Mainz schnauft im Keller durchBVB frustet erst eigene Fans, macht es gegen Werder dann deutlich

Pfiffe zur Halbzeit, später glanzlos: Borussia Dortmund gewinnt sein Heimspiel mit 3:0 gegen Werder Bremen. Derweil verschafft sich Mainz 05 im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga mit dem 2:1-Erfolg über Heidenheim etwas Luft.
Borussia Dortmund - Werder Bremen 3:0 (1:0)
Erst auf der Bank, dann eiskalt: Serhou Guirassy hat seine Durststrecke bei Borussia Dortmund beendet und erstmals seit Ende Oktober einen Treffer in der Fußball-Bundesliga erzielt. Beim am Ende deutlichen 3:0 (1:0) gegen Werder Bremen war der schwächelnde Torjäger als Joker erfolgreich - erstmals in dieser Saison hatte der BVB ein Bundesligaspiel ohne Guirassy begonnen.
Mit dem Sieg festigte Dortmund seinen zweiten Tabellenplatz hinter den Überfliegern von Bayern München und hat weiter vier Punkte Vorsprung auf den formstarken VfB Stuttgart.
Nico Schlotterbeck (11.) köpfte früh das 1:0, doch Dortmund wirkte trotz des Führungstreffers gehemmt und nicht zielstrebig. Die von Trainer Niko Kovac geforderte Gier, nach einer Führung das zweite oder gar dritte Tor nachzulegen, war lange nicht zu sehen. Marcel Sabitzer (76.) sorgte erst spät für die Entscheidung. Dann traf auch noch der eingewechselte Guirassy (83.).
Kovac hatte den seit Wochen schwächelnden Guirassy zum ersten Mal in dieser Bundesligasaison auf die Bank gesetzt und Fábio Silva das Vertrauen geschenkt. Guirassy sei zwar weiterhin der "beste Angreifer" des BVB, doch die Form spricht eindeutig gegen den Torjäger, der seit Ende Oktober in der Liga nicht mehr getroffen hat und in der 67. Minute für Maximilian Beier eingewechselt wurde.
Guirassys Vertreter Silva, der sich beim BVB für eine WM-Nominierung in Portugals Nationalmannschaft empfehlen will und dafür Spielzeit braucht, mühte sich und harmonierte gut mit Carney Chukwuemeka. Die beiden ragten in Sachen Spielwitz und Laufbereitschaft beim BVB heraus, sie konnten ihre Mannschaft aber nicht mitreißen. Dem Dortmunder Spiel fehlte es insgesamt an Überraschungsmomenten und Tempo.
Dass die Gastgeber dennoch führten, hatten sie Schlotterbecks Kopfballstärke nach einer Ecke zu verdanken. Ansonsten gelang es Werder ohne Mühe, den uninspirierten Champions-League-Teilnehmer vom eigenen Tor fernzuhalten. Bremen hatte durch Justin Njinmah zwei sehr gute Möglichkeiten, doch der Stürmer übersah zunächst den völlig freien Jens Stage (4.) und schloss später zu schwach ab (18.).
Ansonsten segelten die Bälle auf beiden Seiten reihenweise ins Aus. Den Profis auf dem Rasen unterliefen viele Stockfehler und technische Missgeschicke - sodass einige BVB-Fans ihre Mannschaft gar mit Pfiffen in die Pause verabschiedeten. Auch in der zweiten Halbzeit gelang es den Dortmunder lange nicht, ein Pressing aufzuziehen. Stattdessen konterte der BVB im eigenen Stadion über Silva, der allerdings wie auch Beier (55.) im Abschluss kein Glück hatte.
Defensiv stand Dortmund sehr sicher. Mit Emre Can, der nach der Pause für den bereits mit Gelb verwarnten Niklas Süle ins Spiel gekommen war, musste der BVB keine brenzlige Situation überstehen. Bei einem der wenigen guten Angriffe vergab Marcel Sabitzer (66.) die Chance aufs 2:0 - direkt danach brachte Kovac bei einem Dreifachwechsel auch Guirassy.
FSV Mainz 05 - 1. FC Heidenheim 2:1 (1:0)
Das Warten hat ein Ende: Vier Monate nach dem bislang einzigen Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga hat Mainz 05 das Kellerduell mit dem 1. FC Heidenheim mit 2:1 (1:0) gewonnen und den letzten Tabellenplatz verlassen. Zugleich war es der erste Ligaerfolg unter dem neuen Trainer Urs Fischer, der Anfang Dezember die Nachfolge von Bo Henriksen angetreten hatte.
Kapitän Silvan Widmer (30.) und Nadiem Amiri (49.) schossen für die Rheinhessen den lange ersehnten Dreier heraus, der Treffer durch Stefan Schimmer (60.) war für Heidenheim zu wenig. Durch die elfte Saisonniederlage beendet nun der Klub von der Ostalb die Hinrunde als Schlusslicht der Tabelle, ausschlaggebend ist die schlechtere Tordifferenz gegenüber den punktgleichen Mainzern.
Nach dem leichtfertig hergeschenkten Sieg am Samstag, als Mainz sich bei Union Berlin nach einer 2:0-Führung noch mit einem 2:2 hatte begnügen müssen, erwartete Fischer im Vorfeld der Partie gegen den direkten Konkurrenten Heidenheim "ein Kampfspiel, der Platz wird sein Übriges dazu beitragen." Der Begegnung bescheinigte der Schweizer "Finalcharakter."
Der Coach sollte Recht behalten: Beide Teams waren zu Beginn vor allem auf Fehlervermeidung bedacht. Höhepunkte waren rar gesät. Der Distanzkracher des Mainzers Nikolas Veratschnig aus 30 Metern (8.) war der vielversprechendste Abschluss der Anfangsphase.
In der ausgeglichenen und von vielen Zweikämpfen geprägten Partie erarbeitete sich Mainz, das auf den erkrankten Angreifer Benedict Hollerbach verzichten musste, dann zunehmend mehr Ballbesitz, doch plötzlich war der FCH dem ersten Tor nahe: Benedikt Gimber scheiterte an 05-Keeper Daniel Batz (28.). Kurz darauf spielte Heidenheims Schlussmann Diant Ramaj den Ball in die Füße von Jae-sung Lee, Nutznießer war Widmer, der per Volleyabnahme zur Führung traf. Bis zur Pause fand Heidenheim keine Antwort auf den Rückstand.
Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag: Die Heidenheimer bekamen den Ball nicht geklärt, Amiri erhöhte nach feinem Zusammenspiel mit Phillip Tietz. Die Gastgeber machten nun deutlich, sich nicht noch einmal eine Zwei-Tore-Führung nehmen lassen zu wollen: Armindo Sieb (52.) und Widmer (53.) verpassten die nächsten Treffer. Fast aus dem Nichts dämpfte der nur Sekunden zuvor eingewechselte Stefan Schimmer die Euphorie mit seinem Anschlusstreffer nach einem Konter dann merklich.
In der mit 24.500 Zuschauern nur schwach besuchten Mainzer Arena wurde es nun hitzig, Heidenheim kam zu weiteren Chancen. Den Nullfünfern war die Nervosität anzumerken, das Team konzentrierte sich nun vorrangig auf die Defensive. Ein abgefälschter Abschluss von Heidenheims Arijon Ibrahimovic landete an der Latte (86.).