Fußball

Dramatischer Triple-Knockout Das Aus des FC Bayern ist eine Erlösung

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Wieder kein Finale: Josep Guardiola und der FC Bayern.

(Foto: imago/MIS)

Auch der dritte und letzte Anlauf scheitert: Der FC Bayern und sein Trainer Josep Guardiola verpassen erneut das Triple, dieses Mal auf durchaus tragische Weise. Das ist, bei aller Enttäuschung, auch eine gute Nachricht.

Es ist ein lauer Sommerabend an diesem 8. Juli 1990. Die deutsche Nationalmannschaft hat gerade das Finale der Weltmeisterschaft gegen Argentinien mit 1:0 gewonnen, als die höchste Fußball-Instanz der Republik, Franz Beckenbauer höchstpersönlich, erklärt: "Der deutsche Fußball wird auf Jahre hinaus unschlagbar sein." Ein fataler Irrglaube, der den FC Bayern München spätestens am Dienstagabend nach dem hoch dramatischen Champions-League-Aus gegen Altético Madrid auf ähnliche schmerzhafte Weise eingeholt hat, wie einst das DFB-Team. Denn mit dem Halbfinal-Knockout endet eine sich seit drei Jahren stets zuspitzende und zuletzt fast unerträglich anmutende Phase des Dauer-Triple-Drucks.

Zwar hat sich beim deutschen Rekordmeister nach dem bisher einzigen Triple-Gewinn im Sommer 2013 niemand so weit vorgewagt, wie einst Beckenbauer, doch die Hoffnung auf eine neue Ära der europäischen Dominanz war riesengroß. Wie sollte es auch anders sein? Jupp Heynckes hatte dem Klub zu seinem Abschied den historischen Triumph geschenkt. Und sein Erbe in die allerbesten Händen gelegt: In die von Josep Guardiola, dem kolportiert begabtesten Trainer der Welt und Triple-Sieger mit dem FC Barcelona in der Saison 2008/2009.

Drei Jahre nach dem Trainerwechsel ist an der Isar nun bittere Ernüchterung eingekehrt: Guardiola verlässt den Verein in diesem Sommer in Richtung Manchester City. Der Gewinn der Champions League, das so begehrte Triple, beides bleibt dem Katalanen als Übungsleiter des FC Bayern nach dem dritten Halbfinal-Knockout in Serie verwehrt. Das ist auf den ersten Blick eine Riesen-Enttäuschung, natürlich. Aber beim zweiten Hinschauen befreit das Ausscheiden gegen die Rojiblancos den Verein und die Spieler von der erdrückenden und kaum zu stemmenden Last, den Erfolg einer Saison immer nur am Triple messen zu lassen.

Selbstauferlegter Triple-Druck

Der Dreifach-Triumph ist im europäischen Fußball nach wie vor eher Ausnahme, denn Normalität. Erst 14-mal in der Geschichte gelang es Mannschaften, dazu zählen die Münchener ja bereits, den Triumph aus nationaler Meisterschaft, nationalem Pokal und europäischem Titel zu feiern. Und nur drei Vereine schafften es überhaupt sich zweimal in diese so exklusive Liste einzutragen: Ajax Amsterdam und der FC Barcelona, jeweils mit der Champions League, sowie der FC Porto mit dem Gewinn der Europaliga.

Wer wie Guardiola das Triple zum Maßstab seiner Amtszeit erklärt oder es sich von den Medien zum Maßstab erklären lässt, der ist einem ständigen Druck ausgesetzt, der nur ganz schwer auszuhalten ist - selbst für höchstbezahlte Fußball-Profis. Und genau an dieser Dauerstresssituation ist der FC Bayern München in den vergangenen drei Jahren gescheitert. Begeisterte die Mannschaft zu Beginn einer jeden Guardiola-Saison mit beeindruckend-dominantem Wow-Fußball, unterliefen dem Trainer in den entscheidenden Phasen fatale taktische Fehler, wie zuletzt im Halbfinal-Hinspiel gegen Atlético Madrid, verloren Schlüsselspieler - aktuell Thiago, David Alaba und Douglas Costa - ihre Form, und wirkte das Spiel der Männer um Kapitän Philipp Lahm auf der Zielgeraden einer Spielzeit - also immer dann, wenn's um die höchsten Weihen ging - häufig leidenschaftslos, pomadig, gequält. Kurzum: Vom selbstauferlegten Triple-Druck gelähmt - selbst wenn die Partie am Dienstag einen beeindruckenden Gegenbeweis der These lieferte. Am Ende aber war es so, wie Jérôme Boateng einräumte: "Wir müssen uns vorwerfen, dass wir zu wenig Tore gemacht haben. Vor allem in Madrid."

Ein Spiel, eine gute Leistung allein, so ist es leider ganz häufig, kann die zuvor aufgeführten Defizite eben nicht einfach so wettmachen. Und so bleibt nach 180 Minuten in Hin- und Rückspiel nur der Knockout. Das ist unglaublich schmerzhaft, aber halt die Realität. In ein paar Wochen verlässt Guardiola aus freien Stücken den Klub. Er nimmt die Triple-Challenge mit zu seiner neuen Herausforderung bei den Citizens. Für ihn übernimmt in München Carlos Ancelotti - ein Typ, weniger schillerndes Alphatier und nicht mit so großen Erwartungen überladen wie sein katalanischer Vorgänger, eher Vaterfigur vom Schlage eines Jupp Heynckes. Der 56 Jahre alte Italiener kommt mit der Empfehlung von drei Champions-League-Triumphen, zweimal mit dem AC Mailand, einmal mit Real Madrid. Das Triple erwartet dennoch, zumindest offiziell, niemand von ihm. Das ist eine gute Nachricht. Für Ancelotti, aber vor allem für die Spieler und den Verein.

Quelle: ntv.de