Fußball

"Nichts gezeigt als Team" Bremen wehrt sich nicht gegen den Abstieg

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Der Blick geht nach unten.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Null Punkte, 1:11 Tore. Was Werder Bremen dieser Tage zeigt, erinnert nur selten an Bundesliga-Fußball. Nach der zweiten Klatsche in vier Tagen bleibt aber nichts anderes übrig, als die neue Realität anzuerkennen. Werder spielt wie ein Absteiger. Sportchef Baumann wehrt sich gegen den branchenüblichen Reflex.

Florian Kohfeldt kaute grimmig auf seinem Kaugummi herum, seine Spieler starrten fassungslos ins Leere. "Null fünf, null fünf", schallte es besonders treffend aus der Mainzer Kurve herüber. Nach dem 0:5 (0:4) gegen den FSV Mainz 05 und der zweiten bösen Pleite innerhalb von vier Tagen wankt Werder Bremen in desolater Verfassung der 2. Liga entgegen. "Jetzt sind wir tatsächlich mitten im Abstiegskampf, und der Druck, Punkte zu holen, wird immer größer", stellte Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt fest: "Es ist unerklärlich, warum wir nach dem 0:1 komplett den Faden verloren haben. Danach ist es genauso gelaufen, wie es nicht laufen sollte." Der von einer Verletzung zurückgekehrte Kapitän Niklas Moisander war völlig am Boden zerstört. "Wir haben nichts gezeigt als Team", sagte der Finne.

Schon zur Pause nach dem höchsten Halbzeitrückstand vor eigenem Publikum in der 55-jährigen Bremer Bundesliga-Geschichte hatten Hunderte frustriert das Weserstadion verlassen. Nach dem Schlusspfiff spendeten in der Ostkurve nur noch die Treuesten der Treuen den niedergeschlagenen Werder-Profis und ihrem Trainer Trost. Drei Tage nach der 1:6-Schlappe bei Bayern München wird die Abstiegsgefahr für Bremen immer realer.

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Kohfeldt schien ratlos: "Heute gab es nichts, wovor ich mich stellen könnte."

(Foto: imago images/Nordphoto)

Kohfeldt muss trotz der immer dramatischeren Talfahrt dennoch weiter nicht um seinen Job bangen. "Es gibt über Florian keine Diskussionen, weil wir jeden Tag sehen, wie er mit der Mannschaft arbeitet, wie er die Mannschaft einstellt", sagte Geschäftsführer Frank Baumann nach Spielende bei Sky. Kohfeldt selbst schien zunächst vor allem ratlos: "Heute gab es nichts, wovor ich mich stellen könnte."

Verkrampft, verunsichert, bisweilen ängstlich

Torgarant für die besonders spielerisch überzeugenden Gäste war Robin Quaison, der in der 10. , 19. und 38. Minute traf. Dazwischen lag ein Eigentor von Werder-Schlussmann Jiri Pavlenka (15.), als der Ball nach einer verunglückten Abwehraktion von Milos Veljkovic vom Pfosten an den Rücken des Keepers und von dort über die Torlinie prallte. Kurz vor Schluss traf auch noch Jean-Philippe Mateta (81.). "Wir wissen dieses Ergebnis schon einzuordnen", sagte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder: "Bei uns wird jetzt keiner abheben."

Kampf und Einsatz hatte Trainer Kohfeldt, über den an der Weser nun doch Diskussionen beginnen werden, von seinen Schützlingen verlangt. Was er und zu Beginn 37.720 Zuschauer sahen, waren Verkrampfung, Verunsicherung und phasenweise sogar Angst. Schwächen, die der brutal effektive Gegner konsequent nutzte und ihm im Kampf um den Klassenerhalt hochverdient drei wichtige Punkten brachte. Nach dem ersten Gegentor erhob sich noch das Publikum, um die eigene Mannschaft zu unterstützen, später war Hohngelächter im weiten Rund zu hören.

Denn die Platzherren waren in allen Belangen unterlegen: Die Defensive war unsortiert, im Mittelfeld wurde ständig der Ball verloren, und der Angriff fand lange praktisch nicht. Die erste Werder-Chance war ein Pfostenschuss von Leonardo Bittencourt (42.). Das Team von Coach Achim Beierlorzer konnte die klare Führung mühelos verwalten und geriet nie in Gefahr.

Quelle: ntv.de, tsi/sid