Fußball

"Das soll kein Elfmeter sein?" Beim 1. FC Köln toben sie gefrustet

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"Beschissen": Kölns Trainer Achim Beierlorzer.

(Foto: imago images/Eibner)

Sie diskutieren in der Fußball-Bundesliga wieder über die Handspielregel. Es sind die Kölner, die sich nach der Niederlage in Mainz aufregen. Das aus gutem Grund. Schiedsrichter Frank Willenborg hätte ihnen wohl einen Elfmeter zusprechen müssen. Tut er aber nicht, trotz Videostudium an der Seitenlinie.

Trainer Achim Beierlorzer fand es "beschissen", Sportdirektor Armin Veh "unfassbar". Nach dem 1:3 (1:1) des 1. FC Köln im Kellerduell der Fußball-Bundesliga beim 1. FSV Mainz 05 war der Ärger über einen nicht gegebenen Handelfmeter von Schiedsrichter Frank Willenborg mindestens so groß wie der Frust über die Niederlage. "Wenn das kein Elfmeter ist, habe ich die Regelschulung nicht verstanden. Das ist für mich unfassbar", echauffierte sich Veh. "Wenn der Schiedsrichter es nicht sieht und es keinen Videobeweis gibt - okay. Aber wenn man sich die Szene am TV anschaut und dann sagt, es war kein Elfmeter - dann weiß ich nicht mehr. Da hätte das Spiel eine Wende nehmen können."

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Und? Schiedsrichter Frank Willenborg sieht kein Handspiel.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Was war am Freitagabend passiert? Beim Stand von 1:2 aus Sicht der Kölner flankte Kingsley Schindler in der 63. Minute den Ball, der FSV-Abwehrspieler Moussa Niakhaté im eigenen Strafraum deutlich sichtbar an den abgespreizten Unterarm prallte. Willenborg ließ zunächst weiterspielen, sah sich nach Intervention des Video-Assistenten die umstrittene Szene noch einmal an - und blieb zur großen Überraschung fast aller Beteiligten bei seiner Entscheidung. "Da gibt es keine zwei Meinungen. Für mich war das ein klarer Elfmeter. Mit dem Videobeweis fühlt es sich noch viel beschissener an", polterte Beierlorzer. Flankengeber Schindler sagte: "Ich weiß nicht, wo das kein Hand ist. Dass er sich das noch mal anschaut und nicht pfeift, verstehe ich nicht, wenn ich ehrlich bin. Das macht sauer."

"Für mich keine klare Fehlentscheidung"

Während die Kölner Fan-Seele in den sozialen Netzwerken kochte und selbst der starke FSV-Torwart Robin Zentner einräumte, dass er sich innerlich "schon ein Stück weit auf einen Elfmeter vorbereitet" hatte, sprang der Mainzer Trainer Sandro Schwarz dem Unparteiischen zur Seite. "Ich kann Achims Frust komplett verstehen, weil in der Vergangenheit schon oft Elfmeter in solchen Situationen gepfiffen wurden. Aber die Regelschulung sagt, dass es nur ein glasklarer Elfmeter ist, wenn der Arm oberhalb der Schulter ist", dozierte der 41-Jährige.

"Wenn du aus kurzer Distanz so angeschossen wirst, liegt es im Ermessen des Schiedsrichters. Deshalb war es für mich keine klare Fehlentscheidung." Von seiner weitgehend exklusiven Meinung überzeugen konnte Schwarz die Kölner nicht. "Das kann ich nicht nachvollziehen", konterte Veh. "Da kann man ja jetzt immer die Arme abspreizen." Und auch Beierlorzer winkte ab: "Das ist keine Nahdistanz, er blockiert ganz klar eine Hereingabe. Aber wir werden es nicht ändern."

Fußball gespielt wurde aber noch - und das vor allem von den Mainzern richtig gut. "Es war herausragend, wie alle im Verein mit der Situation umgegangen sind", lobte Trainer Schwarz. Nach dem Rückstand durch Simon Terodde in der 14. Minute drehten Jean-Paul Boëtius (21.), Robin Quaison (57.) und Levin Öztunali (82.) die Partie. Sportvorstand Rouven Schröder stellte danach zufrieden fest: "Es war ein Zeichen, dass Mainz 05 es gemeinschaftlich schaffen kann. Dieses Spiel muss der Maßstab sein."

Quelle: ntv.de, Eric Dobias, dpa