Fußball

Sponsoren werden nervös Der Patron des FC Bayern hat sich verzockt

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Wie stets neben Karl-Heinz Rummenigge: Uli Hoeneß beim Spiel des FC Bayern gegen den FC Arsenal.

(Foto: dpa)

Nur im Fußballstadion fühlt Uli Hoeneß sich wohl. Doch der Schein der heilen Welt trügt. Sein Steuerbetrug in Millionenhöhe ist längst auch ein Problem für den FC Bayern. Die Funktionäre sind entsetzt, die Großsponsoren in der Zwickmühle.

Er ist noch einmal zurückgekehrt in seine Welt, von der Anklagebank in die Welt des Fußballs. Dorthin, wo er sich auskennt, wo noch alles in Ordnung scheint. Der FC Bayern spielte unentschieden gegen den FC Arsenal und hat, wie sich das als Titelverteidiger gehört, das Viertelfinale der Champions League erreicht. Uli Hoeneß saß in seiner dunkelblauen Jacke mit den drei Streifen auf der Tribüne, als Präsident seines Klubs, wie stets neben Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandschef. Er jubelte, den rot-weißen Schal um den Hals, als einer von 68.000 Zuschauern im ausverkauften Münchner Stadion, als Bastian Schweinsteiger nach 55 Minuten die Führung erzielte. Er ärgerte sich, als Lukas Podolski kurz darauf der Ausgleich gelang. Er ist eben auch Fan seines Klubs.

Alles schien wie immer. Aber der Schein trügt. Die Lage spitzt sich zu. Das Problem des Uli Hoeneß ist längst auch ein Problem des FC Bayern und seiner Sponsoren. Da können sie auf der Tribüne Theater spielen wie sie wollen. Heute saß Uli Hoeneß, 62 Jahre alt, wieder im Gericht, weil er Steuern hinterzogen hat. Das ist eine Welt, in der er sich unwohl fühlt - wer würde das nicht, sich dort unwohl fühlen? Die roten Handschuhe und den Bayernschal hatte er zu Hause gelassen, er trug einen schwarzen Anzug mit roter Krawatte. Es sieht nicht gut aus für ihn. Die Chancen sinken, ohne eine Gefängnisstrafe davonzukommen. In der Anklageschrift hieß es, es gehe um 3,5 Millionen Euro, um die er den Staat und somit die Allgemeinheit betrogen hat. Dann gab er zu, dass es 18,5 Millionen waren. Mittlerweile schätzen die Behörden seine Steuerschuld auf mehr als 27 Millionen Euro. Eine Summe, die die Verteidigung mittlerweile anerkannt hat.

Das klingt nach Salami-Taktik, der reine Tisch, den Uli Hoeneß zu Beginn des Prozesses vor dem Münchner Landgericht präsentieren wollte, ist mittlerweile ziemlich schmutzig. Das ist allerspätestens jetzt ein Problem für den FC Bayern, den er geprägt hat wie kein Zweiter. Erst als Spieler, dann ab 1979 als Manager, mittlerweile als Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrates. Er hat den Verein zu dem gemacht, was er heute ist. Das klingt abgedroschen, aber es stimmt. Auch andere Klubs in der Bundesrepublik hatten, als Uli Hoeneß mit 27 Jahren als jüngster Manager der Bundesliga begann, ähnliche Voraussetzungen, ein großes Stadion, viele Fans. Aber in Hamburg oder Gelsenkirchen zum Beispiel haben sie ihre Chance nicht annähernd so konsequent genutzt wie Uli Hoeneß, der seinen Verein professionalisierte, Spieler und Trainer verpflichtete, wieder wegschickte und dabei oft richtig entschied.

"Der FC Bayern ist der FC Hoeneß"

Mittlerweile macht dem FC Bayern sportlich auf dieser Welt niemand mehr etwas vor, auch wirtschaftlich stehen die Münchner bestens da. Und noch immer hängt alles an Uli Hoeneß. Er ist, wie "Zeit online" schrieb, "der Pate des FC Bayern", der die Geschicke lenkt, wie er es für richtig hält. Der FC Bayern ist seine Welt. Dort kann er so agieren, weil sie davon profitieren. Vielleicht erklärt sich auch so sein Auftritt vor Gericht, in der anderen Welt, als das Alphatier am Montag behauptete, die Recherchen des "Stern" hätten ihn nicht zur Selbstanzeige getrieben. Vielleicht war das gar keine Inszenierung, als Hanns Feigen, sein Anwalt, ihn zurückpfiff. "Erzählen Sie doch keinen vom Pferd!" Das Landgericht ist nicht der FC Bayern, der ihm viel verdankt. "Triple-Sieger, deutscher Rekordmeister, reichster Verein der Welt - er ist sein Werk. Der FC Bayern ist der FC Hoeneß", schrieb die "Zeit".

Und dort werden sie langsam und erstaunlich spät nervös. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert einen Vereinsfunktionär, ohne ihn beim Namen zu nennen, wie er entsetzt auf die Enthüllungen und die immer absurderen Summen, auf die kriminelle Energie des Präsidenten reagierte: "Um Gottes Willen." Die Stimmung im Klub kippt, gespalten ist sie längst. Das Publikum blieb am Dienstagabend weitgehend ruhig, auch die Spieler halten sich mittlerweile mit Solidaritätsbekundungen zurück. Uli Hoeneß? "Das ist auch ein Thema innerhalb der Mannschaft", beschied Kapitän Philipp Lahm nach der Partie gegen Arsenal knapp. Doch was wird nun aus dem Patron? Wie soll einer die FC Bayern AG repräsentieren, der so viel Steuern hinterzogen hat? Vermittelbar ist das nicht mehr. Und die Münchner können sich nicht mehr lange darauf zurückziehen, dass sie es versäumt haben, einen Nachfolger aufzubauen. Dass Uli Hoeneß es versäumt hat, einen Nachfolger aufzubauen.

Das wissen auch die Großsponsoren wie Adidas, Audi und die Allianz, die über ein knappes Drittel der Aktien verfügen. Noch halten sie sich, wie im November verabredet, zurück. Der Aufsichtsrat hatte seinerzeit erklärt, Uli Hoeneß solle sein Amt als Chef des Gremiums weiter ausüben, bis ein Urteil gefällt sei. Aber wie lange können sich die Konzerne diese Toleranz gegenüber einem Steuerbetrüger noch leisten, der nicht zuletzt gegen die eigenen Richtlinien verstößt? Die Telekom zum Beispiel, mit Vorstandschef Timotheus Höttges ebenfalls im Aufsichtsrat vertreten, verlangt von ihren Beschäftigten, Integrität und Wertschätzung zu leben. In den anderen Firmen klingt das ähnlich. Da wirkt es schon arg erratisch, wenn Audi-Chef Rupert Stadler von einem "komplexen Sachverhalt" spricht, der einer "letztinstanzlichen Entscheidung" bedürfe.

Hinter den Kulissen reden sie anders. "Die neuen Zahlen sorgen für Unruhe in den Konzernen", schreibt die "SZ". "Das sei nun 'sehr schwierig', sagt ein Manager. Eine anderer redet von 'Stilfragen', die es zu beachten gelte. Was wohl heißt: Hoeneß soll zurücktreten." Der Patron hat sich verzockt, dass scheint immer mehr zum Konsens zu werden. Und für Uli Hoeneß ist selbst beim FC Bayern die Welt nicht mehr in Ordnung. Spätestens nach dem Urteil wird auch der Patron erkennen: Nichts ist mehr so, wie es einmal war.

Quelle: ntv.de

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