Fußball

Mit Flick, ohne Esprit Diese Bayern muss der BVB nicht fürchten

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Hansi Flicks Debüt war erfolgreich, aber nicht begeisternd.

(Foto: imago images/ULMER Pressebildagentur)

Gegen Piräus quält sich der FC Bayern zum Sieg und ins Achtelfinale der Champions League. Auch unter Interimscoach Hansi Flick fehlt es an Esprit und Präzision. Für das Topspiel der Fußball-Bundesliga gegen Dortmund scheinen die Münchner nur bedingt gerüstet.

Sogar der Weg in die Kabine war für Hansi Flick an diesem Abend ein Geduldsspiel. Es ging nicht so schnell, wie er es sich bei seiner Premiere als Interimscoach des FC Bayern vielleicht vorgestellt hatte. Zuerst stellte sich ihm nach dem 2:0 (0:0) gegen Olympiakos Piräus der Sportdirektor in den Weg. Hasan Salihamidzic drückte seinen zum Chef auf Zeit beförderten Angestellten herzlich, dann gab es auch noch von Teammanagerin Kathleen Krüger eine kurze Umarmung. Zuvor hatte die Mannschaft seine Nerven ein wenig strapaziert - und die der Zuschauer in der Münchner Arena, die den zähen Champions-League-Auftritt des deutschen Fußballmeisters in der Schlussphase mit Pfiffen quittierten.

Der FC Bayern hat die Pflichtaufgabe erledigt, sich mit dem Sieg die Qualifikation für das Achtelfinale der Königsklasse gesichert - und Flick ein erfolgreiches Debüt beschert. Allerdings war es kein glanzvolles. Die Hoffnung, die Mannschaft würde im Spiel eins nach Niko Kovac befreit und beschwingt auftreten, erfüllte sich nicht. Knapp 70 Minuten dauerte es, bis das erlösende 1:0 fiel - durch Robert Lewandowski, der auch unter Flick seinen Job als Lebensversicherer für die Bayern fortzusetzen scheint.

Kurz vor Schluss sorgte der erst ein paar Sekunden zuvor eingewechselte Ivan Perisic mit seinem ersten Ballkontakt für die Entscheidung. "Ich habe es genossen, weil die Mannschaft die Qualität, die sie hat, gezeigt hat", sagte Flick, der überhaupt vor allem hervorhob, was ihm gefiel. "Es ging jetzt vor allem darum, nach vorne zu verteidigen, die Initiative hochzuhalten", und das hätten die Spieler gut umgesetzt. Er legte den Fokus darauf, die Mannschaft in der Mitte zu stabilisieren.

Flick setzt für das Topspiel auf Robustheit

Statt mit den Fußballkünstlern Thiago und Coutinho besetzte er das Zentrum mit den etwas robuster zu Werke gehenden Spielern Leon Goretzka und Joshua Kimmich. Er tat das mit Blick auf den Bundesliga-Klassiker gegen Borussia Dortmund am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Der BVB hatte am Dienstagabend mit dem 3:2 gegen Inter Mailand für einen großen Europapokalabend gesorgt, als er einen Zwei-Tore-Rückstand aufholte. Und ernsthaft fürchten müssen sich die Dortmunder vor diesen Münchnern nicht. Oder? Man habe sich "Olympiakos so zurechtgelegt, wie wir sie haben wollten", befand Kapitän Manuel Neuer, der zum ersten Mal seit dem 4:0 gegen den 1. FC Köln am 21. September keinen Treffer kassierte. "Der Sieg steht immer über allem, aber es ist für unser Selbstbewusstsein in der Defensive wichtig, dass wir zu Null geblieben sind." Dass die Münchner sich auf das Positive konzentrierten, ist nachvollziehbar nach den vergangenen Tagen mit der 1:5-Klatsche am Samstag in Frankfurt und der Trainerentlassung gut 24 Stunden später.

München - Piräus 2:0 (0:0)

Tore: 1:0 Lewandowski (69.), 2:0 Perisic (89.)
FC Bayern München: Neuer - Pavard, Martinez, Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka (82. Tolisso) - Gnabry (88. Perisic), Müller, Coman (91. Coutinho) - Lewandowski; Trainer: Flick.
Olympiakos Olympiakos: Jose Sa - Elabdellaoui, Ruben Semedo, Meriah, Tsimikas - Bouchalakis (71. Valbuena) - Guilherme, Camara - Daniel Podence (79. El-Arabi), Randjelovic (61. Masouras) - Guerrero; Trainer: Martins.
Schiedsrichter: Raczkowski (Polen)
Zuschauer: 70.000 (ausverkauft)

"Die Situation war für die Mannschaft nicht so einfach", sagte Flick und räumte ein: "Natürlich ist noch Luft nach oben." Ziemlich viel sogar, denn die schwachen Griechen haben die Bayern in der Defensive kaum gefordert und agierten selbst hinten nicht souverän. Die Münchner ließen aber nicht nur die Präzision bei Flanken und Pässen in der Offensive vermissen, sondern auch Esprit, Tempo und überraschende Momente. "Es hat ein bisschen der Glanz gefehlt", gab der fleißige Thomas Müller zu, der auf seiner Lieblingsposition im offensiven Mittelfeld spielen durfte. Deshalb sei der Sieg "nicht ganz so himmelhochjauchzend".

Sportdirektor Salihamidzic fühlte sich bestätigt, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben in dieser Woche. "Hansi hat es in den letzten Tagen wirklich sehr konzentriert, fokussiert, selbstbewusst gemacht. Er ist im Moment der richtige Trainer für uns", sagte er. Die Suche nach einem Kovac-Nachfolger scheint sich jedoch schwierig zu gestalten. Nach den Absagen von Thomas Tuchel, Erik ten Hag und Ralf Rangnick ist nun laut "Bild"-Zeitung angeblich Arsène Wenger der Favorit - aber wohl nur als Übergang bis Saisonende. Eine Bestätigung gab es von Salihamidzic allerdings nicht. "Wir werden in Ruhe, ohne Druck, den Trainer aussuchen, der unserer Meinung nach der richtige ist", sagte der Sportdirektor. Flick ist es jedenfalls nur vorübergehend - Stand jetzt.

Quelle: n-tv.de

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