Fußball

FC Bayern zerlegt die BundesligaDieser Rekord bereitet Supertrainer Vincent Kompany ein Problem

15.01.2026, 07:01 Uhr
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Der FC Bayern lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen. Beim 1. FC Köln dreht die Mannschaft wie schon im DFB-Pokal einen Rückstand und siegt klar. Am Ende steht ein Rekord, über den der Trainer eigentlich nicht jubeln mag.

Linton Maina hatte große Lust, den Spielverderber zu geben. Der Supersprinter des 1. FC Köln hatte sich am späten Mittwochabend aufgemacht, etwas Großes zu tun. Er rannte tief in der eigenen Hälfte los, rannte auf die nicht organisierte Abwehr des FC Bayern zu, nahm sich in der Nähe des Strafraums ein Herz und schoss wuchtig ab. Der 1. FC Köln führte 1:0 (41.) und Manuel Neuer war sauer. Auf seine Vorderleute, die bei der Konterabsicherung gepennt hatten, und wohl auch auf sich selbst. Der Schuss war haltbar.

Der FC Bayern war in diesem Moment vom Rekordkurs abgekommen. Einen Sieg brauchten sie, um sich in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs einzutragen. Mit einem Sieg hätten sie die beste Hinrunde der Bundesliga-Historie gespielt. Und natürlich holten sie diesen Sieg. Wie schon in der zweiten Runde des DFB-Pokals drehten die Münchner das Spiel in Köln. Damals gewannen sie 4:1, dieses Mal ging die Partie 3:1 aus. Noch vor der Pause beendete Serge Gnabry den Traum der Gastgeber von der Sensation – mit einem fantastischen Tor. Der Nationalspieler, der um einen neuen Vertrag kämpft, hatte den Ball mit einem furiosen Aufsetzer-Tor aus kürzester Distanz unter die Latte geknallt. Das waren Ausgleich und gute Argumente für sich selbst (45.+5).

Beim FC Bayern fluppt's einfach

Die erste Halbzeit hatte einen satten Nachschlag bekommen, weil die Partie nach einer gigantischen Pyroshow der Kölner Fans früh und lange unterbrochen worden war. Das Feuer auf den Rängen war ein Sinnbild für die aktuelle Gefühlslage des Klubs. Nach einem überraschend starken Start in die Saison geht seit Wochen kaum noch was. Acht Spiele in Serie hat Köln nicht mehr gewonnen. Die Ultras stellen sich gegen Trainer Lukas Kwasniok. Unter anderem, weil der Supertalent Said El Mala behutsam aufbauen will und ihn häufiger von der Bank bringt, als die Fans das fordern. Gegen Bayern begann er und hatte direkt eine Topchance, die Torwart Neuer aber gut entschärfen konnte (2.). Danach war El Mala nicht mehr gesehen.

Probleme, mit denen sich die Münchner nicht herumschlagen müssen. Beim FC Bayern gelingt in dieser Saison nahezu alles. Von personellen Diskussionen ist die Mannschaft so weit entfernt wie von einer Bundesliga-Niederlage. Im vergangenen Sommer war das als unmöglich angesehen worden. Der Kader wurde in der Expertenwelt zerredet. Und nun das: Dritte-Wahl-Superstar Luis Diaz spielt so mitreißend, dass die Namen Nick Woltemade und Florian Wirtz Einreiseverbot in München haben. Mit Lennart Karl, der das 3:1 erzielte (84.), zuvor traf noch Minjae Kim per Kopf (71.), entwickelt sich ein Goldjunge so rasant, dass völlig untergeht, dass dem FC Bayern mit Jamal Musiala noch der eigentliche Superstar im Mittelfeld fehlt. Und mit Harry Kane haben die Münchner einen Spieler, der alles kann. Der Engländer ist nicht mehr nur Stürmer, er ist längst auch Spielmacher. Das 3:1 bereitete er mit einem sensationellen Ball aus der eigenen Hälfte in den Lauf von Diaz vor, der sich durch den Strafraum dribbelte und dann Karl fand.

"... dann ist alles wieder auf Null"

Trainer Vincent Kompany hat sich aus all den Debatten rausgehalten. Er hat drauf gepfiffen, was Dietmar Hamann, Lothar Matthäus und all die anderen für Urteile sprachen. Kompany arbeitet in einer selten erlebten Ruhe in München. Anders als seine schillernden Vorgänger Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel ist der Belgier für den Boulevard völlig uninteressant. Der Belgier macht einfach und liefert gar keine Angriffspunkte. Fachlich nicht und auch nicht als polarisierender Sprücheklopfer. "Wir sind ruhig geblieben, ich habe immer Vertrauen in die Jungs gehabt", sagte er am Ende der historischen Hinrunde. "Wir haben nicht zu viel gemacht, aber Max und Christoph (Anmerk. d. Red.: Sportvorstand Eberl und Sportdirektor Freund) haben die richtigen Entscheidungen getroffen. Unser Kader hat eine sehr gute Balance. Es ist nicht einfach, so einen Kader zusammenzubringen."

In Zahlen drückt sich das so aus: Die Münchner schlossen die erste Hälfte der Saison mit 47 Punkten und dem um 19 Tore besseren Torverhältnis im Vergleich zur alten Bestmarke in der Saison 2013/14 unter Startrainer Pep Guardiola ab. Die elf Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund sind zudem eingestellter Ligarekord. Beeindruckende Zahlen, mit denen sich Kompany gar nicht so gerne beschäftigen mag. "Es ist eigentlich ein innerer Konflikt mit meiner Mentalität, dass wir mitten in der Saison schon einen Rekord bejubeln, das bringt eh gar nichts, weil das ist kein Titel", sagte er und fand es doch irgendwie cool. "Es ist schön. Wahrscheinlich unwichtig, aber sehr schön."

Sorgen um nächsten Außenverteidiger

Es sei "so unfassbar schwierig" einen Rekord aufzustellen. "Deswegen sage ich den Jungs: 'Das habt ihr geschafft. Gratulation.' Und ab morgen startet die Rückrunde und dann ist alles wieder auf Null." Erster Gegner dann: das zweite Verfolgerchen RB Leipzig.

Mit einer kleinen Sorge schleichen sich die Münchner indes aus der Hinrunde. Und wieder trifft es einen Außenverteidiger. Nach der Verletzung von Josip Stanisic stehen Fragezeichen hinter der Gesundheit von Konrad Laimer. "Er hat etwas gespürt an der Wade, wenn ich das richtig gesehen habe. Da geht es morgen sofort in den Scanner rein, dann wissen wir mehr", sagte Kompany. Der Österreicher war in der Nachspielzeit mit einem Gegenspieler zusammengeprallt und musste behandelt werden. Weil die Münchner das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatten, mussten sie das Spiel zu zehnt beenden. Für die Bayern war's nicht die einzige Schrecksekunde. Auch Harry Kane und Hiroki Ito mussten behandelt werden, Sorgen bestünden aber nicht, sagte Kompany.

Quelle: ntv.de, tno

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