Fußball

Gute Nachricht für Sané und Löw Das überraschende Angebot von Emre Can

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(Foto: imago images/ActionPictures)

Der Dortmunder Emre Can stand in der Liste der sicheren Kandidaten für einen Platz im EM-Kader nicht sehr weit oben. Das hat sich binnen weniger Tage geändert. Gegen Rumänien überzeugt er mit seiner Dynamik und mit unerwarteter Technik.

Einer muss es machen. Und wenn es einer machen muss, dann ist oft mal Emre Can. Nun ist er aber nicht der Gelackmeierte für besondere Aufgaben. Der Nationalspieler ist eben der Allrounder, der es (fast) überall kann. Selbst, wenn ihm von Bundestrainer Joachim Löw bislang völlig unbekannte Herausforderungen gestellt werden. Wie nun in der WM-Qualifikation zunächst gegen Island und dann am Sonntagabend gegen Rumänien.

Dass er im DFB-Team nicht im zentralen Mittelfeld spielen wird, was er sehr gerne tut, dass dürfte ihm schon lange klar gewesen sein. Denn dort ist die Qualität bei begrenztem Platz so hoch, dass es für die Bewerber um Joshua Kimmich, Toni Kroos, İlkay Gündoğan, Leon Goretzka und Florian Neuhaus schon fast klaustrophobische Zustände gibt.

Möglich wäre für Can auch ein Platz in der Innenverteidigung. Deren Ruf hat nach dem katastrophalen Jahr 2020 arg gelitten. Mit der Folge, dass jede stabilisierende Kraft gerne gesehen ist. Can fühlt diese Rolle bei Borussia Dortmund sehr vernünftig aus. Und Borussia Dortmund, das ist das ja grundsätzlich auch kein ganz schlechter Eintrag in der eigenen Vita und Bewerbungsmappe. Dann gibt es ja noch die nicht verstummen wollende Diskussion um eine DFB-Rückkehr seines BVB-Kollegen Mats Hummels. Can und Hummels als EM-Helden, wie einst Boateng und Hummels als WM-Helden?

Allerdings: Als Innenverteidiger kam Emre Can auch zu einem unliebsamen Rekord. 2019 sah er bei einem Spiel in Estland nach 15 Minuten die schnellste Rote Karte in der deutschen Länderspielgeschichte. Als er einen Bock vom eigentlich für die Rolle des Abwehrchefs vorgesehenen Niklas Süle weggrätsche. Leider mit Gegner.

Rechtsverteidiger müsste nicht sein ...

Denkbar wäre für Can auch der Rechtsverteidiger. Hat er schon gemacht. Und das sogar gut. Mag er aber nicht unbedingt, wie er in einer Medienrunde vor dem Dreierpack in der WM-Qualifikation erklärte. Um seine Chance auf Einsätze nicht zu mildern, schob er höflich nach, dass "im Endeffekt der Trainer entscheide", wo er spiele. 32 Mal hat er das seit seinem Debüt am 4. September 2015 für Deutschland bereits getan.

Und der Coach hatte tatsächlich einen Plan, mit dem der 27-Jährige nicht gerechnet hatte. Sowohl gegen Island (3:0) als auch gegen Rumänien (1:0) stand er in der Viererkette hinten links. Und dort erledigte er seinen über 180 Minuten so überzeugend (gegen freilich eher mittelstarke Gegner), dass er dem Bundestrainer wortlos das Angebot machte, diesen Job auch bei der EM im Sommer (gegen dann sehr starke Gegner) zu übernehmen. Und sowohl für Löw als auch für Leroy Sané ist das eine gute Nachricht. Denn mit Can hat der scheidende Chef einen Mann in der letzten Kette, der stark kommuniziert, organisiert und antreibt. Der auch mal die rustikale Variante wählt, um Schaden abzuwenden.

Von dieser nachschiebenden Vehemenz profitierte gegen Rumänien ganz besonders Sané. Dem misslangen zwar zahlreiche Aktionen, was er auch gestenreich untermauerte. Aber durch den Druck, den Can mit seiner Dynamik und auffallend vielen technischen Wunderdingen immer wieder aufbaute, bekam der bayrische Flügelstürmer immer wieder viel Raum für seine Tempodribblings. Garniert er diese noch mit Effektivität, kann das eine starke Waffe werden.

Für Max wird's eher nicht mit der EM

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Dass Can aber die Position behält, ist längst keine ausgemachte Sache. Auch wenn Löw die Spiele mit dem Arbeitsauftrag "Einspielen für die EM" ausstattete. Denn in Abwesenheit der beiden Links-Duellanten Marcel Halstenberg (Isolation als Corona-Kontaktperson) und Robin Gosens (verletzt) waren die Optionen des Trainers arg begrenzt. Einzig Philip Max stand als handwerklich ausgebildete Fachkraft zur Verfügung. Auch, weil er sich beim 0:6-Debakel in Spanien als Absicherung für Sané als international noch zu unerfahren erwiesen hatte: Dass Max ein Kandidat für die EM ist, ist ohnehin sehr unwahrscheinlich. Deswegen war der Plan mit Can durchaus nachvollziehbar.

Und er ging auf, wie Löw sich selbst attestierte. "Ich fand, dass er sehr gut gespielt hat, vor allem im Spiel nach vorne, weil er dann doch dynamisch aus der Abwehr immer wieder ins Mittelfeld ging, den Gegner gebunden hat. Er war sehr ballsicher, körperlich sehr stark", lobte der Chef. "Der Emre war links richtig, richtig stark." Und es sollte auch niemand überraschen, wenn Löw sich bei seiner letzten Mission im Dienste des DFB nochmal an ein erfolgreiches Umschulungsexperiment erinnert. Beim WM-Triumph 2014 transformierte er den Schalker Benedikt Höwedes in der "Ochsenabwehr" vom Innen- zum Linksverteidiger.

Quelle: ntv.de

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