Fußball

Fatale Fehlentscheidung für Katar DFL-Boss kritisiert Fifa-Willkür

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"Das bisher vorliegende Angebot mit klimatisierten Stadien ist zu wenig": DFL-Präsident Reinhard Rauball nennt die WM-Vergabe an Katar eine Fehlentscheidung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer sich derzeit über die Fifa beschweren will, muss sich hinten anstellen. Heute an der Reihe: Reinhard Rauball, Präsident der DFL und gar kein Freund der WM-Vergabe an Katar. Die nennt Rauball schlicht falsch, egal wann dort im Jahr 2022 letztlich gespielt wird.

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Zwischen Fifa-Präsident Joseph Blatter und DFB-Boss Theo Zwanziger passt kein Geldschein. Rauball sagt über Zwanziger: "Er würde nicht etwas mittragen, was er nicht mittragen will."

(Foto: REUTERS)

DFB-Präsident Theo Zwanziger muss sich in seiner bedingungslosen Unterstützung für Fifa-Präsident Joseph Blatter langsam einsam vorkommen. Immer mehr Funktionärskollegen fehlt es im Gegensatz zum künftigen Fifa-Exekutiv-Mitglied an Verständnis für das Gebaren des Fußball-Weltverbandes. Es sind Kollegen, die sich nicht mit den Millioneneinnahmen des nicht-gewinnorientierten Fußball-Weltverbandes über offenkundige Missstände hinwegtrösten wollen und die selbst mit dem von Zwanziger geforderten Augenmaß nicht über eben diese hinwegsehen können.

Die Probleme sind bekannt, sie heißen Korruption und Intransparenz und führten am 2. Dezember 2010 unter anderem dazu, dass die WM 2022 an Katar vergeben wurde - obwohl dort im Sommer aufgrund der hohen Temperaturen massive Probleme auf Spieler und Fans zukommen würden.

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Rauball selbst will das Geschäftsgebaren der Fifa nicht länger klaglos hinnehmen und zweifelt öffentlich die Motive für die WM-Vergabe an.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine fatale Fehlentscheidung, findet Reinhard Rauball. Der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und von Herbstmeister Borussia Dortmund sieht auf die deutschen und internationalen Fußball-Ligen gravierende Probleme zukommen. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" beklagt er einen unfassbar großen Reparaturaufwand "für eine falsch getroffene Entscheidung" und prophezeit erhebliche Terminschwierigkeiten durch eine Verlegung des Turniers in den Winter. Dass es dazu kommen wird, daran hat Fifa-Boss Blatter zuletzt keinen Zweifel mehr gelassen und etwaige Bedenken kurzerhand weggewischt. Elf Jahre, findet Blatter, sind genug Zeit, um die Rahmenspielpläne der Profiligen den Fifa-Wünschen anzupassen.

"Es ist und bleibt ein Dilemma"

Für Rauball wirft eine Winter-WM hingegen einige fast unlösbare Probleme auf, national und international, obwohl er die Verlegung unmittelbar nach der WM-Vergabe noch selbst angeregt hatte. Nun sagte er: "Wann soll der Terminkalender umgestellt werden? Vor Katar 2022 ist die WM 2018 in Russland, da spielt man sicher nicht im Winter, bei sibirischer Kälte. Es muss danach passieren. Und was geschieht mit dem Afrika-Cup im Januar, mit dem Asien Cup? Was mit der Fußball-Europameisterschaft, soll die 2020 in den Winter rücken? Und was, wenn diese EM in Skandinavien wäre?" Englands Verbands-Generalsekretär Alex Horne kanzelte den Blatter-Plan als "ein logistisches Durcheinander" ab. Das Fazit des DFL-Präsidenten lautet: "Es ist und bleibt ein Dilemma."

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"Es reicht im Jahr 2010 nicht mehr aus, einen Briefumschlag aufzureißen und zu verkünden: The Winner is Katar."

(Foto: REUTERS)

Rauballs Folgerung knüpft an die massive Fifa-Kritik an, die zuvor schon Bayern-Präsident Uli Hoeneß ("Ein Skandal jagt den anderen") und der zurückgetretene Fifa-Ethiker Günter Hirsch geäußert hatten: Im Jahr 2010 reicht es einfach nicht mehr, einen Briefumschlag aufzureißen und den Wahlsieger zu verkünden: "Heute braucht es bei solchen Entscheidungen Transparenz, man will Erklärungen. Und natürlich will man wissen, ob die Klima-Aspekte vergessen oder einfach heruntergespielt worden sind. So ist das nicht akzeptabel." Das gilt umso mehr, da beispielsweise das Internationale Olympische Komitee die katarische Bewerbung um die Sommerspiele 2016 aufgrund der klimatischen Bedingungen mit Höchsttemperaturen von bis zu 50 Grad von vornherein aussortiert hatte.

Verkappte Drohung an Blatter

Rauball stellte deshalb klar, dass die DFL und auch die anderen europäischen Topliegen eine von der Fifa in gewohnter Gutsherrenart verordnete WM-Verlegung in die Wintermonate nicht akzeptieren werden. Status quo sei eine Sommer-Endrunde, über alles andere müsse erst intensiv gesprochen und diskutiert werden. Künftig sei die Fifa aber "außerordentlich gut beraten, sich das nächste Mal mit den fünf großen Ligen in Europa zusammenzusetzen, bevor sie Entscheide trifft, die von diesen Ligen nicht mitgetragen werden."

Was wie eine Drohung klingt, wollte Rauball nicht als Drohung verstanden wissen, wenngleich er in diesem Zusammenhang auch die Zukunft Blatters als Fifa-Präsident infrage stellte. Dabei klang durchaus Frust beim DFL-Präsidenten durch: "Sollte dieser Ratschlag wieder mit Füßen getreten werden, kann man darüber nachdenken, wie man reagiert - eventuell auch mit personellen Änderungen." Eine Möglichkeit wäre ein eigener Uefa-Kandidat für die übernächste Präsidentenwahl. Für die kommende Wahl im Juni ist die Meldefrist bereits abgelaufen. Zudem befürwortet Uefa-Präsident Michel Platini eine Verlegung, die er keinesfalls als unlösbares Problem betrachtet.

Geteiltes Echo in der Liga

Vor weiteren Schritten sei es für die Bundesliga laut Rauball zunächst wichtig, "eine gemeinsame Position mit dem Deutschen Fußball-Bund zu finden" und Vereine und Trainer anzuhören. Dort gibt es auf die Blatter-Pläne bisher ein geteiltes Echo. "Ich denke, eine WM im Winter wäre im Sinne des Fußballs. Wenn man qualitativ gute Spiele haben will, sollte man es tun", sagte Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia. Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler sprach sich im Bonner "General-Anzeiger" ebenfalls dafür aus. "Die WM muss im Winter stattfinden. Es ist sogar eine Chance, bei uns den Kalender zu überdenken und von Februar bis Ende November zu spielen. Von 34 Spieltagen frierst du doch - gefühlt - an 20."

Hoffenheims Manager Ernst Tanner hält den Vorschlag in der Realität hingegen für "nicht umsetzbar". "Alles müsste umgestellt werden und alle müssten mitziehen. Aber südliche Länder können nicht bei 40 Grad spielen. Es ist unmöglich, alles unter einen Hut zu kriegen." Skeptisch äußerte sich auch Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs. "Es wird seit vier Jahren versucht, die Spielpläne in Europa zu vereinheitlichen, aber wir kriegen nicht einmal das hin. Wie soll das dann bei einer WM gehen?"

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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