Fußball

"Muss irgendjemanden anbrüllen" Baumgart eskaliert auch vor dem Fernseher

Der 1. FC Köln träumt von Europa, daran ändert auch der Corona-Ausfall von Trainer Steffen Baumgart nichts. Der muss den Heimsieg gegen den SC Freiburg vor dem Fernseher verfolgen. Ruhiger lässt ihn das aber nicht werden. Im Gegenteil, wie ein Video seiner Tochter zeigt.

Steffen Baumgart tigerte vor seiner Couch hin und her, brüllte Anweisungen und rückte die Schiebermütze immer wieder zurecht. Kurzerhand hatte er sein Wohnzimmer in eine Coachingzone verwandelt und war so trotz der Corona-Quarantäne in seinem Element. "Ich bin in der Wohnung auf und abgelaufen. Ich war genauso laut wie immer", berichtete der Trainer des 1. FC Köln nach dem mühevollen 1:0 gegen den SC Freiburg der "Bild"-Zeitung.

Zeitweise versuchte sogar der Familienhund, den emotionalen und lauten FC-Coach zu beruhigen. Baumgarts Tochter Emilia hatte den wilden Samstagnachmittag gefilmt und in den sozialen Medien geteilt. "Ich war viel in Bewegung und habe den Fernseher angeschrien", gab der Trainer zu: "Ich hoffe, die Nachbarn beschweren sich nicht."

Sollten die Nachbarn FC-Fans sein, hätten sie keinerlei Grund für Beschwerden. Immerhin lässt sie der Coach, der am Mittwoch positiv getestet wurde, von internationalem Fußball träumen. 32 Punkte hat Köln nun auf dem Konto und belegt den sechsten Platz - Freiburg (33) und Union Berlin (34) auf dem vierten Tabellenplatz sind in Schlagdistanz.

Videoanruf in der Pause

Aber von Europa redet man beim FC längst noch nicht. Co-Trainer André Pawlak, der seinen Chef am Spielfeldrand vertrat, wiederholte mehrfach das Ziel von 40 Punkten. "Auch wenn alle gerne etwas anderes hören wollen. Dieses Ziel wollen wir erreichen, und wenn dann noch etwas geht, schauen wir mal", sagte er und bezeichnete den aktuellen Tabellenplatz als "herausragend".

Dass der FC nach dem Führungstreffer von Anthony Modeste (24.) über den achten Saisonsieg jubeln durfte, war auch Baumgarts Verdienst. Der Trainer hatte sich per Videoanruf in der Pause dazugeschaltet, gemeinsam mit seinen Assistenten besprach er taktische Veränderung, denn Freiburg hatte in den letzten Minuten der ersten Halbzeit die Kontrolle an sich gerissen und der FC suchte nach einer Antwort.

Diese gab er in der zweiten Halbzeit, hielt leidenschaftlich dagegen und hatte auch etwas Glück bei einer Entscheidung von Schiedsrichter Felix Brych, der den Freiburger Ausgleich durch Roland Sallai (50.) nicht anerkannte, weil der im Abseits stehende Nico Schlotterbeck Kölns Torwart Marvin Schwäbe die Sicht nahm. "Wir hätten uns auch nicht beschweren dürfen, wenn es 1:1 ausgeht. Diesmal hatten wir das nötige Quäntchen Glück", gab der starke Abwehrchef Timo Hübers zu, der insbesondere in der Schlussphase die Defensive führte und einer der Sieggaranten war.

Verzögerung bei Übertragung

Der andere war Schwäbe, der unter anderem gegen Maximilian Eggestein und Nationalspieler Christian Günter herausragend parierte. Abermals bewies er damit, weshalb er den langjährigen Stammkeeper Timo Horn aus dem Kölner Tor verdrängt hat.

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Baumgart selbst hielt die Anspannung in den letzten Minuten nicht mehr aus, berichtete Jörg Jakobs. "Steffen hatte bei seiner Übertragung eine Verzögerung von fast einer Minute, am Schluss stand er mit unseren Leuten in Funkkontakt", sagte der Interims-Sportchef lächelnd: "Als dann der Schlusspfiff kam, wusste er, dass er die letzten Sekunden ganz entspannt schauen kann. Und das haben wir ihm natürlich alle gegönnt."

Am Freitag (20.30 Uhr/DAZN und im ntv.de-Liveticker) geht es für den FC zum direkten Konkurrenten RB Leipzig. Dann wird Baumgart vermutlich wieder dabei sein. Seine Nachbarn werden es ihm danken.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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