Fußball

Skepsis gegenüber Equal Pay DFB-Präsident "zumindest bereit", über Prämien zu reden

Bundeskanzler Olaf Scholz schließt sich der "Equal Pay"-Bewegung im Fußball an, der DFB bremst dagegen. Präsident Bernd Neuendorf will aber gerne über alles reden, auch das Prämiensystem, das ein immenses Gefälle zwischen Männer- und Frauen-Nationalmannschaften manifestiert.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat eine Debatte im Deutschen Fußball-Bund über die Angleichung der Prämien für die Frauen-Nationalmannschaft an die Zahlungen für die Männer angekündigt. "Ich bin zumindest bereit, in unseren Gremien mit den Vertretern und Vertreterinnen der A-Nationalmannschaften darüber zu reden, ob unser über Jahrzehnte gewachsenes Prämiensystem noch zeitgemäß ist (...) und es gegebenenfalls auch angepasst werden kann", sagte Neuendorf in Frankfurt/Main nach einer Gesprächsrunde mit Bundeskanzler Olaf Scholz. Es müsse aber auch "zur Kenntnis" genommen werden, "dass trotz gleicher Tätigkeit die Märkte immer noch sehr unterschiedlich sind". Auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff hatte nach der Scholz-Forderung immer wieder auf die sehr viel höheren Einnahmen des Männer-Teams verwiesen.

SPD-Politiker Scholz sagte im Anschluss an den Rundgang über den neuen DFB-Campus: "Ich finde, das ist etwas Politisches, deshalb macht es schon Sinn, dass man über gleiche Prämien diskutiert." Der Bundeskanzler hatte sich im Verlauf der EM der Frauen in England in die Diskussion eingeschaltet und via Twitter die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen in den Nationalteams gefordert.

Die DFB-Frauen erhielten für ihren zweiten Platz nach der Niederlage im Endspiel von Wembley gegen England am 31. Juli jeweils 30.000 Euro. Für den Titel hätte es 60.000 Euro gegeben. Die Männer hätten bei einem EM-Triumph 2021 jeweils ein Preisgeld von 400.000 Euro erhalten. Bei den Frauen steht vom 20. Juli bis 20. August 2023 die WM in Australien und Neuseeland an. Neuendorf betonte, dass der DFB bei dieser Thematik "keineswegs rückständig" sei und verwies auf die dieses Jahr ausgesetzten Rekordprämien bei den Frauen.

Bundestrainerin widerspricht Bundeskanzler

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wollte sich der Forderung von Bundeskanzler Scholz nicht anschließen. "Da muss ich dem Bundeskanzler widersprechen. Wir haben gesagt, wir wollen erst mal "Equal Play' haben, dass wir bessere Strukturen haben, dass wir Talent-Gerechtigkeit haben, dass alle Mädchen Fußball spielen können", sagte die 54-Jährige bei "Heute im Stadion" auf Bayern 1. Ihr erster Ansatz wäre, "dass wir alle Bundesligaspielerinnen zu Profis machen können, heißt Grundgehälter in der Liga. Aber nicht ein "Equal Pay' in der Dimension der Männer", sagte Voss-Tecklenburg weiter.

"Ich würde mir eine Angleichung wünschen, also bei den Männern vielleicht ein bisschen weniger, bei den Frauen ein wenig mehr", betonte Voss-Tecklenburg erneut. "Vielleicht irgendwann für den gleichen Titel, den Männer und Frauen erreichen, auch das gleiche Geld. Aber wir werden nie in die Dimension kommen wie der Männer-Fußball. Und das wäre auch nicht gut."

Im Mai hatten die von Starspielerin Megan Rapinoe angeführten US-Fußballerinnen ihren Kampf um Gleichstellung gewonnen. Der Fußballverband der USA sowie die Gewerkschaften der Frauen- und Männer-Nationalmannschaften einigten sich auf einen historischen Tarifvertrag, der allen Spielerinnen und Spielern die gleiche Bezahlung einschließlich Boni garantiert, wie der Verband US Soccer mitteilte.

Demnach stellen die bis 2028 laufenden Verträge sicher, dass die im Vergleich zu den Männern um ein Vielfaches erfolgreichere Frauen-Nationalmannschaft die gleichen Prämienzahlungen bei Großturnieren wie Weltmeisterschaften erhält sowie generell die gleichen Bezüge wie das Männer-Team. Auch schüttet der Verband einen Teil seiner Einnahmen aus Übertragungen, Ticketverkäufen und Sponsoring zu gleichen Teilen an beide Teams aus.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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