Fußball

Der perfekte Job für Hansi Flick Der DFB bietet, was der FC Bayern untersagt

1 (13).jpg

Demnächst gemeinsam beim DFB?

(Foto: imago images/PanoramiC)

Hansi Flick lässt keine Einblicke in seine künftigen Pläne zu. Das ist auch seriös, denn noch hat der FC Bayern seinem Wunsch nicht entsprochen und ihm die Freigabe erteilt. Dass sein Weg aber zur Nationalmannschaft führen wird, ist absolut wahrscheinlich.

Sich in diesen Tagen auf Sätze zu verlassen, die Trainer sagen, das ist keine gute Idee. Siehe Adi Hütter, der Eintracht Frankfurt sein "Ich-bleibe"-Bekenntnis alsbald wieder aufgekündigt hatte und zur neuen Saison zum Ligarivalen Borussia Mönchengladbach wechselt. Wenn nun also Hansi Flick sagt, dass er seine Zukunft noch nicht entschieden habe, dann kann das sein. Es muss aber nicht sein. Wenn er sagt, dass er mit dem Deutschen Fußball-Bund noch nicht über das Amt des Bundestrainers gesprochen hat, dann kann das sein. Muss aber nicht.

Klar ist aber mal: Hansi Flick tut gut daran, jeden konkreten Satz in Richtung einer neuen Herausforderung zu vermeiden. Denn obwohl der 56-Jährige bei den Bossen des FC Bayern den dringenden Wunsch hinterlegt hat, den Klub im Sommer zu verlassen, ist er immer noch Angestellter des Rekordmeisters. Und das laut gültigem Arbeitspapier noch bis zum 30. Juni 2023. Ein Blitz-Servus in gut zwölf Wochen ist also nicht ganz so einfach.

Auch wenn er im Machtkampf mit Sportvorstand Hasan Salihamidžić alles dafür getan hat, den Boden für eine gemeinsame Zusammenarbeit zu verminen. Und weil Salihamidžić intern zwar offenbar laut mehren Medien auch nicht mehr gänzlich unumstritten sein soll, hat er den Rückhalt der meisten Mächtigen in München. Unter anderem von Uli Hoeneß, vom künftigen Klubchef Oliver Kahn und auch von Präsident Herbert Hainer. Nur Karl-Heinz Rummenigge sprach sich für den Coach aus. Alles läuft also daraufhin hinaus, dass Flick gehen wird.

Experten erwarten schnelle Einigung mit dem DFB

Wie schwer sich der Klub mit dem seit Wochen sanft eskalierenden Flick tut, zeigt, dass eine Reaktion auf sein öffentliches Freigabe-Bekenntnis vom Samstagabend bis Sonntagmittag ausgeblieben war. Weder Ruhe in der Zusammenarbeit bekommt der FC Bayern mit seinem Trainer hin, noch ein seriöses Abmoderieren der Trennung. Nun, es ist nach einem langen Anlauf halt das bittere, aber konsequente Ende eines jämmerlichen Schauspiels um Einfluss. Wie es nun in München weitergeht, wer der Nächste wird, der sich nach dem ausgelaugten Niko Kovac und dem zermürbten Flick in diesem klar abgesteckten Machtgefüge beweisen wird? Völlig unklar (unseren Kandidatencheck gibt's hier!).

Wie es für Flick weitergeht, das scheint dagegen völlig sicher. Lothar Matthäus, Rudi Völler und viele andere erwarten eine schnelle Einigung mit dem DFB. Auch wenn die Lage aktuell so ist: Der Verband hat versprochen, nicht mit Kandidaten zu sprechen, die unter Vertrag stehen. So lange die Bayern dem Auflösungswunsch ihres Erfolgscoach nicht entsprechen, bleibt es eigentlich beim Kontakt-Tabu. Unwahrscheinlich bleibt allerdings, dass bei dem sehr guten Verhältnis zwischen DFB-Direktor Oliver Bierhoff und Flick die Bundestrainer-Sache in einer privaten Unterhaltung nicht schon mal intensiv Thema war.

Denn es spricht ja alles dafür, dass der Job des Bundestrainers der perfekte für den 56-Jährigen ist. Ausreichend Erkenntnisse, dass sich das Amt mit seinen Ambitionen deckt, hat er bereits gesammelt. Bis 2014 war er als Co-Trainer von Joachim Löw unterwegs, ehe er sich nach dem WM-Triumph in Brasilien zurückzog, um einen Job mit mehr Verantwortung zu übernehmen. Den er dann als Sportdirektor beim Verband auch fand. Aus persönlichen Gründen hörte er nach drei Jahren auf, vertraglich vereinbart waren fünf. Differenzen, so betonte Flick damals, habe es nicht gegeben. Es sei lediglich um mehr Zeit für die Familie gegangen.

Beim DFB würde Flick als Nationaltrainer all das bekommen, was ihm beim FC Bayern untersagt bleibt. Die alleinige Hoheit über alle sportlichen Angelegenheiten der Mannschaft. Bei der Kaderzusammenstellung mischt niemand mit. Auch nicht der mächtige Bierhoff, den Flick eben lange genug kennt, um zu wissen, ob es womöglich ebenfalls unüberbrückbare Differenzen geben könnte.

Flick ist bei der Auswahl seiner Spieler nicht an finanzielle Zwänge gebunden, sondern nur an die Spielberechtigung und muss auch nicht hinnehmen, dass Verträge mit Leistungsträgern gegen seinen ausdrücklichen Willen auslaufen. So wie halt zuletzt bei Jérôme Boateng. Der dürfte unter einem Bundes-Hansi auch wieder wichtig werden. Wenn er denn bei seinem Verein (noch offen) weiter Stammspieler bleibt. Das gilt freilich auch für Thomas Müller, sollte der nicht doch noch schon von Löw wieder "begnadigt" werden. Als Führungsspieler dürften die beiden das DFB-Team ganz sicher noch zur WM 2022 nach Katar führen.

Für Flick wäre der Gang vom Rekordmeister zur wohl immer noch wichtigsten Mannschaft des Landes (laut Umfragen natürlich nicht) auch sportlich der einzig sinnvolle Schritt. Denn nachdem er in einem beeindruckenden Cheftrainer-Sprint in München alle wichtigen Titel auf Vereinsebene abgeräumt hat, kann es ja nur noch ein, besser gesagt, zwei Ziele geben: erst interkontinentaler Champion werden (2022) und dann bei der Heim-EM auch noch die kontinentale Krone mit in die Trainer-Rente nehmen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.