Mit Folgen für die WM?Die DFB-Debatte um Manuel Neuer produziert zwei prominente Verlierer

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird die Debatte um Manuel Neuer nicht los. Obwohl eigentlich alles geklärt ist, verstummt das Thema einfach nicht. Der Bundestrainer könnte das mit einem Satz ändern.
Die Fußballnation ist gespalten. Manuel Neuer muss zur WM, sagen die einen. Manuel Neuer soll bitte bleiben, wo er ist, im DFB-Ruhestand. Das sagen die anderen. Der Torwart selbst findet, dass alles zu diesem Thema gesagt ist. Bedeutet: Sein Rücktritt bleibt unangetastet. Aber so ganz möchten es ihm nicht alle glauben. Die, die ihn unbedingt bei der WM sehen wollen, entdecken in den Zwischentönen eine Hintertür. Und hält Julian Nagelsmann ihm diese sogar offen? Man habe Kontakt, sagt der Bundestrainer, und findet entsprechende Fragen amüsant. Nicht wegen der WM, sondern einfach so. Weil das Verhältnis gut ist.
Wie man es dreht und wendet, die Debatte wird so nicht verschwinden. Und sie wird sich immer weiter polarisieren. Wenn Neuer wieder einmal ein herausragendes Spiel macht, wie in Madrid. Wenn Neuer sich einen dicken Klopper leistet, wie gegen Madrid in München. Der Leidtragende in der ganzen Diskussion ist Oliver Baumann, die derzeitige Nummer eins, mit der Deutschland eigentlich auch in die Weltmeisterschaft starten soll. Weil Neuer im Ruhestand ist. Weil Marc-André ter Stegen verletzt ist. Und weil Oliver Baumann ein richtig guter Torwart ist. Man könnte es einfach mal dabei belassen. Denn mit jedem Tag, in dem Neuer ein Thema bleibt, wird dem Hoffenheimer mehr Vertrauen entzogen. Vielleicht auch Selbstvertrauen. Wobei Baumann da robust scheint.
"Den Oli Baumann, den killen wir gerade. Den killen wir in den Medien, wie wir hier stehen", sagte Sami Khedira unter der Woche als Experte bei DAZN. "Und ich glaube, das hilft weder Julian, noch Deutschland, noch dem Jungen selber." Aber diese Diskussion mag nicht verstummen. Weil sie so viel Aufregerpotenzial hat. Der Stammtisch lebt. Die Aufregung ist der Nährstoff des Fußballs. Was wäre der Sport, wenn nicht leidenschaftlich gestritten würde. Wenn alle einer Meinung wären. Da wären viele Experten überflüssig, viele Talkrunden Geschichte. Also wird es weitergehen. Sehr zum möglichen Leid eines zweiten Mannes: Julian Nagelsmann.
Hoffentlich patzt niemand!
Anders als Baumann könnte er die Dinge einfangen. In dem er unmissverständlich sagt: Manuel Neuer fährt nicht mit zur WM, komme, was wolle. Aber dieser Satz fehlt. Auf die wiederholte Frage nach einer möglichen Rückkehr antwortete Nagelsmann im Zuge der Talk-Reihe "Bestbesetzung" bei "MagentaTV": "Manu ist zurückgetreten, aus freien Stücken. Das hat er jetzt mehrfach wiederholt. Es ist deswegen glaube ich gar nicht so sinnvoll, darüber stetig zu diskutieren." Klingt so Endgültigkeit? Wie sehr polarisierende Diskussionen dem DFB-Team schaden, hat die Nationalmannschaft bei den vergangenen beiden WM's gelernt.
Und so wird der Bundestrainer immer weiter, immer tiefer ins Dilemma getrieben. Was passiert, wenn Baumann einen dicken Fehler macht? Einen, der das deutsche Turnier beendet? Nagelsmann würde auf ewig die Neuer-Nummer umgehängt. Was aber passiert, wenn Nagelsmann Neuer mitnimmt? Wenn der fatal patzt? Das andere Lager, das der Ruhestand-Befürworter, würde bellen wie ein Dackelchor. Und Nagelsmann hätte das Label des Umfallers. Desjenigen, der sich der öffentlichen Diskussion gebeugt hatte. Denn eigentlich waren die Dinger ja klar verabredet: Neuer ist in DFB-Rente.
Nagelsmann kann jetzt schon nichts mehr richtig machen, hoffentlich patzt bei der WM sein Torwart nicht. Welcher auch immer.