Fußball

Die "Lilien" blühen erstklassig auf Darmstadt treibt den "Wahnsinn" weiter

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Tobias Kempe erzielte das Darmstädter Siegtor in Karlsruhe. Mindestens 90 Prozent des Tores gehörten aber Vorbereiter Marcel Heller.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Trotz eines Mini-Etats ist der SV Darmstadt 98 auf bestem Weg zurück in die Fußball-Bundesliga. Als Tabellenzweiter hat der Aufsteiger den Durchmarsch selbst in der Hand. Das Erfolgsrezept lautet: "Wir sind ein bisschen verrückt auf dem Platz."

Präsident Rüdiger Fritsch erscheint die Zweitliga-Saison seines SV Darmstadt 98 allmählich wie ein kitschiger amerikanischer Film: "Ein nicht so guter Basketballer wird zum College-Spieler aufgebaut, und am Schluss bekommt er das Mädchen, das er liebt, und wirft den entscheidenden Dreier." Die "Lilien" haben jedenfalls den Erfolgsstreifen mit dem Titel "Durchmarsch" fast zu Ende gedreht. Nach dem 1:0 (0:0) beim Karlsruher SC im Spitzenspiel am Montagabend ist der Aufstieg des letztjährigen Aufsteigers in greifbare Nähe gerückt.

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Drei, zwei, eins: Darmstadt steht vor dem nächsten Aufstieg und wäre im deutschen Fußball dann ganz oben angekommen.

(Foto: imago/Eibner)

Mit Siegen aus den letzten Partien bei den Abstiegskandidaten Greuther Fürth und gegen den FC St. Pauli wäre Darmstadt nach 33 Jahren jedenfalls wieder zurück im Oberhaus, möglicherweise reichen auch weniger Punkte. Das Wort "Aufstieg" nahm aber auch nach dem so wichtigen Erfolg niemand in den Mund. "Ich möchte mich dazu gar nicht äußern", sagte Mittelfeldspieler Hanno Behrens, lachte und versprach: "Wir werden den Alkohol auf der Heimfahrt völlig weglassen."

"Klar dürfen die von der ersten Liga träumen"

Freudetrunken feierten die 4000 mitgereisten Fans die 98-Fußballer und Trainer Dirk Schuster. "Klar dürfen die von der ersten Liga träumen, das kann man denen ja nicht verbieten", meinte Marcel Heller, der das Siegtor mit einem traumhaften 60-Meter-Sprint vorbereitet hatte. Dank des Tores von Tobias Kempe in der 66. Minute vor 27.467 Zuschauern im ausverkauften Wildparkstadion sprang Darmstadt auf den zweiten Tabellenplatz und liegt nun schon zwei Punkte vor dem 1. FC Kaiserslautern.

Der direkte Durchmarsch von der dritten in die erste Liga war bisher 1899 Hoffenheim (2008), dem SSV Ulm 1846 (1999), dem 1. FC Nürnberg (1998), Arminia Bielefeld (1996), Fortuna Düsseldorf (1995) und 1860 München (1994) gelungen. Mit einem Fünf-Millionen-Euro-Etat und dem bescheidenen Ziel Klassenerhalt war Darmstadt in die Saison gestartet.

Was der frühere KSC-Profi Schuster aus diesem Team gemacht hat, ringt dem gesamten deutschen Profifußball Respekt ab. Wie Magneten an der Taktiktafel verschieben die Darmstädter ihr Spiel, glänzen durch körperliche Wucht. Filigranfußball ist es nicht, was der Aufstiegskandidat Nummer 2 hinter dem FC Ingolstadt zeigt - aber den Gegnern graut davor.

"Ein blitzgescheiter Konter"

"Wir sind ein bisschen verrückt auf dem Platz", erklärte Behrens. So wie der einst bei Eintracht Frankfurt durchgefallene Heller. Seine Kollegen nennen ihn schon mal "Usain Heller" in Anlehnung an 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. Mit seinem Sprint leitete der 29-Jährige den Siegtreffer ein. "Ein blitzgescheiter Konter", so Schuster, entschied ein "atemberaubendes Spiel".

Schuster hatte mal was von "grinsenden Glücksrittern" aus Darmstadt gelesen, so wollte er das nicht stehen lassen. "Ich glaube, dass die jetzige Punktzahl das Ergebnis harter Arbeit ist", sagte der 47-Jährige und ergänzte: "Jetzt wollen wir aus einer sehr guten Saison eine überragende Saison machen." Vom Aufstieg wollte er natürlich nicht sprechen: "Wir befassen uns am 24. Mai mit der Situation, die wir dann erreicht haben."

Theoretisch könnte Darmstadt aber bereits am kommenden Sonntag den Durchmarsch klar machen - wenn Kaiserslautern in Aue ausrutscht. "Es ist sehr schwierig, alles in Worte zu fassen", sagte Vereinsboss Fritsch und erinnerte an den Last-Minute-Triumph vergangene Saison in der Relegation gegen Arminia Bielefeld: "Niemand hätte gedacht, dass man den Wahnsinn vom letzten Jahr noch weiter treiben kann. In zwei Wochen wollen wir richtig feiern, dann dürfen wir auch das böse Wort in den Mund nehmen - unter Umständen."

Quelle: n-tv.de

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