes Fußballspiel mit einer unglaublichen Dramaturgie gesehen zu haben. Wir blieben. Und sahen wie Olaf Thon in der 120. Minute mit dem linken Fuß den Ball aus spitzem Winkel am Torhüter Jean-Marie Pfaff vorbei in den Winkel des Münchner Tores schoss: 6:6.

Danach haben sie ihn über den Platz getragen. "Acht Minuten lang", wie Thon heute noch ganz genau weiß. Im Interview mit dem Magazin "11 Freunde" sagte er 2011: "Dieses letzte Tor wird immer in meiner Erinnerung sein. Wenn heute jemand ankommt und zu mir sagt 6:6, dann macht es sofort klick, und ich habe wieder dieses Tor und die Sekunden danach im Kopf, als sich alle auf mich stürzten und ich unter ihnen begraben wurde. Auch Bayerns Trainer Lattek war ganz angetan: "Für den Jungen würde ich sofort zehn Millionen Mark hinlegen."

Die Fortsetzung dieser Geschichte ist übrigens etwas weniger spektakulär. Anders als heute gab es damals bei einem Unentschieden nach Verlängerung noch kein Elfmeterschießen. Das Wiederholungsspiel am 9. Mai 1984 gewannen die Bayern in München mit 3:2 und letztlich auch den Pokal. Unter anderem deshalb, weil im Endspiel ein gewisser Lothar Matthäus beim Elfmeterschießen für Mönchengladbach den Ball über das Tor jagte. Für Matthäus war es das letzte Spiel für die Borussia, danach wechselte er zum FC Bayern. Olaf Thon folgte ihm vier Jahre später. Aber das ist eine andere Geschichte.

Quelle: n-tv.de