Fußball

Dortmund ringt um Sicherheit BVB siegt - Galavorstellung? Fehlanzeige!

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Erleichterte Dortmunder nach einer signifikanten Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit.

(Foto: AP)

Der BVB schlägt den VfB Stuttgart zwar mit 3:0 und untermauert damit seine Ambitionen, erneut in die Champions League einzuziehen. Doch in der schwachen ersten Halbzeit wird deutlich, dass die Mannschaft weiterhin eine Wundertüte ist.

Genau 37 Minuten waren im Westfalenstadion absolviert, als Dortmunds Torhüter Roman Bürki im eigenen Strafraum den Ball am Fuß hatte, sich verzweifelt umschaute, um das Spielgerät dann nach links ins Seitenaus zu befördern. Der Schweizer hob beschwörend die Arme, weil er sich noch so sehr bemühen mochte - es gab einfach keine Anspielstation. Die Szene war symptomatisch, nach einer knappen halben Stunde war das Spiel des BVB komplett zum Erliegen gekommen. Es herrschte Stillstand in allen Teilen des Systems.

Kein Zweifel, die vergangenen Wochen mit dem blamablen Ausscheiden in der Europa League gegen Salzburg, all den Diskussionen um Trainer Peter Stöger und das kickende Personal sowie dem desaströsen Auftritt in München haben Spuren hinterlassen. Vor der Partie gegen den VfB Stuttgart an diesem 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga bekräftigte Stöger, er sehe seine Mannschaft in der Bringschuld: "Wir wollen und müssen so auftreten, dass die Zuschauer auch das Gefühl haben, dass uns die Champions League extrem wichtig ist."

So weit die Theorie, die Praxis sah zumindest in der schwachen ersten Hälfte anders aus. Dass der BVB an diesem Sonntagnachmittag sein Heimspiel vor mit 81.360 Besuchern ausverkauftem Haus Stadion am Ende mit 3:0 (1:0) gewann, lag zum einen daran, dass sich die Schwaben als äußerst dankbare weil harmlose Gäste erwiesen und zum anderen, weil sich der Tabellendritte im zweiten Durchgang zu einer signifikanten Leistungssteigerung aufraffte. Für Stuttgarts Trainer Tayfun Korkut endete damit eine Serie, es war die erste Niederlage im neunten Spiel, seitdem er den VfB übernommen hat.

"Vielleicht brauchst du so ein Tor"

Nach einem solch klaren Resultat sah es anfangs nicht aus, als die Gäste gegen einen total verunsicherten Gegner das Spielgeschehen diktierten und mehr Ballbesitz hatten, während die Dortmunder verzweifelt mit sich rangen und versuchten, so etwas wie Spielkultur auf den Rasen zu bringen. Die Verunsicherung war bis auf den letzten Tribünenplatz greifbar, es deutete nicht viel darauf hin, dass es an diesem herrlichen Frühlingsnachmittag so etwas wie ein Happy End geben könnte. Sportdirektor Michael Zorc hatte "den Rucksack gesehen, den wir nach dem 0:6 in München auf dem Rücken hatten".

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Mit etwas Glück: Christian Pulisic.

(Foto: AP)

Es bedurfte eines kuriosen Treffers wie dem von Christian Pulisic, um den Dingen für die Borussia eine unverhoffte Wende zum Guten zu geben: Der junge Amerikaner versuchte sich in der 39. Minute an einer Flanke, die ihm so über den Spann rutschte, dass daraus eine Bogenlampe resultierte, die sich über Stuttgarts Torhüter Ron-Robert Zieler hinweg ins Netz senkte. Es war ein krummes Ding, ein "glückliches 1:0", wie Stöger betonte.

Sportdirektor Michael Zorc sprach von einem "Brustlöser, der uns Selbstbewusstsein gegeben hat". Das beurteilte Mittelfeldspieler Nuri Sahin ähnlich: "Nach solch einem Erlebnis wie in München fängt der Kopf an zu grübeln. Vielleicht brauchst du so ein Tor, damit es wieder flutscht." Was für die Dortmunder im Positiven galt, traf die Stuttgarter im Negativen. "Wir sind nach dem Rückstand schon ein bisschen eingebrochen", sagte Stürmer Daniel Ginczek. Tatsächlich spielte nach dem Seitenwechsel nur noch der BVB, die Gastgeber rafften sich zu einer signifikanten Leistungssteigerung auf und gestalteten das Ergebnis durch Batsuayi (48. Minute) und Philipp (60.) noch deutlich. Die Stuttgarter enttäuschten dagegen auf ganzer Linie, mehr als den Lattentreffer durch Nationalspieler Mario Gomez in der Schlussphase brachte der VfB nicht zustande.

Schwankungen als einzige Konstante

Auch wenn sie den dritten Platz, der zur erneuten Teilnahme an der Champions League berechtigt, festigten und in der kommenden Woche beim Revierderby auf Schalke sogar Rang zwei erobern können, wissen sie in Dortmund genau, dass sie weiterhin weit davon entfernt sind, Klasse und Souveränität auszustrahlen. "Die schwankenden Leistungen sind momentan das Einzige, was permanent bleibt", weiß Zorc: "Ich erwarte bis zum Saisonende keine Galavorstellungen mehr." Borussia Dortmund bleibt also eine Baustelle, die geplanten Umbaumaßnahmen werden im Umfeld stattfinden, wo mit dem ehemaligen Champions-League-Sieger und Meistertrainer Matthias Sammer sowie Ex-Kapitän Sebastian Kehl bereits zwei bedeutende Personalien eingestielt worden sind. Auch im Kader wird es ein größeres Stühlerücken geben. Die wichtigste Planstelle, die neu zu besetzen ist, dürfte jedoch die des Trainers sein.

"Mein Leben definiert sich nicht darüber, dass ich beim BVB an der Seitenlinie stehe", hatte Stöger nach der herben 0:6-Klatsche in München verkündet: "Ich bin ein relativ aufgeräumter und glücklicher Mensch." Das sind erst einmal mit Wiener Charme formulierte Worte, mit denen der Österreicher seinen Vorgesetzten recht ungeschminkt mitgeteilt, sie mögen sich doch bitteschön nach einer Fachkraft umschauen, die im Sommer für ihn den Job auf der Bank übernimmt.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Zorc, der seinen Job jüngst bis 2021 verlängert hat, wissen also, was sie zu tun haben. Dabei dürfte es ihnen gar nicht gefallen haben, dass ihr Ex-Trainer Thomas Tuchel bei Bayern München abgesagt hat. Denn solange auch der Branchenführer sucht, muss sich der BVB bei den infrage kommenden Kandidaten hintenan stellen und sich mit der zweiten Wahl begnügen. Es sei denn, das einzige börsenorientierte Fußballunternehmen des Landes agiert mutig und entschließt sich, einem weniger prominenten Kandidaten eine Chance zu geben, den niemand auf dem Zettel hat.

Quelle: n-tv.de

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