Fußball

Löw bleibt beim Qualifikationsweltmeister DFB-Team sammelt offene Rechnungen

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(Foto: dpa)

Bevor Deutschlands Fußballer auch ihr letztes WM-Qualifikationsspiel in Schweden ohne Niederlage überstehen wollen, kündigt Bundestrainer Joachim Löw an, dass er seinen Vertrag verlängert - obwohl die Planung für Brasilien 2014 "grausam" wird.

Ach der Vertrag. Das wird schon, sagte Joachim Löw, „weil beide Seiten daran Interesse haben. Wir haben das Ziel, dass es noch einmal bis 2016 geht“. Die Unterschriften fehlen zwar noch, aber bis zur Europameisterschaft in Frankreich wird er also die deutsche Fußball-Nationalmannschaft trainieren. Auch für den nicht ganz so unwahrscheinlichen Fall, dass es mit dem Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien nichts werden sollte. „Ein erfolgreiches Abschneiden hängt ja nicht immer nur davon ab, welche Platzierung man erreicht. Sondern auch davon, wie man gespielt hat und wie das Verhältnis zur Mannschaft ist.“

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Max Kruse ist ein Kandidat für den Platz im Sturm. Einer von vielen.

(Foto: dpa)

Grundsätzlich war Joachim Löw in Stockholm darauf bedacht, keine große Sache daraus zu machen. Auch wenn er erneut darauf hinwies, dass ihm durchaus bewusst sei, was so ein Vertrag im Profigeschäft wert ist, „wenn wir bei der WM ohne Punkt und Sieg in der Vorrunde ausscheiden. Dann muss man über eine Veränderung nachdenken“. Bis es so weit ist, können er und seine Mannschaft vor der abschließenden Partie am morgigen Dienstag gegen Schweden (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) den ersten Titel bereits für sich reklamieren, wenn der auch inoffizieller Prägung ist. Aber Qualifikationsweltmeister sind sie. Auch wenn das ein wenig nach Trainingsweltmeister klingt.

Die Teilnahmeberechtigung für Brasilien haben sie seit Freitag in der Tasche, nach neun Spielen stehen nun acht Siege zu Buche. Für die Europameisterschaft im vergangen Jahr hatte sich die DFB-Elf gar mit zehn Siegen aus zehn Spielen qualifiziert. Oder wie es Kapitän Philipp Lahm nach dem souveränen 3:0 gegen die Iren in Köln formulierte: „Wir haben jetzt zwei Qualifikationen ohne Niederlage gespielt. Das gab es wohl auch noch nicht so oft.“

Die große Euphorie ist nicht auszumachen

Auch Joachim Löw hatte sich „irgendwie gefreut“, wie er am Tag nach der Partie gesagt hatte. Aber halt nur irgendwie. Die große Euphorie ist jedenfalls nicht auszumachen. Schließlich haben der Bundestrainer und seine Eleven das erreicht, was eine deutsche Mannschaft seit 1954 immer erreicht hat. Mithin das, was alle von ihnen erwartet hatten - nicht zuletzt sie selbst. Nun geht’s, nach zwei freien Tagen, zum Abschluss der laufenden Runde in Stockholm gegen Schweden. Die treten ohne den gesperrten Superstar Zlatan Ibrahimovic an, was dem Bundestrainer, wie er sagte, aber "egal" ist.

Bei der deutschen Mannschaft wird Sami Khedira fehlen, nach seiner zweiten Gelben Karte im Spiel gegen Irland ist er erst gar nicht mitgefahren. Zur Aufstellung aber verriet der Bundestrainer wie stets wenig bis nichts. Manuel Neuer hütet das Tor, darauf hat er sich festgelegt. Und Bastian Schweinsteiger darf sein 100. Länderspiel machen. Max Kruse sei eine prima Option für die Position des Mittelstürmers - und Mario Götze spielt entweder von Beginn an, oder er wechselt ihn ein. Und sonst? Sind Per Mertesacker und Toni Kroos erkältet, also wartet der Trainer das Abschlusstraining ab und entscheidet dann.

„Für mich ist es grausam“

In Erinnerung an das denkwürdige 4:4 vor fast genau einem Jahr in Berlin, als ein 4:0-Vorsprung nach 62 Minuten am Ende nicht zum Sieg reichte, hatte Löw in den vergangenen Tagen mehrmals darauf hingewiesen, er und sein Team hätten „mit den Schweden noch eine kleine Rechnung offen“. Von einer Revanche wollte er aber auch am Tag vor der Begegnung nichts wissen. Da aber den Gastgebern Platz zwei in dieser Gruppe C nicht mehr zu nehmen ist, sie also an zwei Playoff-Spielen um einen Platz bei der WM teilnehmen dürfen, ist die Partie in der Friends Arena im Vorort Solna eher von geringerer Brisanz. Ansonsten gilt es, erneut eine Ausscheidungsrunde ohne Niederlage zu überstehen. Und: Noch nie in 79 Jahren hat eine deutsche Mannschaft ein Auswärtsspiel in der WM-Qualifikation verloren.

Und dann beginnt schon die Vorbereitung auf die WM, die am 12.Juni kommenden Jahres in Brasilien beginnt. Zwei Partien in aller Freundschaft stehen in diesem Jahr noch auf der Agenda: Am 15. November geht es in Mailand gegen Italien - offene Rechnung aus dem Halbfinale der jüngsten EM. Und am 19. November in Londons Wembleystadion gegen England - wenn sich die Three Lions am Dienstag mit einem Sieg gegen Polen für die WM qualifizieren und nicht doch noch in die Relegation müssen. Hier läge die offene Rechnung dann allerdings eher bei den Gastgebern.

Was folgt, hat dann allerdings wenig mit Vorbereitung zu tun. Ein einziges Länderspiel am 5. März in Stuttgart gegen Chile - das war’s dann bis kurz nach dem Finale im DFB-Pokal am 17. Mai. Genaues für die heiße Phase vor der WM steht noch nicht fest, zur Debatte steht ein Trainingslager in den Alpen und der Plan, früher als vor Turnieren üblich gen Südamerika aufzubrechen. Toll findet Joachim Löw das nicht: „Für mich ist es grausam, dass man nur ein Spiel in einem halben Jahr hat. Das ist eine wahnsinnig lange Zeit. Da muss man den Kontakt auf andere Weise hochhalten, Besuche, mehr Telefonate.“ So schlimm, dass er nicht liebend gerne weitermacht, ist es dann aber doch nicht.

Quelle: n-tv.de

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