Fußball

Geflüchteter bei Hannover 96 Der "unglaubliche" Fußball-Weg Doumbouyas

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Doumbouya bekommt viel Lob in Hannover.

(Foto: dpa)

Vor vier Jahren flieht Moussa Doumbouya von Guinea nach Deutschland. Dank Mut, Glück und eines großen Unterstützers spielt er inzwischen beim Fußball-Zweitligisten Hannover 96. So gut, dass er sogar einen Profivertrag erhalten könnte. Doch damit steht der 23-Jährige vor einer schwierigen Entscheidung.

Im Schnelldurchlauf erzählt, verlief die Geschichte von Moussa Doumbouya bislang so: Der Stürmer von Hannover 96 floh erst durch die Wüste und dann über das Mittelmeer aus seiner Heimat Guinea. Er landete in einer Unterkunft für Geflüchtete in Celle, wurde dort von einem ehemaligen Fußballprofi entdeckt und mit zum Training eines Kreisklassen- und eines Bezirksliga-Klubs genommen. Um nicht wieder nach Westafrika abgeschoben zu werden, begann er eine Ausbildung zum Dachdecker, ehe auch Hannover 96 auf ihn aufmerksam wurde. Ende Februar köpfte der 23-Jährige beim 2:2 gegen die SpVgg Greuther Fürth sein erstes Tor in der 2. Bundesliga.

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Das erste Tor - etwas ganz Besonderes.

(Foto: imago images/Joachim Sielski)

Zu den vielen bemerkenswerten Aspekten dieser Geschichte gehört, dass zwischen Doumbouyas Flucht aus Guinea und seinem ersten Zweitliga-Einsatz für Hannover 96 nicht einmal vier Jahre lagen. "Für mich ist es unglaublich, fast ein bisschen zu viel. Das war kein leichter Weg für mich", sagte er nach dem Tor gegen Fürth. "Ich kann nur Gott und meiner Familie danken, dass ich das hier erleben darf."

Einer, der ihn dabei sehr unterstützt hat, heißt Kais Manai und war selbst einmal Profi. Der Tunesier spielte für Eintracht Braunschweig, den 1. FC Magdeburg und lebt in Celle. In einer Unterkunft für Geflüchtete half er als Übersetzer aus, als Doumbouya 2017 dort ankam. "Die Jungs dürfen dort den ganzen Tag nichts machen", erzählte Manai. "Da habe ich mit dem Hausmeister gesprochen, Bälle organisiert und ein Tor aufgebaut." Beim Kicken auf dem Gelände der Unterkunft sah er Doumbouyas Talent und wurde für ihn der Helfer und Ratgeber, den er selbst nie hatte, als er 1994 als Fußballer nach Deutschland kam.

34 Tore in der Landesliga

Manai nahm Doumbouya zunächst dort mit hin, wo er selbst mit über 40 Jahren noch kickte. Er riet dem Stürmer zum Wechsel, als der größte Verein der Stadt ihn lockte. Und er stellte den Kontakt zu Hannover 96 her, als Doumbouya für den MTV Eintracht Celle 34 Tore in der Landesliga Niedersachsen schoss. Der Zweitligist holte ihn zunächst für die zweite Mannschaft und beförderte ihn im November zu den Profis.

Manai spielt in der Traditionself der 96er, daher die Verbindung. Aber der Tunesier wusste auch von Anfang an, dass sich Doumbouyas Zukunft nicht allein auf dem Fußballplatz entscheidet. Er besorgte ihm einen Anwalt für sein Asylverfahren und half ihm bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, damit der junge Guineer in Deutschland bleiben durfte. Doumbouya begann als Dachdecker und wird jetzt zum Logistiker ausgebildet. Morgens körperlich schwer zu arbeiten und am Nachmittag mit Profis zu trainieren, ist auf Dauer zu anstrengend.

"Hungrig auf Erfolg"

Hannovers Hendrik Weydandt (r) bejubelt sein Tor. Foto: Peter Steffen/dpa

Weydandt besuchte ebenfalls keine Nachwuchsakademie.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Auch Dieter Schatzschneider ist Doumbouya früh aufgefallen. Der 63-Jährige ist der Rekordtorschütze von Hannover 96 und arbeitet als Talentscout für den Klub. An Doumbouyas Geschichte gefällt ihm etwas, das auch der 96-Stürmer Hendrik Weydandt bei seinem Weg von der Kreis- bis in die Bundesliga vorgelebt hat: Dass es immer noch Karrieren gibt, die nicht in der Nachwuchsakademie eines Profiklubs begannen.

"Er ist hungrig auf Erfolg, auf Geld, auf Anerkennung. Moussa ist einer, der will!", sagte Schatzschneider. In den Leistungszentren der großen Klubs seien "alle Spieler top ausgebildet. Aber sie vergessen dort die Hälfte: Der Ehrgeiz, der unbedingte Siegeswille - das wird dort nicht trainiert. Mir fehlt da die Praxisnähe. Von daher finde ich die Entwicklung von Moussa oder Hendrik einfach super!"

Wie es mit Doumbouya weitergeht, stellt seinen Klub Hannover 96 nun vor eine schwierige Entscheidung. Eine Option ist, ihn weiter mit einem Amateurvertrag spielen und ihn die Berufsausbildung beenden zu lassen. Die andere Möglichkeit ist, dem Stürmer einen Profivertrag zu geben. Das Risiko dabei: Dass er nach zwei oder drei Jahren nichts mehr in der Hand hat, falls er sich auf Dauer nicht durchsetzt. Manai glaubt aber eher: "Wenn er so weitermacht und einen Trainer hat, der ihm vertraut: Dann kann er es auch noch in die Bundesliga schaffen."

Quelle: ntv.de, Sebastian Stiekel, dpa

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