Umfrage unter BetroffenenBundesliga-Kapitäne empfinden VAR-Dauer als unverhältnismäßig

Was sagen eigentlich die direkt Betroffenen zum Videobeweis? Eine Umfrage unter Spielern und Trainern zeigt, dass auch sie mit den technischen Hilfsmitteln der Schiedsrichter hadern. Vor allem die Länge der Unterbrechungen empfinden sie als Problem.
Der Videobeweis in den beiden Fußball-Bundesligen bleibt ein Zankapfel - auch bei den davon direkt Betroffenen: Eine deutliche Mehrheit der teilnehmenden Trainer und Kapitänen der 36 Klubs beklagt in einer RTL/ntv-Umfrage deutlich zu lange Unterbrechungen durch den Video Assistant Referee (VAR). Fast die Hälfte der Teilnehmer gibt zudem an, dass sich der Videobeweis seit der Einführung in der Saison 2017/18 nicht weiterentwickelt habe.
Die Zahlen sind das Ergebnis einer Umfrage von RTL und ntv vor Beginn der Hinrunde. Befragt wurden die Trainer und Kapitäne aller 36 Erst- und Zweitligisten. 32 vollständig ausgefüllte Fragebögen aus 18 Vereinen gingen zurück. Insgesamt 16 Trainer und 16 Kapitäne aus beiden Ligen sind unter den Teilnehmern. Die Teilnehmer der Umfrage beklagen vor allem die Dauer der VAR-Entscheidungen. Kein einziger der teilnehmenden Kapitäne ist der Meinung, dass die Dauer der Überprüfungen angemessen ist. Mehr als 80 Prozent der teilnehmenden Trainer empfinden die Eingriffe des Videobeweises als zu lang.
Ein Kapitän aus der 2. Bundesliga äußerte gegenüber RTL/ntv seinen Unmut: "Früher wurden Entscheidungen direkt auf dem Platz getroffen. Vom Schiedsrichter und seinen Assistenten, ohne minutenlange Unterbrechungen, ohne endloses Warten auf ein Signal aus dem Keller in Köln. Die Emotion eines Tores, dieses spontane Jubeln, wird oft gebremst, weil man erst abwarten muss, ob der Treffer überhaupt zählt."
"Der VAR hat den Fußball verändert"
Die DFL betonte auf Anfrage, dass die Einführung der halbautomatischen Abseitserkennung zu einer Beschleunigung bei Abseits-Entscheidungen geführt habe. Insgesamt sei dadurch eine Verkürzung um fast ein Drittel der Zeit erreicht worden. Das halbautomatische Abseits wurde jedoch erst zu Beginn der aktuellen Saison eingeführt. Zudem hat sich laut DFL grundlegend die Dauer aller VAR-Interventionen im Vergleich zum Vorjahr verringert, obwohl die Schiedsrichter die Entscheidungen seit dem Sommer per Mikrofon im Stadion erklären.
Doch nicht alles am Videobeweis ist schlecht - finden Profis und Trainer. Fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer empfinden zumindest eine gesteigerte Gerechtigkeit durch den VAR - auch wenn Trainer und Kapitäne das unterschiedlich sehen. Die teilnehmenden Kapitäne sind nur etwa zur Hälfte dieser Meinung, bei den Trainern sind es dagegen fast 70 Prozent. Weniger als ein Drittel der Teilnehmer gibt an, dass der VAR die beiden Ligen nicht gerechter gemacht hat.
"Der VAR hat den Fußball nachhaltig verändert", erklärte Ivo Hrstic, Ressortleiter Sport bei RTL NEWS, zu der Umfrage. "Das Meinungsbild dieser Umfrage spiegelt den dringenden Optimierungsbedarf wider. Der Einsatz des Video-Schiedsrichterassistenten sollte in seinen Abläufen transparenter und vor allem schneller zu einer Entscheidung kommen."