Fußball

"Du verlierst den Glauben" DFB gesteht groben Fehler des VAR ein

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Die Proteste waren so berechtigt wie folgenlos.

(Foto: imago images/foto2press)

Ein falscher Elfmeterpfiff lässt Würzburg wüten - und der DFB erklärt die Aufregung für gerechtfertigt. Allerdings erst weit nach Spielende und nicht, wie eigentlich gedacht, mit einer Korrektur durch den Video Assistant Referee. Die Kickers beruhigt das wohl kaum.

Der VAR, der Video Assistant Referee, soll den Fußball gerechter machen. Fehlentscheidungen sollen dank der Überprüfung der Bilder bestenfalls verhindert werden, und wenn das nicht gelingt, dann zumindest korrigiert. Eine solche Fehlentscheidung gab es am Freitagabend in der 2. Bundesliga im Spiel der Würzburger Kickers bei Holstein Kiel, als der Unparteiische Thorben Siewer nach einem vermeintlichen Foul von Kickers-Torwart Hendrik Bonmann am Kieler Offensivmann Jae-Sung Lee auf Elfmeter entschied. Der VAR bestätigte diese Entscheidung. Doch der offizielle Account der Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes twitterte weit nach Abpfiff: "Es hätte [...] zu einer Rücknahme des Strafstoßes kommen müssen."

Stattdessen aber verwandelte Martin Mühling für die KSV Holstein, die damit vorübergehend die Tabellenspitze übernahm. Würzburg dagegen kassierte mit dem 0:1 (0:0) die 15. Niederlage im 21. Spiel und bleibt abgeschlagen letzter. Mit Blick auf die spielentscheidende Fehlbeurteilung der Schiedsrichter suchte Kickers-Geschäftsführer Sebastian Schuppan anschließend das Gespräch mit den Offiziellen, berichtete davon aber so ernüchtert wie entnervt: "Es war kein Gespräch möglich. Es ist eine Arroganz, ich bin einfach sprachlos."

Die nachvollziehbare Wut der Würzburger steigerte sich außerdem dadurch, dass der DFB-Account auch mitteilte, dass eine "On-Field-Review-Empfehlung" hätte ausgesprochen werden "müssen". Video-Assistent Martin Petersen hätte Siewer also bitten müssen, sich die strittige Szene selbst auf dem Bildschirm am Spielfeldrand anzuschauen. Da hätte sich erkennen lassen, was letztlich nur auf Twitter stand: "Die Aktion des Torhüters ist tatsächlich fußballtypisch und ballorientiert, zumal er den Ball auch spielt. Deshalb ist die Wahrnehmung des Schiedsrichters, dass ein Foulspiel des Torhüters vorliegt, nicht zutreffend."

Der Bildschirm im Kieler Stadion allerdings blieb ungenutzt. Weshalb Schuppan anschließend "diese ganze Video-Assistant-Geschichte komplett infrage" stellte, nachdem schon in der Vorwoche beim 1:4 gegen Greuther Fürth trotz VAR ein unberechtigter Elfmeter gegen seine Mannschaft gegeben worden war. Diese Fehler sind zwar sicher nicht ursächlich für die sportliche Misere der Franken, dennoch ist Schuppans Ärger verständlich: "Du verlierst den Glauben an die Gerechtigkeit im Sport." Dabei soll der VAR diesen doch eigentlich stärken.

Der DFB reagierte darauf offenbar kurzfristig für die Samstagsspiele der Bundesliga: Wie die "Bild" berichtet, wurde Petersen nach seiner Fehlentscheidung wenige Stunden vor Anpfiff als Video Assistant Referee abgesetzt. An seiner Stelle kommt für die Partie des SV Werder Bremen gegen den SC Freiburg nun Marco Fritz zum Einsatz. Weil die Ansetzungen bereits veröffentlicht waren, lässt sich die Streichung nachvollziehen. Eine diskrete Lösung sieht anders aus- zumal Petersen ja nicht der erste und einzige Videoschiedsrichter ist, dessen Entscheidungen anschließend als fehlerhaft eingestuft wurden.

Quelle: ntv.de

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