Fußball

Ein Feindbild sieht anders aus Der FC Bayern ist wirklich so toll

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Der FC Bayern ist zum 24. Mal deutscher Fußball-Meister - so früh wie noch nie in der Geschichte der Bundesliga.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Grund ist es nur eine Vollzugsmeldung: Der FC Bayern München ist nach dem Sieg in Berlin zum 24. Mal Deutscher Fußballmeister. Aber hinter dem Erfolg steht weit mehr. Und die Bayern-Hasser haben mittlerweile ein Problem.

Was ist eigentlich so toll an diesem FC Bayern? Also außer, dass die Münchner guten und attraktiven Fußball spielen. Den besten und schönsten im Land. Aber sonst? Gut, sie sind erfolgreich, das ist wahr, Deutscher Meister nach nur 27 Spieltagen, früher als je zuvor eine Mannschaft in der Bundesliga. Aber sonst? Ja, sie vertreten auch in Europa die Liga ganz gut, endlich mal wieder eine Mannschaft, die auch international Maßstäbe setzt. Das hat Klasse, zugegeben. Davon profitiert auch die deutsche Nationalelf. Das war's aber auch, oder?

Ok, die Spieler sind ganz sympathisch, nette junge Männer sind das, Philipp Lahm, Manuel Neuer, Thomas Müller, Toni Kroos, Jeróme Boateng und David Alaba wirken, als würden sie auch bei der Schwiegermutter eine gute Figur abgeben. Nur bei Mario Mandzukic sind wir da nicht so sicher. Die Zeiten der Alphamännchen wie Oliver Kahn, Stefan Effenberg und Lothar Matthäus aber sind vorbei. Noch was? Der Trainer, Josep Guardioa, ist auch kein Schlechter. Was hätte er alles falsch machen können, nachdem die Mannschaft mit Jupp Heynckes in der Saison zuvor drei Titel gewonnen hatte. Aber was macht der Spanier? Rotiert wie nichts Gutes, lässt Käpt'n Lahm im Mittelfeld spielen - und erfindet den FC Bayern einfach neu.

Also gut. Mal abgesehen vom guten, schönen, national wie international erfolgreichen Fußball, abgesehen davon, dass Bundestrainer Joachim Löw im Juni mit sechs selbstbewussten Akteuren aus München zur Weltmeisterschaft nach Brasilien fahren kann, abgesehen davon, dass es immer schwerer fällt, diesen Verein so richtig zu hassen und abgesehen davon, dass sie einen der besten Trainer der Welt haben - was ist eigentlich so toll am FC Bayern? Ziemlich viel, ehrlich gesagt.

Kluge Reaktion auf den Verlust der Macht

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Josep Guardiola hat seinen Teil dazu beigetragen, die Bayern sympathischer zu machen.

(Foto: dpa)

Dass die Münchner jetzt ganz oben stehen, dass sie dabei  sind, eine Ära zu prägen, ist das Ergebnis einer wohl überlegten Entwicklung, das Ergebnis einer klugen Reaktion auf den Verlust der Macht. Fünf Jahre ist es her, da verlor der FC Bayern sein Viertelfinale in der Champions League beim FC Barcelona sang- und klanglos mit 0:4. Es war eine Demütigung, kurz darauf musste Trainer Jürgen Klinsmann gehen. Jupp Heynckes sprang ein und rettete bis zum Ende der Saison 2008/2009 immerhin noch Platz zwei in der Liga. Im Jahr darauf wurden die Bayern unter Louis van Gaal Meister und gewannen den DFB-Pokal - und verloren das Finale der europäischen Königsklasse gegen Inter Mailand. Die Spielzeiten 2010/2011 und 2011/2012 waren entscheidend dafür, dass sie beim FC Bayern anfingen darüber nachzudenken, ob sie nicht grundsätzlich etwas ändern müssen. Zweimal triumphierte Borussia Dortmund in der Liga. Im Mai 2012 standen die Bayern dreimal als Zweiter da: Sie hatten nämlich auch das Finale der Champions League im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea und das deutsche Pokalendspiel mit 2:5 gegen den BVB verloren.

Ein Trauma, dem die Bayern das folgen ließen, was Präsident Uli Hoeneß bereits vor den beiden verlorenen Endspielen angekündigt hatte: "Wir werden unsere Mannschaft so lange verstärken, bis wir wieder alleine sind. Wir haben das Geld dazu." Das hatten sie. Und sie gaben es klug aus. Sie bauten sich eine Mannschaft, die dominiert und nun unbestritten zu den besten in der Welt des Vereinsfußballs gehört. Aber sie haben es anders gemacht als zum Beispiel bei Paris St. Germain und Manchester City, wo Scheichs auf nahezu vulgäre Art undenkbar viel Geld in die Vereine pumpen - mit bisher mäßigem sportlichen Erfolg.

Beim FC Bayern haben sie mit viel Sinn, Verstand und Weitsicht investiert. Natürlich haben sie sich bei der Konkurrenz bedient, Mario Götze kam im Sommer aus Dortmund, Robert Lewandowski folgt nach dieser Saison. Das wirkt wenig sympathisch, aber so funktioniert das Geschäft. Der BVB hat der Borussia aus Mönchengladbach auch für viel Geld Marco Reus weggekauft, die wiederum lockte Max Kruse aus Freiburg weg. Die Bayern haben sich halt das Privileg erarbeitet, am längsten Hebel zu sitzen. Dass ihre Einkäufe nicht in erster Linie dazu dienten, den Gegner zu schwächen, sondern dazu, die eigene Mannschaft zu stärken, sieht jeder, der sich für Fußball interessiert.

Der alte und neue Deutsche Meister gibt sich nicht mit einem 2:0 zufrieden, er will stets mehr, lässt den Ball laufen, rochiert, gewinnt seine Spiele in der Bundesliga mit 7:0, 6:1, 4:0. Es ist eine Augenweide. Man muss den Verein nicht mögen. Aber wie sagte Campino, der Sänger der Toten Hosen? "Man kann mit Bayern München nur ordentlich als Feind umgehen, wenn man unsachlich bleibt. Sobald man sich an Fakten hält, wird es schwierig."

Quelle: ntv.de

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