Fußball

DFB sticht Türkei bei EM aus Das wird kein neues Sommermärchen

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Sommer 2006: Schön war's. Ob Goleo 2014 wieder dabei ist?

(Foto: imago sportfotodienst)

Es ist eine gute Nachricht, dass die Fußball-EM 2024 in Deutschland stattfindet und nicht in der Türkei. Auch für den DFB ist es eine Chance. Nur sollte niemand zu sehr auf ein neues Sommermärchen hoffen. Die Zeiten ändern sich.

Die deutsche Fußball-Nationalelf hat sich für die Europameisterschaft 2024 qualifiziert. Das ist nach dem Desaster bei der Weltmeisterschaft in Russland eine gute Nachricht für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw, weil der DFB das Turnier ausrichten darf und als Gastgeber automatisch dabei ist. Die Entscheidung der Uefa ist vernünftig und alternativlos.

In Zeiten, in denen große Sportereignisse immer öfter in Autokratien stattfinden, ist die Entscheidung für Deutschland in erster Linie eine gegen die Türkei und die sehr schlechte Menschenrechtslage unter der Regierung des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Eine Rolle dürfte die Wirtschafts- und Finanzkrise gespielt haben, auch wenn die Türken anders als die Deutschen der Uefa die Stadien mietfrei zur Verfügung stellen wollten und Steuerfreiheit versprachen. Kurzum: Das geht in Ordnung.

Und nun? Gibt's ein neues Sommermärchen? Eher nicht. Ungeachtet der Tatsache, dass immer noch unklar ist, wer seinerzeit wem wie viel gezahlt hat, damit Deutschland den Zuschlag für die WM 2006 bekam, war dieser Sommer für viele wunderbar. Das Land zeigte sich offen und freundlich, die Deutschen feierten mit ihren Gästen, begeisterten sich und andere, gewannen an Ansehen. Auf einmal waren die lockeren Deutschen im Ausland beliebt. Auch auf dem Fußballplatz begann unter Trainer Jürgen Klinsmann eine neue Ära, die Löw dann fortführte. Plötzlich spielte die DFB-Elf schnell, offensiv und attraktiv, undeutsch eben.

Ein Ereignis, das ist es ja in der Tat

Gemessen am märchenhaften Fußball-Sommer 2006 liegt die Latte für das Turnier 2024 also enorm hoch. Genau das ist das Problem. Wiederholen lässt sich das so einfach nicht. Die Zeiten haben sich geändert, nicht nur auf dem Rasen. Das fängt mit dem DFB an, der mit seinem dilettantischen Umgang mit der Affäre um Mesut Özil viel Ansehen verloren hat. Die Zuneigung der Fans zu ihrer Nationalmannschaft ist spätestens seit der WM in Russland längst nicht mehr so groß, wie sie einmal war. In den Stadien protestieren Anhänger aller Klubs gegen die zunehmende Kommerzialisierung.

Auch die Stimmung im Land hat sich gewandelt. Mit der AfD sitzt eine rechte Partei im Bundestag, die mit ihrer Hetze gegen Ausländer und Flüchtlinge dazu beiträgt, das politische und gesellschaftliche Klima zu vergiften. Die Diskussionen werden lauter, härter, unversöhnlicher. In einer Umfrage im Auftrag des "Tagesspiegel" beklagen mehr als 80 Prozent der Deutschen, die "Toleranz für unterschiedliche Meinungen" habe "eher" oder "eindeutig abgenommen".

Immerhin beklagen sie es. Das ist die positive Seite der Medaille und bietet eine Chance für mehr Weltoffenheit. Die EM 2024 ist eine gute Gelegenheit, sie zu zeigen. Sehr viele Menschen freuen sich darauf, dass dieses Fußballereignis in Deutschland stattfindet. Ein Ereignis, das ist es ja in der Tat. Jetzt müsste der DFB nur noch eine konkurrenzfähige Mannschaft haben. Zum Glück findet das Turnier erst in sechs Jahren statt.

Quelle: ntv.de