Kovac rüffelt GuirassyBVB fremdelt mit sich und Schlotterbecks (zu) krasser Ansage

Formkrise überwunden? Abwarten. Selbst BVB-Trainer Kovac reagiert verhalten auf Guirassys Doppelpack gegen Heidenheim. Auch Schlotterbecks Kampfansage an die Bayern will niemand so recht übernehmen.
Endlich wieder getroffen, aber noch viel Luft nach oben. Serhou Guirassys Situation nach dem mühsamen Sieg gegen den Tabellenletzten 1. FC Heidenheim steht sinnbildlich für den gesamten BVB. Die Pflicht ist erfüllt, der Rückstand auf Tabellenführer Bayern München auf sechs Punkte geschrumpft, aber richtig überzeugend ist die Leistung von Borussia Dortmund allgemein nicht. "Wir müssen besser Fußball spielen, müssen Spiele klarer gewinnen. Wir müssen an uns arbeiten, bevor wir über andere Dinge nachdenken", sagte Sportdirektor Sebastian Kehl zur Meisterfrage.
Dass das Thema nach elf Punkten Rückstand noch in der vorletzten Woche überhaupt wieder aufkommt, lag am Sonntag vor allem an Doppelpacker Guirassy. Der Guineer befand sich wochenlang in der Krise. In den vergangenen zwölf Spielen war dem überragenden Torjäger der Vorsaison gerade einmal ein Treffer gelungen. Bis Sonntag. Aus einem eigentlich völlig verkorksten und fehlerbehafteten Dortmunder Spiel machte Guirassy mit einem Doppelpack binnen 84 Sekunden aus einem 1:2 ein 3:2 zum Endstand.
"Er hat heute zwei Tore gemacht, hatte auch noch einen Lattenschuss, war an vielen Situationen beteiligt. Das wird ihm insgesamt etwas helfen", sagte Kehl über den Matchwinner, der in den vergangenen Wochen wie ein Fremdkörper im Dortmunder Spiel gewirkt hatte. Auch wenn Guirassy selbst etwas anderes behauptete. "Im letzten Jahr habe ich viele Tore gemacht, dieses Jahr sind es weniger. So ist Fußball. Man muss mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Mich beeinflusst das nicht großartig", befand der 29-Jährige bei DAZN.
Rüffel von Kovac wegen Elfmeter-Fehlschuss
Sein Trainer war alles andere als nur zufrieden mit seinem Stürmer. Denn von zwei Elfmetern verwandelte Guirassy nur einen (68.). Den anderen (85.) schoss er weit über das Tor. "Da wollte er wieder irgendwas versuchen, was mir nicht so gut gefallen hat", sagte Kovac, der Nico Schlotterbeck zudem einen Anteil an Guirassys Elfmetertor zum 2:2 gab.
Die Szene, die letztlich zum Handelfmeter führte, wurde vom Videoschiedsrichter überprüft, und die Bilder dem Unparteiischen Matthias Jöllenbeck gezeigt. In den Minuten bis zur Entscheidung schnappte sich Schlotterbeck den Ball und überließ ihn letztlich Krisenstürmer Guirassy. Was nach außen wie eine bewusste mannschaftsdienliche Szene aussah, war laut Kovac eine bewusste Täuschung des Gegners.
"Er wollte nicht schießen, sondern nur ein kleines Ablenkungsmanöver leisten", erläuterte der BVB-Coach. "Ich glaube, Schlotti hat einfach eine falsche Fährte gelegt." Der Sinn bestand demnach darin, den eigentlichen Schützen Guirassy nicht den Versuchen des Gegners auszusetzen, ihn zu verunsichern. Wenn es denn so war, ging es auf. Anders als beim kläglich vergebenen zweiten Versuch Guirassys, schoss er den ersten Elfmeter mit Wucht ins Netz. Mit dem nächsten Angriff sorgte er für den Sieg, der den BVB bis auf sechs Punkte an die Bayern heranführte, die beim 2:2 beim HSV erneut gestrauchelt waren.
"Das ist für mich ehrlich gesagt kein Thema"
Der ehrgeizige Schlotterbeck machte dazu eine forsche Ansage. "Jetzt sind es sechs Punkte und die Bayern kommen noch zu uns. Wir probieren, da zu sein. Wir müssen auch langsam mal den Anspruch haben, den Fans zu sagen, wir wollen deutscher Meister werden", sagte Schlotterbeck.
Zu viel des Guten für Kovac und Kehl. Vor allem der Sportdirektor mahnte die Spieler zu mehr Selbstreflexion. "Das ist für mich ehrlich gesagt kein Thema", sagte Kehl dazu. "Ich tue mich etwas schwer nach diesem Spiel, auch nach dieser Leistung, darauf jetzt einzugehen, mich beschäftigt mehr die Leistung heute als die Perspektive Richtung Mai."
Denn die Leistung gegen Heidenheim war lange Zeit zu schlecht. Das wusste auch Kovac. "Wir haben heute wirklich einen harten Kampf leisten müssen. Das ist auch eine Qualität, dass man solche Spiele zieht. Aber mein Blick geht erstmal in den Rückspiegel", sagte der BVB-Coach, der zunächst die Teams hinter Dortmund distanzieren will. "Wenn was übrig bleibt, komme ich gerne mit." Die Bayern kommen dann am 28. Februar nach Dortmund.