Fußball

Nachfolger seines Nachfolgers BVB macht Rose-Vorgänger Terzic zum Cheftrainer

imago1011920930h.jpg

Edin Terzic bleibt beim BVB, nur in neuer Funktion.

(Foto: IMAGO/RHR-Foto)

Jetzt ist es auch offiziell. Edin Terzic ist der neue Trainer von Borussia Dortmund. Er folgt auf seinen eigenen Nachfolger. Mit dem 39-Jährigen erhofft sich der BVB eine Rückkehr zu alten Zeiten.

Edin Terzic ist jetzt offiziell neuer Trainer von Borussia Dortmund. Der 39-Jährige folgt auf Marco Rose, seinem Nachfolger auf der Bank im Westfalenstadion. Terzic hatte den Vizemeister bereits von Dezember 2020 bis Juni 2021 trainiert.

"Wir haben am vergangenen Wochenende mehrere intensive Gespräche mit Edin Terzic geführt und sind überzeugt davon, dass diese Personalentscheidung für den BVB die richtige ist", wird der desiginierte Sportdirektor Sebastian Kehl in der Vereinsmitteilung zitiert: "Edin kennt unseren Klub, das Umfeld, einen großen Teil der Mannschaft und weiß um die Stellschrauben, an denen wir drehen möchten, um unseren Fans erfolgreichen Fußball bieten zu können. Die Saison 2022/23 steht im Zeichen eines sportlichen Neuanfangs."

Von Edin Terzic sind die folgenden Aussagen aufgeführt: "Mittlerweile dürfte vielen Menschen bekannt sein, welch besonderen Stellenwert der BVB in meinem Leben hat. Ich möchte mich daher herzlich bei Aki Watzke, Michael Zorc und Sebastian Kehl für das große Vertrauen und das Übertragen dieser großen Verantwortung bedanken." Das Trainerteam rund um Terzic soll in den nächsten Tagen zusammengestellt werden.

Borussia Dortmund hatte sich am Freitag überraschend nach nur einer Saison von Marco Rose getrennt. Der 45-Jährige war im Sommer 2021 für eine Ablösesumme von fünf Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach an den Borsigplatz gewechselt und hatte Edin Terzic abgelöst. Rose war bereits der sechste BVB-Trainer nach dem Abschied von Jürgen Klopp im Sommer 2015. Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger, Lucien Favre und eben Terzic hatten sich vorher darin probiert, dem BVB neue Euphorie einzuhauchen. Es war ihnen selten gelungen - auch Rose letztendlich nicht.

Die Flut von Gegentoren in der Liga, am Ende waren es 52 und weitere 21 in den Pokalwettbewerben, eine desaströse Kampagne in der Champions League, der Abstieg in die Playoffs der Europa League mit dem Ausscheiden gegen den späteren Finalisten Glasgow Rangers und ein Debakel im DFB-Pokal bei Zweitligist FC St. Pauli hatten Zweifel an Rose gesät. Die waren nur verstärkt worden, als der BVB Ende März und Anfang April seine Meisterschaftschancen in zwei Spielen in Köln und daheim gegen Leipzig endgültig verspielte.

Der Bruch mit Rose

So war es am Donnerstag zu einer langen Saisonanalyse in Dortmund gekommen. Neben Rose waren auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der Klub-Berater Matthias Sammer sowie der scheidende Sportdirektor Michael Zorc und sein Nachfolger Sebastian Kehl dabei. Zum Ende der Analyse hatte Rose die Vertrauensfrage gestellt und vom BVB "Nibelungentreue" eingefordert, ist aus Dortmund zu hören. Die Antwort darauf war die Trennung.

Der 45-Jährige hatte im Laufe der Sitzung auch die sportliche Führung des Vereins. Der Bundesligist kann so nun - anders als im Sommer 2019, als Favre nach der verpassten Meisterschaft weitermachen durfte und wenige Monate später gefeuert wurde - ohne eine mögliche Trainerdiskussion in die neue Spielzeit gehen. Der neue Sportdirektor Kehl wird nicht als womöglich erste Amtshandlung einen Trainer entlassen müssen. Mit Terzic kommt ein Vertrauter, der die letzte Spielzeit im Wartestand auf der Tribüne verbracht hatte.

imago1002787347h.jpg

Im menschenleeren Stadion dankten die Fans Terzic vor dem letzten Spiel der Saison 2020/2021.

(Foto: Ralf Ibing /firo Sportphoto/pool)

BVB-Fan Terzic war im Dezember 2020 nach der Trennung von Lucien Favre als Interimstrainer eingesprungen. Er hatte den Klub mit einem furiosen Endspurt mit sieben Siegen aus den letzten sieben Spielen in die Champions League gewuchtet. Doch neben der Pflichtaufgabe war ihm mit dem Sieg im DFB-Pokal auch ein Coup gelungen. Zum ersten Mal seit dem Abschied von Jürgen Klopp im Jahr 2015 hatte der Erfolg und der Trainer den Klub einen können und das inmitten der Pandemie und ganz ohne Zuschauer. Der Sauerländer hatte sich einen Ruf als Menschenfänger erarbeitet.

Terzic sah seine Zeit gekommen

Terzic trat mit der Ankunft von Rose in die zweite Reihe zurück und übernahm den neu geschaffenen Posten des Technischen Direktors. Schon im Laufe der Saison lehnte er Anfragen anderer Bundesligisten ab, doch in diesem Sommer wollte er zurück auf die Trainerbank. Entweder beim BVB oder einem anderen Verein. Anfragen zahlreicher Bundesligisten lagen ihm vor, heißt es. Mit dieser Information war der Klub in das entscheidende Treffen mit Rose gegangen. Der BVB hätte seinen Schattenmann verloren und womöglich mitten in der Saison eine Notlösung verpflichten müssen.

Mit den Nationalspielern Niklas Süle, Karim Adeyemi und Nico Schlotterbeck hat der BVB bereits drei neue Profis unter Vertrag genommen. Kölns Salih Öczan kommt für die Sechserposition, im Sturm hofft der BVB, Ajax-Star Sebastien Haller verpflichten zu können. Als Technischer Direktor war Terzic bereits in die Kaderplanung miteinbezogen. In Dortmund gehen sie nicht davon aus, dass der Trainerwechsel bei den bereits verpflichteten Spielern Ärger auslöst.

Mehr zum Thema

Zahlreiche aktuelle Profis sollen den BVB noch verlassen. Julian Brandt, Thorgan Hazard und Nico Schulz zählen zu den Verkaufskandidaten und könnten den Abgängen Erling Haaland, Roman Bürki, Marwin Hitz, Dan-Axel Zagadou, Axel Witsel, Marcel Schmelzer, Reinier und Marin Pongracic nachfolgen. Dem stets nervösen BVB steht wieder einmal eine Saison des Umbruchs ins Haus, die an der Seitenlinie auch von Peter Hermann begleitet werden soll. Offiziell bestätigt hat der BVB diese Personalie noch nicht.

Der 70-Jährige hatte zuletzt als Co-Trainer bei Schalke 04 gearbeitet, war auch bei Bayern München mit Jupp Heynckes erfolgreich und soll Terzic mit seiner Erfahrung unterstützen. Er hat momentan beim Deutschen Fußball-Bund einen Vertrag als Assistenzcoach der U20-Junioren, war dort allerdings freigestellt, um den Königsblauen als Co-Trainer von Interimscoach Mike Büskens auszuhelfen.

Quelle: ntv.de, sue

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen