Fußball

Teurer Star soll endlich gehen Barça hält eigenen Vertrag für "kriminell"

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Frenkie de Jong soll den FC Barcelona verlassen.

(Foto: IMAGO/Agencia EFE)

Der FC Barcelona gibt 2019 viel Geld aus, damit Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam zu den Katalanen wechselt. Inzwischen will man den Mittelfeldspieler aber wieder loswerden - und greift dafür das eigene Vertragswerk an.

86 Millionen Euro bezahlte der FC Barcelona 2019 für den niederländischen Mittelfeldspieler Frenkie de Jong an Ajax Amsterdam, der damals 22-Jährige galt seinerzeit als einer der spannendsten Jungstars des europäischen Fußballs. Und zunächst läuft es auch zumindest ganz okay, an der Seite von Superstar Lionel Messi funktioniert de Jong im hochkarätigen Barça-Ensemble aus Sicht der damaligen Bosse um Präsident Josep Bartomeu so gut, dass man schon im Oktober 2020 den noch bis 2024 gültigen Vertrag vorzeitig verlängerte. Und die Konstruktion des Deals nervt den klammen Klub dieser Tage so sehr, dass es jetzt richtig Ärger gibt.

Damals ging es offenbar darum, erstmal während der Pandemie Geld zu sparen: Das Gehalt de Jongs soll für die Saisons 2020/21 und 2021/22 um 18 Millionen Euro gekürzt worden sein, um das Geld dann über die Folgejahre zu verteilen. Ähnliche Verträge unterschrieben offenbar auch andere Stars wie der deutsche Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen. Das macht den Niederländer nun zum teuren Problem: Der Klub muss dringend Gehaltsvolumen einsparen, um für die teuren Neuzugänge um Superstar Robert Lewandowski Spielberechtigungen für die heimische Liga zu erhalten. Wie das Portal "The Athletic" berichtet, setzt der aktuelle Vorstand um Bartomeus Nachfolger Joan Laporta den eigenen Mittelfeldspieler schwer unter Druck - der 25-Jährige soll zu seinen ursprünglichen Konditionen zurückkehren. Oder noch besser: den Verein verlassen.

De Jong als Opfer einer Erpressung?

Gemäß "The Athletic" soll der FC Barcelona den Spieler am 15. Juli aufgefordert haben, auf Geld zu verzichten und zu den ursprünglichen Vertragskonditionen zurückzukehren - andernfalls könne man juristische Schritte einleiten, um den Vertrag annullieren zu lassen. Denn die aktuelle Vereinsführung unterstellt bei der Gestaltung des neuen Vertrags de Jongs "kriminelle Handlungen", wie es in dem Bericht heißt. In dem Schreiben wird der Niederländer darüber informiert, dass der FC Barcelona glaubt, ein Strafverfahren einleiten zu können, um zu klären, was im Zusammenhang mit der Unterzeichnung seines Vertrags geschehen ist und wo die Verantwortung für die angeblichen Unregelmäßigkeiten liegt.

Laut "The Athletic" pocht Ex-Präsident Bartomeu darauf, dass der Deal nach der Genehmigung durch die Juristen und der spanischen Liga zustande kam. Bartomeu sagte in einem Interview, er habe "seriös und verantwortungsvoll" gehandelt. Der Präsidenten der niederländischen Spielergewerkschaft, Evgeniy Levchenko, hatte angedeutet, dass de Jong ein Opfer von Erpressung sein könnte. Präsident Laporta bestreitet das.

Der FC Barcelona steht weiter unter großem finanziellen Druck: Der hoch verschuldete Klub muss eventuell noch mehr Klubrechte verkaufen, um millionenschwere Neuzugänge wie Weltfußballer Lewandowski bei der spanischen Liga registrieren zu können. Ohne eine solche Anmeldung, die nur bei Einhaltung der finanziellen Fair-Play-Regeln möglich ist, dürften die Spieler in der am kommenden Freitag (12. August) beginnenden Saison gar nicht erst auf den Rasen. "Wir haben daran gearbeitet, alle einzuschreiben", betonte Klubpräsident Joan Laporta. "Aber falls notwendig, werden wir erneut tätig werden", zitierte ihn die Zeitung "La Vanguardia".

Die Regeln der Liga sind streng, der fehlende finanzielle Spielraum hatte erst im vergangenen Jahr für den tränenreichen, durch die finanziellen Nöte erzwungenen Abschied des Vereinsheiligen Lionel Messi gesorgt. Nun ringt man an allen Fronten darum, den finanziellen Spielraum wieder zu erhöhen. "Stand heute" könne Barça Lewandowski wegen der finanziellen Vorgaben noch nicht unter Vertrag nehmen, hatte Liga-Präsident Javier Tebas auf einer Veranstaltung der spanischen Nachrichtenagentur Europa Press im Mai gesagt. "Ich weiß nicht, ob sie (Frenkie) de Jong oder Pedri verkaufen sollten, aber sie müssen Einnahmen erzielen und Aktiva verkaufen." De Jong soll gemäß seines jetzt umkämpften Vertrages gut 18 Millionen Euro im Jahr verdienen.

Barça macht alles zu Geld

Auch der Druck auf de Jong, der in den sportlichen Planungen des FC Barcelona nur noch eine nachgeordnete Rolle spielt, steigt damit wohl weiter. Doch der Spieler hat offenbar keine Ambitionen, den Klub zu verlassen oder auf Geld zu verzichten: Im Juni hatten sich der FC Barcelona und Manchester United bereits auf eine Ablöse von insgesamt rund 85 Millionen Euro geeinigt, der Wechsel ist jedoch aufgrund fehlender Zustimmung des Spielers bislang nicht zustande gekommen. Inzwischen soll auch der FC Chelsea Interesse an den Diensten de Jongs angemeldet haben.

Erst Ende Juli hatte der katalanische Verein den Verkauf einer Beteiligung von 24,5 Prozent an der Barça Licensing and Merchandising (BLM) an das Unternehmen Socios für 100 Millionen Euro angekündigt. Zuvor hatte Barça schon insgesamt 25 Prozent der TV-Rechte für 25 Jahre an die Investmentfirma Sixth Street verkauft. Dank des Projekts "Espai Barça" ("Platz Barça"), des Umbaus des Camp Nou und der kompletten umliegenden Vereinsanlage inklusive der Sporthalle Palau Blaugrana will der Klub künftig pro Jahr 200 Millionen Euro zusätzlich einnehmen. Nach der Unterzeichnung eines Abkommens über eine "strategische Partnerschaft" mit dem Musikstreaming-Marktführer Spotify wird das Stadion der Katalanen künftig den Namen "Spotify Camp Nou" tragen.

Quelle: ntv.de, ter

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