Fußball

"Würde ja wunderbar passen" Beierlorzer steht in Mainz vor Entlassung

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Beierlorzer trainiert die Mainzer seit November 2019.

(Foto: dpa)

Erst der Spielerstreik, dann ein katastrophaler Auftritt gegen den VfB Stuttgart: Der FSV Mainz 05 steckt früh in der Saison tief in der Krise. Für Trainer Achim Beierlorzer fürchtet zumindest nach außen nicht um seinen Job. Eine Zukunft aber scheint er bei den Rheinhessen nicht mehr zu haben.

Nach dem nächsten Desaster dieser Horror-Woche hatte Achim Beierlorzer die Fragen um seinen Job natürlich schon erwartet. Schließlich gaben seine Spieler nur drei Tage nach ihrem Trainingsstreik erneut ein katastrophales Bild ab, beim besorgniserregenden 1:4 (1:1) gegen Aufsteiger VfB Stuttgart fiel der FSV Mainz 05 völlig auseinander - und doch zeigte sich Trainer Beierlorzer kämpferisch. "Zu 100 Prozent" sehe er seine Zukunft bei den Rheinhessen, versicherte er nach der Heim-Klatsche trotzig.

Mit dieser Meinung ist der 52-Jährige bei den 05ern mittlerweile aber alleine, selbst Sportvorstand Rouven Schröder ist schon von seinem Trainer abgerückt. "Das kann ich nicht bestätigen", sagte Schröder am Sky-Mikrofon auf die Frage, ob Beierlorzer noch am Freitag (20.30 Uhr/DAZN) bei Union Berlin auf der Mainzer Bank sitzen werde: "Wir werden die Gespräche dahingehend ergebnisoffen führen. Wir werden alles auf den Tisch legen." Rückendeckung für den Coach klingt anders, Beierlorzers Tage in Mainz scheinen gezählt. "Das würde ja jetzt alles wunderbar passen", sagte der Franke hinsichtlich der drohenden Entlassung schnippisch. Sportchef Schröder wollte jedoch schon vor der Partie gegen Stuttgart nichts mehr beschönigen. "Die Gesamtlage ist bedenklich", mahnte der 44-Jährige.

Nach dieser turbulenten Woche ist beim selbsternannten Karnevalsverein allen das Lachen vergangen - dabei brachten Beierlorzer und Schröder den Stein am Montag mit der Aussortierung des Stürmers Adam Szalai selbst ins Rollen. Dem Team schmeckte das überhaupt nicht, und so kam es am Mittwoch zum Trainingsboykott, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Tiefe Gräben durchziehen den Verein

"Wir müssen nun geschlossen auftreten", hatte Schröder am Tag nach dem Eklat noch gefordert und Einheit demonstriert - nach der Pleite gegen Stuttgart war das aber schon wieder vergessen. Und die war auch in dieser Höhe verdient, obwohl Robin Quaison (13.) die Mainzer mit seinem Führungstreffer hatte hoffen lassen. Silas Wamangituka (45.) und Daniel Didavi (61.) drehten die Partie für die mutigen Stuttgarter, und nach der Gelb-Roten Karte gegen Moussa Niakhate (77.) zerfielen die Mainzer in ihre Einzelteile, Mateo Klimowicz (80.) und Sasa Kalajdzic (86.) machten den Deckel auf den ersten Saisonsieg für den Aufsteiger.

"Wir sind als Mannschaft aufgetreten und stehen auch hinter dem Trainer", betonte Mainz-Kapitän Danny Latza zwar trotzig. Die Leistung auf dem Platz, die von den 3403 Zuschauern mit Pfiffen und Buhrufen quittiert wurde, sprach aber eine ganz andere Sprache. Der Scherbenhaufen ist riesengroß - nicht nur wegen der schwachen Bilanz von null Punkten nach zwei Bundesliga-Spielen. Die Probleme sind tiefgreifender, durch den Verein scheinen sich gewaltige Gräben zu ziehen. Zwischen Mannschaft und Trainer soll es schon länger nicht mehr richtig funken, auch die Diskussion um eine Rückzahlung des verzichteten Gehalts während der Coronakrise erhitzt die Gemüter.

Dazu kommt, dass die Klubbosse offenbar Beierlorzer und Schröder die Aufarbeitung dieser Krise nicht mehr allein zutrauen. Wie Vorstandschef Stefan Hofmann am Freitag sagte, habe er selbst gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Detlev Höhne Gespräche mit den Spielern aufgenommen. Es brodelt gewaltig im beschaulichen Mainz.

Quelle: ntv.de, Tobias Schwyter, sid