Fußball

Obacht, FC Bayern! Die Samba-Truppe aus Donezk ist gefährlich

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Besser als Messi, irgendwie: Luiz Adriano, vorne rechts.

(Foto: imago/Fotoarena)

Achtelfinale gegen Donezk - was für den FC Bayern wie ein Freilos klingt, könnte ein Problem werden. Schachtjor hat einen mit Top-Spielern gespickten Kader, eine breite Brust - und nebenbei den besten Torjäger der Königsklasse.

Es waren kecke Worte, die im Dezember nach der Auslosung des Champions-League-Achtelfinals aus der Ukraine zu hören waren. "Natürlich ist Bayern die Creme de la Creme des europäischen Fußballs, und für uns wird ein Spiel gegen sie zu einer ernsten Prüfung. Doch wir sind Schachtjor", sagte Verteidiger Jaroslaw Rakizki. Kapitän Dario Srna kündigte an: "Tja, und nun? Sollen wir jetzt die Bayern fürchten? Wir achten diesen Klub, seine Spieler, doch genauso wie sie sind wir würdig, ins Viertelfinale einzuziehen."

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Der alte Fuchs: Mircea Lucescu.

(Foto: dpa)

Nun gilt es also für die Fußballer des FC Bayern, die heute (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) beim Hinspiel in Lemberg gegen Donezk antreten. Gegen einen Gegner, der vor allem deshalb so selbstbewusst auftritt, weil er in der Gruppenphase überzeugt hat. Nach zwei Schützenfesten gegen Bate Borrisow (7:0, 5:0) war Donezk schon nach dem vierten Spieltag für die K.o.-Runde qualifiziert. Letztlich zog Donezk als Tabellenzweiter hinter dem FC Porto und vor Athletic Bilbao und Borrisow in dieses Achtelfinale ein. Vor allem aber die Art und Weise aber, wie Schachtjor spielte, beeindruckte.

Nur vier Gegentore ließ die Mannschaft zu, vorne zauberte sie bisweilen - die Handschrift von Trainer Mircea Lucescu ist klar erkennbar. Der Rumäne lässt überwiegend im klassischen 4-4-2 spielen, passt sein System aber immer wieder den Begebenheiten an. Nicht nur in den Augen von Josep Guardiola gilt Lucescu als Taktikfuchs. "Mircea ist einer der besten Trainer in Europa", sagte der Coach des FC Bayern nach der Auslosung und geriet bei der Frage nach den Stärken des Achtelfinal-Gegners ins Schwärmen: "Sie haben viele gute Brasilianer, junge talentierte Spieler und spielen immer offensiv."

Luiz Adriano schlägt Lionel Messi

Donezk - München, 20.45 Uhr

Schachtjor Donezk: Pijatow - Srna, Kucher, Rakitsky, Schewtschuk - Douglas Costa, Fernando, Fred, Taison - Alex Teixeira - Luiz Adriano. - Trainer: Lucescu
FC Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Bernat - Schweinsteiger, Alaba - Götze (Xabi Alonso) - Robben, Müller, Lewandowski (Ribéry). - Trainer: Guardiola
Schiedsrichter: Mallenco (Spanien)

Der Angriff ist in der Tat das Prunkstück der Ukrainer. Mit Douglas Costa und Bernard hat Schachtjor eine der besten Flügelzangen Europas - vorausgesetzt beide sind in Top-Form. Rufen die Brasilianer ihre Qualitäten ab, spielen sie ihre Gegenspieler schwindelig. Im Mittelfeld zieht mit Spielmacher Alex Teixeira noch einer von 13 Brasilianern die Fäden, im Sturmzentrum spielt ebenfalls ein Kicker vom Zuckerhut - und wie. Luiz Adriano hat in der Vorrunde neun Tore erzielt - mehr als jeder andere in dieser Saison der Champions League. Fünfmal traf Adriano beim 7:0 in Borrisow. Ein derartiges Kunststück in der Champions League vollbrachte zuvor nur Lionel Messi, vier Tore in nur 17 Minuten, wie es Adriano gelang, das hat aber auch der Superstar des FC Barcelona noch nicht geschafft.

In der Abwehr zählen vor allem der kroatische Kapitän Darijo Srna und auch der Ukariner Jaroslaw Rakizki zu den Grundsäulen, davor erledigen zweikampfstarke Spieler wie Taras Stepanenko und Fernando die Drecksarbeit. Das Team von Lucescu ist eingespielt, das Achtelfinale kommt aber dennoch zur Unzeit. Weil in der Ost-Ukraine seit Monaten Krieg zwischen der Ukraine und russischen Separatisten herrscht, finden die Spiele schon lange nicht mehr in Donezk, sondern in Lemberg, also ganz im Westen des Landes statt. "Diese Situation ist irgendwie surreal. Man weiß, dass dort dieser schreckliche Krieg ist, realisiert es aber nicht so, weil man so eine schlimme Situation nicht kennt - Gott sei Dank nicht kennt", sagte Thomas Müller dem "Kicker".

Der bewaffnete Konflikt hat Schachtjor längst erreicht. Wurde dem Verein nach den Investitionen von Milliardär Rinat Achmetow, neun Meisterschaften seit 2002 sowie dem Uefa-Cup-Sieg 2009 schon eine große Zukunft vorausgesagt, droht dem Klub nun der Zerfall. Achmetow weht politischer Gegenwind ins Gesicht, sein Engagement könnte bald anderen Geschäften weichen. In der Heimat wächst der Widerstand gegen die Verantwortlichen von Schachtjor, die nach Ansicht der Kritiker nun tief im ungeliebten, weil pro-europäischen Westen des Landes spielen. Viele wollen einen neuen 'echten' Donezker Klub hochziehen. Für die mit Stars gespickte Samba-Mannschaft von Lucescu könnten die Spiele gegen die Bayern also die vorerst letzten auf der großen europäischen Fußball-Bühne sein.

Quelle: n-tv.de, sport.de

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