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Auf Weg in die Premier League Die deutsche Revolution bei Norwich City

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Gelbe Armee: Mehr als 25.000 Zuschauer kommen im Schnitt in Norwich ins Stadion an der Carrow Road.

imago/Focus Images

Wie Huddersfield Town setzt auch Norwich City im englischen Fußball auf einen deutschen Trainer und deutsche Profis. So many Germans!", singen die Fans. Der Klub, der einst den FC Bayern aus dem Europapokal warf, könnte bald wieder in der Premier League spielen.

Als das dritte Tor für seine Mannschaft fällt an diesem Nachmittag in Leeds, rasten alle um ihn herum aus. Seine Assistenten und die Ersatzspieler springen von der Bank auf, jubeln und bilden ein Knäuel. Aus dem Gästeblock im Stadion an der Elland Road klingt das Triumphgeschrei der Fans. Einige von ihnen ziehen ihre Trikots aus und schwenken sie über dem Kopf, dabei sind es nur zwei Grad. Er selbst bleibt ruhig und dreht sich ab von dem wilden Treiben. Er ist ganz für sich und ballt die Fäuste. Erst als das Spiel vorbei ist, fällt die Spannung von Norwich Citys Trainer Daniel Farke ab. Er marschiert zu den Anhängern und applaudiert ihnen. Sie singen: "We´re top of the League! We´re top of the League!"

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Von Borussia Dortmund zu Norwich City: Trainer Daniel Farke.

(Foto: imago/Focus Images)

Mit dem 3:1 am vergangenen Wochenende beim bisherigen Spitzenreiter Leeds United hat Farkes Mannschaft die Tabellenführung in Englands zweiter Liga, der Championship, übernommen und die Aussichten auf den Aufstieg in die Premier League weiter verbessert. Die beiden erstplatzierten Teams werden am Ende der Spielzeit direkt befördert, die Klubs auf den Rängen drei bis sechs spielen in einer Playoff-Runde den dritten Aufsteiger aus. Auf diesem Weg hat vor zwei Jahren Huddersfield Town den Einzug in die Premier League geschafft.

Zwischen den beiden Klubs gibt es eine auffällige Parallele. Wie in Huddersfield hat auch der Erfolg bei Norwich City einen starken deutschen Einfluss. Neben Farke, der wie Huddersfields Aufstiegstrainer David Wagner zuvor bei Borussia Dortmunds mit der zweiten Mannschaft gearbeitet hat, stehen deutsche oder einst in Deutschland aktive Profis wie Christoph Zimmermann, Timm Klose, Tom Trybull, Moritz Leitner, Mario Vrancic, Marco Stiepermann und Teemu Pukki auf der Gehaltsliste des Vereins aus der Grafschaft Norfolk im Osten Englands. Es sind Spieler, deren Potenzial in Deutschland entweder verkannt war, oder die dieses Potenzial nicht zur Entfaltung bringen konnten.

"Einfach gut ausgebildete Jungs"

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Lothar Matthäus in Not: Am 20. Oktober 1993 gewann Norwich City im Münchner Olympiastadion das Hinspiel in der zweiten Runde des Uefa-Pokals mit 2:1. Das Rückspiel auf der Insel endete 1:1 - der FC Bayern war raus.

(Foto: imago sportfotodienst)

Zimmermann, in Düsseldorf geboren und vor seinem Wechsel nach Norwich im Juli 2017 ebenfalls in Dortmunds Reserve beschäftigt, berichtet, dass manchmal scherzhaft gemeinte Nachrichten aus der Heimat bei ihm eingehen würden, ob der Klub eine Art Auffanglager für deutsche Fußballer sei: "Wir holen ja keine Spieler von Bayern München. Es sind einfach gut ausgebildete Jungs, die einen feinen Ball spielen können", sagt er.

Norwich gehörte 1992 zu den Gründungsmitgliedern der Premier League und warf ein Jahr später sensationell den FC Bayern in der zweiten Runde aus dem Uefa-Cup. In der jüngeren Vergangenheit pendelte der Klub zwischen erster, zweiter und sogar dritter Liga, war zuletzt 2015/2016 in der Premier League aktiv, stieg aber nach nur einer Saison wieder ab. Der Wiederaufstieg misslang, die Mannschaft wurde nur Achter. Danach fand ein Umbruch statt, und damit auch die deutsche Revolution bei den Canaries, den Kanarienvögeln, wie der 1902 gegründete Verein wegen der Trikotfarben Gelb und Grün genannt wird.

"All the Germans! So many Germans!"

Treibende Kraft hinter der Neuausrichtung war der neue Sportchef Stuart Webber. Er hatte einst Wagner nach Huddersfield geholt und erinnerte sich nun in Norwich im Frühjahr 2017 daran, dass es beim BVB immer wieder gute Trainer gibt, die gerne mit entwicklungsfähigen Spielern arbeiten und sich nicht über ein begrenztes Budget beschweren.

Nun gegen Ipswich

Spitzenreiter Norwich City spielt am Sonntag ab 13 Uhr zum Abschluss des 31. Spieltags im Stadion an der Carrow Road im Nachbarschaftsduell, dem East Anglian Derby, gegen den Tabellenletzten Ipswich Town. Insgesamt stehen in Englands Championship mit ihren 24 Teams 46 Spieltage an. Spätestens am 5. Mai steht dann fest, wohin der Weg der Canaries führt - direkt in die Premier League, in die Playoffs oder in ein weiteres Zweitligajahr.

Farke kam, und mit ihm "all the Germans! So many Germans!", wie die Fans singen. Nach dem 14. Platz in einer Liga mit 24 Teams in der vergangenen Saison hat die junge Mannschaft in Farkes zweiter Spielzeit in England besten Chancen auf den Aufstieg. Wobei die Spieler das so offen natürlich nicht zugeben. "Ich weiß, das sind fünf Euro ins Phrasenschwein, aber wir fahren weiter gut damit, wie wir bisher gefahren sind. Wir gucken einfach, dass wir so viele Punkte holen wie möglich", sagt Verteidiger Zimmermann.

Er weiß aber auch: "Wenn wir weiter den Fußball spielen, den wir aktuell zeigen, und in der Defensive noch ein bisschen stabiler werden, haben wir sicherlich viele Möglichkeiten." Dann hat Norwich die Chance, es wie Huddersfield zu machen - und mit deutschem Trainer und vielen Profis aus Deutschland demnächst in der Premier League zu spielen.

Quelle: n-tv.de

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