Ganz bittere Nachrichten drohenUnerschütterlicher FC Schalke 04 verbietet sich die Opferrolle

Der FC Schalke 04 setzt sich trotz Ausfällen wichtiger Spieler gegen einen zu harmlosen Karlsruher SC durch und verteidigt die Tabellenführung. Der Kapitän trifft, muss aber kurz darauf vom Feld. Trainer Miron Muslic wird deutlich.
Kenan Karaman wird das nächste Spiel des FC Schalke 04 verpassen. Der Kapitän hatte am Sonntagmittag die fünfte Gelbe Karte gesehen. Einmal muss er pausieren. Wenn es dabei bleibt, wäre es eine gute Nachricht für die Gelsenkirchener. Eine ausgemachte Sache ist das aber nicht. Denn Karaman konnte das Spiel gegen den Karlsruher SC (1:0) nicht zu Ende spielen. In der 77. Minute musste der Chef ausgewechselt werden. Er hatte "etwas gespürt", sagte er. Im Knie. Das Signal zum Wechseln sendete er aus Vorsicht. "Ich denke, es ist nicht so schlimm", teilte er später mit. Wissen tat er es aber nicht.
Vorsicht ist eine gute Sache auf Schalke in diesen Tagen, auch wenn sie von der großen Euphorie der Ergebnisse leicht vergessen wird. Der Kader der Königsblauen hat gerade erst zwei empfindliche Schläge kassiert. Superstürmer Edin Dzeko fällt aus, ebenfalls noch mindestens eine weitere Woche. Zudem kann Abwehrmonster Nikola Katic nicht mehr mitmachen, womöglich gar nicht mehr in dieser Saison. Er hat ebenfalls was am Knie. Die Verletzung erlitt er in den emotionalen WM-Playoffs gegen Italien. Im Kampf um die so ersehnte Rückkehr in die Fußball-Bundesliga sind das Botschaften, die direkt vom Abgrund telegraphiert worden.
"Das ist natürlich schade, dass wir nicht dabei sind", sagte Dzeko, der sich ebenfalls im Nationaltrikot verletzt hatte, an der Schulter. Eine eigene Rückkehr vor dem Ende der Spielzeit schloss er nicht aus: "Wir warten zwei Wochen, dann sehen wir."
"Ihr habt mich nicht einmal jammern gehört"
Was nun? Radikale Akzeptanz ist das Stichwort. Zumindest für Trainer Miron Muslic: "Ich weiß, Edin und Nikola sind Säulen. Nicht nur der bosnischen Nationalmannschaft, sondern auch des FC Schalke 04. Aber die letzten zehn Monate habt ihr mich nicht einmal jammern gehört, ich habe mich nicht einmal beschwert, sondern die Gegebenheiten so angenommen, wie sie sind, und das Beste draus gemacht", betonte der unerschütterliche Österreicher. "Wir sind Schalke 04: Vom Jammern und in eine Opferrolle verfallen, reißt du nichts. Wir haben die Mentalität eines Gewinners." Und so standen sie nach dem Abpfiff vor der Nordkurve und besangen den "Mythos vom Schalker Markt", von der Geschichte, die dort begann. Die ihr nächstes Kapitel in der 1. Liga schreiben soll.
Mit der Mentalität eines Gewinners war zuvor in der ausverkauften Arena der Karlsruher SC hergespielt worden. Schalke rannte mit Freude und Galligkeit an. Diese Mannschaft lässt den Gegner nicht eine Sekunde in Ruhe. Doch sie scheiterten vorerst immer wieder an Unkonzentriertheiten oder an Gäste-Torhüter Hans Christian Bernat. Vom KSC kam offensiv kaum Gefahr.
In der 19. Minute lag der Ball dann erstmals im Tor der Gäste, Karaman hatte aber zuvor im Abseits gestanden. Der Jubel verebbte schnell, die Leidenschaft des Teams nicht, auch wenn die Abwehr ohne Katic nicht immer stabil stand. Karlsruhes Dzenis Burnic traf kurz vor der Pause das Außennetz (38.). Es ging weiter, immer weiter, aber im Strafraum wurden Dzekos außergewöhnlichen Fähigkeiten als Abschlussmonster sehr vermisst. Dann erlöste Karaman die Schalker mit einem sehenswerten Kopfballtreffer. Dzeko hätte das nicht schöner machen können.
Lobeshymne für Karaman
Muslic imponierte die Beharrlichkeit, mit der seine Mannschaft das Spiel bestritt. "Dass wir die Qualität haben, eins zu machen: klar. Dass du ein bisschen Geduld brauchst: auch klar. Aber wir haben beides gehabt: die Qualität und die Geduld." Und folglich auch "hochverdient" mit 1:0 gewonnen. "Das Tor", befand der Trainer, sei dann auch kein Zufall gewesen. Weil Schalke eben Schalke ist. Und Karaman eben Karaman. "Er hat ein überragendes Timing, er spürt genau seine Position und auch, wo das Tor steht. Das ist Qualität. Er ist in großen Momenten da. Das war er von Tags eins die letzten zehn Monate. Er ist ein Parade-Kapitän. Dass er das entscheidende Tor macht, ist kein Zufall, sondern Konsequenz."
In Elversberg nächste Woche fehlt er nun, wie Dzeko, wie Katic. Und wie Mertcan Ayhan. Der für Katic in die Abwehrzentrale gerückte Abwehrmann handelte sich ebenfalls die fünfte Gelbe Karte ein. Und nun? Radikale Akzeptanz. Jammern und Opferrolle sind auf Schalke verboten.