Fußball

"Werde anders beurteilt" Boateng ist noch nicht fertig mit Hoeneß

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Jérôme Boateng, Titelsammler.

(Foto: SVEN SIMON)

Jérôme Boateng ist nicht mehr Teil des FC Bayern, der ehemalige Fußball-Nationalspieler spielt künftig in Frankreich. Im Rückblick auf seine erfolgreiche Zeit beim Rekordmeister gibt es einen Aspekt, der ihn auch mit zeitlichem und räumlichen Abstand wurmt.

Ein Jahrzehnt spielte Jérôme Boateng für den FC Bayern München, der Innenverteidiger war ein wichtiger Baustein, dass der Bundesligist die erfolgreichste Dekade seiner jüngeren Vereinsgeschichte hinter sich hat. Zweimal gewann man gemeinsam die Champions League, holte neun deutsche Meisterschaften, fünfmal den DFB-Pokal und zweimal die Klub-WM der FIFA. Zu Ende ging die sportlich lange glorreiche Ehe eher still, im Frühjahr verkündete der Rekordmeister, dass der auslaufende Vertrag des Weltmeisters nicht verlängert werde. Obwohl sich Boateng nach einer Durststrecke in den beiden so enorm erfolgreichen letzten Jahren unter Hansi Flick erst wieder seinen Stammplatz in der Innenverteidigung zurück erkämpft hatte.

Nun verriet Boateng, der künftig für Olympique Lyon in der Ligue 1 spielen wird, dass genau dieses sportliche Comeback im Rückblick für reichlich Missstimmung bei ihm sorgt - über Umwege. Denn mit seinen Leistungen hatte sich der 33-Jährige auch wieder ins Blickfeld von Bundestrainer Joachim Löw gespielt. Der hatte ihn 2019 gemeinsam mit Mats Hummels und Thomas Müller aus dem Kreise der Nationalmannschaft aussortiert. Müller und Hummels durften pünktlich zur Europameisterschaft zurückkehren, Weltmeister Boateng blieb aber außen vor. So, wie Uli Hoeneß, der ewige Bayern-Patron, erwartet hatte.

"Werde anders beurteilt als andere Spieler"

"Ich würde ihn nicht mitnehmen", sagte Hoeneß im April RTL angesprochen auf die EM-Chancen "seines" Innenverteidigers. Und das macht Boateng bis heute fassungslos. "Die Aussagen haben mich enttäuscht, zumal man es gewohnt war, als Spieler des FC Bayern von oben gestärkt zu werden. Ich bin davon nie umgekippt, im Gegenteil", sagte der 76-malige Nationalspieler im Interview mit "Sport1". Er wisse, dass "ich anders beurteilt werde als andere Spieler, damit muss ich leben. Das ist halt so. Wichtig ist für mich, dass mich diejenigen beurteilen, die genau hinschauen."

Sein damaliger Trainer Hansi Flick war Boateng schnell beigesprungen: "Das ist seine Meinung", sagte der Coach mit ernster Miene, die bedeutete, dass er sich über Hoeneß' Aussagen so gar nicht freute. Dann teilte der angesäuerte Bayern-Trainer noch mal aus: "Ich kenne das von Bayern München, dass man seine Spieler immer unterstützt." Auch der ehemalige Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger zeigte sich "überrascht" von den Aussagen. "Ich kannte Uli Hoeneß immer so, dass es ihm das Wichtigste war, die eigenen Spieler des FC Bayern zu schützen", sagte der frühere Bayern-Profi: "Ich weiß nicht, ob immer noch etwas zwischen den beiden steht. Für mich ist die Leistung entscheidend. Und da führt kein Weg an Jérôme Boateng vorbei."

"Würde ihm empfehlen, den Verein zu verlassen"

Hoeneß hatte als RTL-Experte Anfang April gesagt: "Ich würde ihn nicht mitnehmen. Schließlich haben wir ja genug gute Abwehrspieler." Der frühere Präsident des FC Bayern gilt allerdings schon länger als Kritiker von Boateng. Nach dessen Ausbootung bei der Nationalmannschaft im Frühjahr 2019 hatte er dem langjährigen Bayern-Spieler auch einen Abschied vom Klub nahegelegt. Mit derben Worten hatte er damals Journalisten gesagt: "Dem würde ich empfehlen, den Verein zu verlassen. Ich glaube, er braucht eine neue Herausforderung. Im Moment wirkt er wie ein Fremdkörper." Der Verteidiger hatte damals aufreizend lust- und emotionslos das Pokalfinale von der Bank aus verfolgt. Auch als Boateng unter Flick wieder zum Stammspieler wurde und kontinuierlich Leistung brachte, hielt Hoeneß an seiner Haltung fest.

Die Fehde mit Hoeneß ist mit dem Wechsel zu Olympique Lyon offenbar nicht vergessen, Boatengs Erinnerungen an den FC Bayern trübt sie aber angeblich nicht: "Ich kann versichern, dass da nichts hängen bleibt. Ich wünsche dem FC Bayern weiterhin alles Gute. Dieser Verein wird immer in meinem Herzen bleiben."

Quelle: ntv.de, ter

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