Fußball

Chamäleon statt graue Maus Bobics kühner Hertha-Plan nimmt Gestalt an

imago1002684073h.jpg

Die Zukunft gehört Berlin, jetzt aber wirklich, hofft nicht nur Sportdirektor Arne Friedrich.

(Foto: imago images/Matthias Koch)

Der Kaderumbau bei Hertha BSC nimmt weiter Gestalt an. Der neue Geschäftsführer Sport, Fredi Bobic, schafft Platz für neue Spieler und erlöst dabei wohl erstaunliche 20 Millionen Euro für den kolumbianischen Stürmer Jhon Cordoba. Der wechselt, vorbehaltlich des noch ausstehenden Medizinchecks, in die russische Liga. Dort wird er in der kommenden Spielzeit für FK Krasnodar auflaufen.

Der 28-jährige Stürmer hatte sich erst im vergangenen Sommer für eine Ablösesumme von 15 Millionen Euro dem Hauptstadt-Klub angeschlossen und war trotz zahlreicher Verletzungen mit sieben Saisontreffern einer der stärkeren Spieler in einer mehr als durchwachsenen Saison für die "Alte Dame", die sich mit Ach und Krach zum Klassenerhalt hangelte.

"Ich habe mich bedankt für seine Tore. Jedes Tor, das er für Hertha BSC gemacht hat, war wichtig", sagte Trainer Pal Dardai über den bevorstehenden Abschied des Spielers, der unter dem Hertha-Urgestein in insgesamt neun Spielen auf dem Platz stand. Dardai hatte das Team erst im späten Januar von Bruno Labbadia übernommen und mit zwei Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz über die Ziellinie geschleppt. "Er ist ein leidenschaftlicher Fußballer. Zum Schluss entscheidet immer der Spieler. Und wenn er eine Möglichkeit hat, was er gern machen will, dann liegt kein Stein im Weg. Trotzdem habe ich mich bedankt dafür, was er letzte Saison alles geleistet hat", erklärte Dardai, der ein höflicher Mensch ist.

Der Umbau geht weiter

Keine Steine in den Weg legen, darauf können sich abwanderungswillige Profis bei Hertha BSC in diesem Sommer verlassen. Der Australier Matthew Leckie wechselte zurück in seine Heimat, Eduard Löwen spielt leihweise für Aufsteiger VfL Bochum und der gebürtige Berliner Jessic Ngankam schloß sich erst Greuther Fürth an und verletzte sich dann schwer am Knie. Omar Alderete (Valencia), Sami Khedira (Karriere-Ende), Nemanja Radonjic und Matteo Guendouzi (zurück zu ihren Heimatvereinen) komplettieren die Liste.

Der brasilianische Auswahlspieler Matheus Cunha weilt aktuell noch bei den Olympischen Spielen in Tokio, könnte aber nach seiner Rückkehr noch transferiert werden. Trotz seines großen Talents und seiner immer wieder vermittelten Zuneigung zur Stadt Berlin dürften Dardai und Bobic sich nicht gegen einen Transfer stemmen. Zu oft wirkte Cunha in der vergangenen Saison im weiten Rund des leeren Olympiastadions verloren und abwesend.

"Matheus ist unser bester Fußballer, muss aber ein paar Sachen an sich ändern, weil er sonst in Zukunft Probleme haben wird, egal, wo er spielt. Wenn man mal was auf den Fuß kriegt, kann man auch wieder aufstehen", sagte Bobic zuletzt und berichtete von Gesprächen mit dem Berater des 22-Jährigen: "Es war eine gute Unterhaltung. Wenn Matheus weiterziehen möchte, dann nur, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen stimmen." Auch um Stürmer Dodi Lukebakio gibt es immer wieder Gerüchte. Der belgische Nationalspieler, zuweilen arg limitiert in seinen Abläufen, könnte nach zwei Jahren, 63 Pflichtspielen und 15 Toren für Hertha BSC weiterziehen. Bobic erhofft sich weitere 15 Millionen für den Kaderumbau.

Bislang kaum Neuzugänge, aber Optimismus

Als Neuzugänge vermeldet Hertha aktuell nur den ewigen Kevin-Prince Boateng, der den Kader in der Kabine führen soll, und Suat Serdar, der für nur 8 Millionen von Schalke 04 losgeeist werden konnte. Mit Stürmer Davie Selke kehrt ein vergessener Spieler zurück. Die Lokalpresse traut ihm eine gute Rolle zu. Trotzdem will Fredi Bobic Hertha BSC langfristig in das obere Tabellendrittel der Bundesliga führen. Dies war ihm bereits mit Eintracht Frankfurt gelungen. Auch durch eine überraschende Transferphilosophie, die unter anderem Filip Kostics bis zu diesem Zeitpunkt verborgenes Talent offenlegte, und meist von einer tiefen Kenntnis des Transfermarkts geprägt war. Nach enttäuschenden Jahren für den Hauptstadtklub will er Hertha, den Verein, den er sich im Juni anschloss, nun gemeinsam mit Vereins-Boss Carsten Schmidt, der kürzlich eine Anfrage der DFL zur Nachfolge von Christian Seifert ablehnte, wieder auf Kurs bringen.

"Es geht im Fußball um Nachhaltigkeit. Ein Verein muss insgesamt auf allen Feldern wachsen", sagte Bobic Anfang Juli. "Du musst erst die Basics setzen, aber immer mit Ambitionen." Dabei helfen werden ihm - neben zahlreichen neuen Mitarbeitern und Sportdirektor Arne Friedrich - auch die sogenannten Windhorst-Millionen, um die es in den vergangenen Wochen einiges an Wirbel gegeben hatte. Eine ausstehende 30-Millionen-Euro-Rate des Investors war nach reichlich Aufregung Anfang Juli bei Hertha eingegangen.

"Ich freue mich, wenn wir mehr Eigenkapital haben. Aber wir werden mit weisen Augen darauf schauen, wie viel Geld wir ausgeben wollen", sagte Bobic nach Zahlungseingang und kündigte an, dass der Klub "Personalkosten senken" wolle. Er werde, sagte der 49-Jährige, "wie ein Chamäleon sein" und sich "der Situation immer anpassen".

Welche Farbe er demnächst annehmen wird, ist bislang noch nicht klar. Die Wochen bis Ende August versprechen Spannung bei der hin und wieder grausten Maus der Liga.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.