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Der Bundesliga-Check: VfB Stuttgart Aufbruch oder Himmelfahrtskommando?

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Puh, durchschnaufen: Auf den neuen VfB-Coach Alexander Zorniger wartet eine ganze Menge Arbeit.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Der VfB Stuttgart hat zwei fürchterliche Spielzeiten hinter sich und drückt den Reset-Knopf: neuer Trainer, neues System, neue Kräfte. Was Coach Alexander Zorniger vorschwebt, ist spannend – und hochriskant.

Eine ruhige, entspannte Saison – wer dürfte sich danach mehr sehnen als die Fans des VfB Stuttgart, die in den vergangenen beiden Spielzeiten nervenzehrenden Abstiegskampf über sich ergehen lassen mussten? Was sich aber nun im Ländle zusammenbraut, klingt nicht gerade nach Beschaulichkeit. Von einem "Experiment" spricht Kapitän Christian Gentner. Eines, das entweder klappt und den VfB zu einer der Überraschungen der Saison macht, oder eben krachend scheitert. Etwas dazwischen ist schwer vorstellbar.

Was gibt’s Neues?

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Martin Harnik ist gespannt: "Wir haben absolutes Neuland betreten."

(Foto: imago/Michael Weber)

Ein neuer Trainer versucht sich beim VfB und er ist nicht als behutsamer Reformer gekommen, sondern als Revolutionär. Alexander Zorniger heißt der Mann, der zwar noch keine Bundesliga-Erfahrung vorzuweisen hat, aber mit einer Menge Selbstvertrauen ausgestattet ist. "Beim BVB sind auch viele Trainer entlassen worden, bevor Klopp kam", sagte er zu seinem Einstand in Stuttgart. Zorniger versteht sich als Vertreter der "Stuttgarter Schule" um Ralf Rangnick, die auf ballorientierter Raumdeckung basiert. Der Fokus liegt vor allem auf der Verteidigung und der Eroberung des Balls, danach soll es so schnell wie möglich ab durch die Mitte gehen. Der BVB hat diese Taktik unter Jürgen Klopp kultiviert, Roger Schmidt hat ihn mit wechselhaftem Erfolg in Leverkusen implementiert. Ihr Bruder im Geiste Alex Zorniger will in dieser Saison nichts weniger als einen "eigenen VfB-Stil" entwickeln.

Auf wen kommt es an?

Zornigers Idee von Fußball trifft auf einen Kader, dem in den vergangenen Jahren der Ruf vorauseilte, sich nicht gerade zu zerreißen. Der neue Coach aber braucht willfährige Überfallkommandos, laufbereite Maschinen. "Wir wollen den Gegner jagen", sagt Zorniger. Letzte Saison mussten die VfB-Kicker noch zum Jagen getragen werden. Erst kurz vor Ultimo machte es Klick, weil Trainer Huub Stevens und seine Mannschaft das schnelle Spiel über die Außen entdeckten. Genau das aber will Zorniger nicht, er will über die Zentrale angreifen. Seine Spieler fordern die neuen Vorgaben sichtlich. "Wir haben absolutes Neuland betreten", sagte Stürmer Martin Harnik der "Stuttgarter Zeitung" über die Vorbereitung, "so etwas haben wir noch nie erlebt." Die Testspiele gaben schonmal einen Vorgeschmack darauf, was die Fans erwarten könnte – einem 6:3-Erfolg gegen Viktoria Pilsen folgte ein 1:4 gegen Bern. "Da waren wir ratlos und fanden keine Lösungen mehr", gab Harnik zu. Da waren sie überfordert vom Revolutionär Zorniger.

Wie gut kennen Sie den VfB Stuttgart
Nach zwei nervenzehrenden Spielzeiten drückt der VfB Stuttgart den Reset-Knopf. Mit dem neuen Trainer befindet sich der Verein zwischen Aufbruch und Himmelfahrtskommando. Wie gut kennen Sie sich mit dem VfB aus? Testen Sie ihr Wissen im n-tv Quiz.

 

Was fehlt?

Ein Abnehmer für Antonio Rüdiger. Der wechselwillige Nationalspieler wurde lange mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht, doch Klaus Allofs wollte dem Vernehmen nach nicht mehr als 12 Millionen Euro zahlen – da erwartet sich Robin Dutt schon ein paar Millionen mehr, gerade weil Rüdiger zum Beispiel beim FC Chelsea und bei Atletico Madrid im Gespräch sein soll. Auch Vedad Ibisevic und Mo Abdellaoue sollen gehen und möglichst noch ein bisschen Spielraum für die Verpflichtung eines Verteidigers schaffen. Ein großer Name war noch nicht unter den Neuverpflichtungen, am meisten Geld (3,5 Millionen Euro) gab Dutt für Torwart Mitch Langerak vom BVB aus.

Wie lautet das Saisonziel?

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"Es wird wild" versprach Zorniger, mehr aber auch nicht. Dem "Kicker" sagte der Bundesliga-Neuling, er werde sich nicht an einem Tabellenplatz orientieren. Solche Töne klingen vertraut. Zu Beginn von Thomas Schneiders Zeit als VfB-Trainer im August 2013 sprachen die Stuttgarter von einer Rückkehr zu den "Jungen Wilden", von einem langfristig angelegten Wandel im Klub. Das Projekt überdauerte keine sieben Monate, bis die Verantwortlichen sich dann doch am Tabellenplatz orientierten und angesichts des drohenden Abstiegs kalte Füße bekamen. Auftritt Huub Stevens, der erste. Vielleicht kann man es so sagen: Die Stuttgarter wollen es auf jeden Fall vermeiden, den zunehmend kauzigen Stevens ein drittes Mal als Retter zu engagieren. Auch die Kollegen von "Sky" wären dankbar.

Die n-tv.de Prognose

Wild spielen, die Gegner jagen – für einen Neuling in der Bundesliga hat Alexander Zorniger markige Ansagen gemacht. Dafür war er schon seit seiner Zeit bei RB Leipzig bekannt, so will er es beibehalten. Auch der Fußball, den er predigt, verspricht Unterhaltung. Wenn er den Kader auf seine Ideen einschwören kann, werden die Stuttgarter wieder ins gesicherte Mittelfeld vordringen. Doch kann Zorniger auch flexibel agieren, wenn das Team mit seinem System nicht klarkommt? Und wie reagiert das Umfeld, wenn die riskante Spielweise zu herben Klatschen führen sollte? Für Spannung ist gesorgt beim VfB.

Quelle: n-tv.de

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