Fußball

Wechselt er innerhalb der Liga?BVB und Sportchef Sebastian Kehl trennen sich überraschend sofort

22.03.2026, 13:15 Uhr
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Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund und Sebastian Kehl gehen ab sofort getrennte Wege. Diese überraschende Entscheidung hätten die Geschäftsführung des Klubs und der bisherige Sportdirektor "einvernehmlich" getroffen, heißt es.

Sebastian Kehl hatte nochmal kräftig Werbung für seine Arbeit gemacht. Die von ihm maßgeblich zusammengestellte Mannschaft von Borussia Dortmund habe "einen Punkteschnitt von 2,3 pro Spiel" und erledige "in der Liga einen richtig guten Job", sagte er am Samstagabend nach dem turbulenten 3:2 (0:2) gegen den Hamburger SV. Die Fans seien glücklich nach Hause gegangen, fügte er hinzu. Dass dies sein letzter Arbeitstag als Sportdirektor beim BVB sein würde, war da noch nicht abzusehen.

Am Sonntag verkündete der Klub das Aus von Kehl, das "einvernehmlich" und mit sofortiger Wirkung erfolge. Weil die Arbeit des 46-Jährigen oft kritisch gesehen wurde, kommt die Trennung nicht völlig überraschend. Wohl aber der Zeitpunkt der Demission. Zumal Kehl längst mit den Planungen für die neue Saison beschäftigt war. Auch in den zähen Poker über eine Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck, deren Ausgang die gesamte Ausrichtung des Klubs prägt, hatte er eine große Rolle gespielt. 

"Einige schmerzliche Enttäuschungen durchlitten"

Im Sommer sei "der richtige Zeitpunkt für Veränderungen gekommen", sagte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken: "Damit sich beide Seiten darauf vorbereiten können, haben wir uns einvernehmlich auf eine sofortige Beendigung von Sebastians Tätigkeit verständigt." Kehl habe "enorme Verdienste für unseren Verein, und für sein großes Engagement sind wir ihm sehr dankbar".

Der BVB spielt eine herausragende Bundesliga-Saison, hat aber wegen der Dominanz von Bayern München keine Chance auf den Titel. Im DFB-Pokal und in der Champions League ist Dortmund bereits früh ausgeschieden, insbesondere in der Königsklasse wurde das Team den hohen Erwartungen nicht gerecht. 

Seit 2018 war Kehl vier Jahre Leiter der Lizenzspielerabteilung des BVB, in dieser Zeit gelang Dortmund der DFB-Pokalsieg 2021. Im Sommer 2022 übernahm der ehemalige BVB-Profi den Posten des Sportdirektors, 2024 erreichten die Schwarz-Gelben das Finale der Champions League. Kehl galt lange als Erbe von Hans-Joachim Watzke, doch den begehrten Chefposten erhielt Ricken. 

"Gemeinsam haben wir in mehr als 20 Jahren große Erfolge gefeiert und einige schmerzliche Enttäuschungen durchlitten", sagte Watzke: "Sebastian Kehl hat bereits heute einen festen Platz in den Annalen von Borussia Dortmund." 

BVB steht großer Umbruch-Sommer bevor

Der BVB habe "mich mein halbes Leben begleitet und ich habe eine extreme Verbundenheit zu diesem großartigen Klub. Trotzdem haben wir nun gemeinsam das Gefühl entwickelt, dass es an der Zeit ist, neue Wege zu gehen – sowohl für den BVB als auch für mich", sagte Kehl, der als Spieler 13 Jahre in Dortmund verbracht hatte. Zuletzt gab es Gerüchte über ein mögliches Engagement des 46-Jährigen als Sportvorstand beim Hamburger SV.

Das "Hamburger Abendblatt" berichtete vor wenigen Tagen, dass Kehl als einer von mehreren Kandidaten für die Nachfolge von Stefan Kuntz infrage komme. Eine Headhunter-Agentur wurde vom HSV in die Suche einbezogen. Kehl, der seit Juli 2022 in der Position beim Revierklub war, soll den Wunsch haben, auf die Managerebene aufzusteigen. Auch der aktuelle HSV-Sportdirektor Claus Costa gehört zum Kandidatenkreis. Nach der Trennung von Kuntz im Januar übernahm Finanzvorstand Eric Huwer einige der Aufgaben. Schon im Januar war Kehl mit den HSV-Gerüchten konfrontiert worden. Damals bekräftigte er, dass sein Fokus auf der Transferzeit des BVB liege und er sich daher keine anderen Gedanken im Moment mache. 

"Das Feld" bei den Westfalen sei "bestellt", ergänzte Kehl: "Ich wünsche dem Verein bei seiner Neuausrichtung nur das Allerbeste und weiterhin die größtmöglichen Erfolge. Borussia Dortmund, das unglaubliche Stadion und die Südtribüne werden immer einen festen Platz in meinem Herzen haben. Es war mir eine Ehre."

Dem BVB steht im Sommer ein Umbruch bevor. Unter anderem Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan werden den Klub verlassen, Felix Nmecha verlängerte seinen Vertrag (bis 2030). Eine Entscheidung in der Causa Schlotterbeck steht aus.

Wer auf Kehl folgt, ist offen. Markus Krösche, der bei Eintracht Frankfurt höchst erfolgreich arbeitet, gilt als Kandidat. "Ich bin kein Typ, der jetzt irgendwie die nächsten Schritte plant. Ich bin im Heute und Hier. Und ich bin total gerne bei Eintracht Frankfurt", sagte er am Samstagabend im Aktuellen Sportstudio des ZDF. Sein Vertrag bei den Hessen läuft noch bis 2028.

Quelle: ntv.de, tno/sid

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