Fußball

BFC Dynamo spielt um Aufstieg Das Fußball-Schmuddelkind drängt in die 3. Liga

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Als Sieger der Nordost-Meisterschaft kann der BFC in der Relegation um den Aufstieg in die 3. Liga spielen.

(Foto: IMAGO/Matthias Koch)

Zehnmal in Folge Meister im Fußball: Das schafft in Deutschland der FC Bayern - und der BFC Dynamo. In der DDR gelang das auch durch Schiebung, jetzt ist der Profi-Fußball erstmals nach der Wende ganz nah. Zwei Relegationsspiele trennen den Berliner Klub noch von der 3. Liga.

Zyniker würden diesen Titel wohl die erste echte Meisterschaft des BFC Dynamo nennen. Der Sieger der Regionalliga Nordost war einst Serien-Champion der Fußball-Oberliga der DDR - was in den Augen vieler Fans vor allem durch Order von oben möglich war. Schließlich war der BFC der Lieblingsklub von Stasi-Chef Erich Mielke - und damit Hassobjekt im Rest der Republik. Mehr als 30 Jahre nach der Wende kann der BFC erstmals in den bezahlten Fußball aufsteigen. Am Samstag (14 Uhr/MagentaSport) findet das Relegationshinspiel der Berliner zur 3. Liga gegen den VfB Oldenburg, Meister der Regionalliga Nord, statt.

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Dass der BFC nicht direkt aufsteigt, schmeckt Trainer Benbennek gar nicht.

(Foto: IMAGO/Matthias Koch)

"Der BFC ist ein bisschen wie ein gallisches Dorf, weil viele aus der Vergangenheit heraus den Verein nicht mögen", sagte Trainer Christian Benbennek, ein gebürtiger Niedersachse. Dass der BFC in der Beliebtheitsskala eher im unteren Bereich angesiedelt ist, ist mit Blick auf die Vergangenheit durchaus nachvollziehbar.

Die Wende im DDR-Fußball wurde auf der Meisterfeier von Dynamo Dresden 1977 von Mielke persönlich angekündigt. Der BFC hatte da zwar schon mal den FDGB-Pokal gewonnen und stand mal im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger. Doch der größte Titel fehlte noch. "Ihr wart jetzt genug Meister, jetzt ist der BFC dran, und daran werde ich alles setzen", sagte Mielke. Dresden holte noch einmal den Titel, dann folgten von 1979 bis 1988 zehn Meisterschaften des BFC nacheinander.

Mieser Ruf auch durch viel Randale

Mit der Wiedervereinigung hatte sich der Erfolg des BFC erledigt. Mit Stasi, Volkspolizei und DDR-Zoll waren die Geldgeber des Klubs weg. Stars wie Andreas Thom (Leverkusen) oder Thomas Doll (HSV) gingen. Die politische Vergangenheit des Klubs sowie das Image des in den 1990ern bis Anfang der 2000er-Jahre oftmals durch Randale auffälligen Anhangs hat den Hohenschönhausern den Ruf des ungeliebten Schmuddelkindes im deutschen Fußball beschert.

Nun will der BFC vor allem sportliche Schlagzeilen schreiben, die 3. Liga ist vor Augen. Jörn Lenz, heute Team-Manager, erlebte mit Unterbrechungen von 1985 bis heute als Spieler, Trainer und Funktionär alle Höhen und Tiefen beim BFC mit. "Den Aufstieg in die 3. Liga würde ich ganz oben ansiedeln", sagte der 52-Jährige.

Die Nordost-Meisterschaft ist jedoch nur die halbe Aufstiegsmiete. Dass sich der BFC auf dem Weg der Relegation seinen Weg in die 3. Liga bahnen muss, schmeckt Benbennek überhaupt nicht. "Solange es einen Meister gibt, der nicht direkt aufsteigen kann, stimmt etwas am System nicht", sagte der Trainer. In einer jährlichen Rotation stellen die drei Verbände Nordost, Nord und Bayern (in diesem Jahr Bayreuth) nur einen Direktaufsteiger neben dem Westen und Südwesten. Der vierte Aufsteiger wird in Hin- und Rückspiel ermittelt.

Zudem legte der DFB den Ostberlinern mit einer Lizenzauflage in Höhe einer Bürgschaft von 900.000 Euro eine zusätzliche Hürde in den Weg. Bis zum 1. Juni muss diese hinterlegt werden. Mithilfe von Sponsoren und Fans hat der BFC bereits rund 720.000 Euro zusammenbringen können. Zumindest in diesem Punkt steht das Signal auf Aufstieg.

Quelle: ntv.de, Michael Lachmann und Tom Bachmann, dpa

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