Fußball

Sorge um zunehmende Depressionen Corona-Krise greift Psyche der Fußballer an

Ein Fußball-Spiel. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Viele Fußballer, vor allem aus den unteren Ligen plagen offenbar existenzielle Sorgen.

(Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild)

Kein Dribbling, kein Torschuss, stattdessen existenzielle Sorgen um die Zukunft: Die Folgen der Corona-Krise sorgen offenbar für einen Anstieg der Depressionen bei Profifußballern. Das deutet eine Umfrage der Spielergewerkschaft FIFPro an.

Das nächste Spiel ist nicht in Sicht. In der Coronakrise ist nur die Unsicherheit gewiss. Die Pandemie wird auch für die Fußballprofis zunehmend zur psychischen Belastung. Zwar wachsen in der Bundesliga die Hoffnungen auf einen Wiederanpfiff am 9. Mai, Ligen aus anderen schwer betroffenen Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich sind davon aber noch weit entfernt. Die Folgen? Isolation aufgrund teils massiver Ausgangsbeschränkungen, Anpassungsprobleme, Existenzängste. "Wir sind besorgt", sagt Generalsekretär Jonas Baer-Hoffmann von der Spielergewerkschaft FIFPro.

Anlass zur Sorge bereitet Baer-Hoffman eine FIFPro-Umfrage mit 1602 Spielerinnen und Spielern aus 16 Nationen. Zwischen dem 22. März und dem 14. April zeigten sich demnach bei 22 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer Symptome, die auf eine Depression hinweisen könnten. In einer Studie zwischen Dezember 2019 und Januar 2020 waren es noch elf beziehungsweise sechs Prozent gewesen. "Es sind ganz besondere Zeiten gerade, man könnte fast sagen: Die meisten von uns sind in einem latenten Alarmzustand, in einem Stresszustand", sagt DFB-Teampsychologe Hans-Dieter Hermann. Der 59-Jährige spricht dabei von einem gesamtgesellschaftlichen Problem.

Existenzielle Fragen kommen auf

Davon ausgenommen werden können Fußballer aber nicht. Der Pass in die Tiefe oder der Torabschluss aus der Distanz? Ein mutiges Dribbling an der Außenlinie oder lieber doch das ganz sichere Zuspiel? Statt mit Situationen aus dem Spiel- und Trainingsalltag beschäftigen sich viele Spieler längst mit anderen, grundlegenden Fragen. Was tun, wenn der eigene Marktwert sinkt? Wie reagieren, wenn Verträge auslaufen und bei potenziell interessierten Klubs der Spielraum für Neuverpflichtungen aufgrund wirtschaftlicher Corona-Folgen kaum noch vorhanden ist? Zumindest für Spieler aus den unteren Ligen kann das zum Problem werden.

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

"Es ist für die Fußballer deswegen so schwierig, weil sie keine Kontrolle darüber haben", sagte Markus Raab, Leiter der Abteilung Leistungspsychologie der Deutschen Sporthochschule Köln. Hart trifft die Lage ausländische Spieler, besonders in Ländern mit strikten Kontaktverboten. "Viele sind von ihren Familien getrennt, verbringen viel Zeit allein. Das ist sehr herausfordernd", sagte Baer-Hoffmann.

Der Umgang mit den Herausforderungen der Coronakrise ist dabei typabhängig. Raab sprich von zwei Arten von Bewältigungsstrategien: "Es hängt von der Person ab, ob sie sich mit der Umbewertung der aktuellen Situation kognitiv so auseinandersetzen kann, dass sie sagt: 'Okay, dann kann ich mich auf meine Fitness konzentrieren oder eine ältere Verletzung auskurieren.' Oder es ist so, dass sie sich ständig Sorgen machen über die Zukunft, die sie nicht so stark beeinflussen können in der jetzigen Situation." Das Aufzeigen von potenziellen Möglichkeiten für die Zukunft sei sinnvoll. "Da sind auch die Vereine und Verbände gefragt", sagte Raab.

Quelle: ntv.de, Emanuel Reinke, sid