Fußball

"Es ist ein Menschenversuch" Dieser Supercup beunruhigt den FC Bayern

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Der Triple-Sieger greift in Budapest nach dem nächsten Titel.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Bis zu 20.000 Zuschauer sollen den Uefa-Supercup zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla live im Stadion verfolgen. Die Münchner sind vorsichtig, Bundestrainer Joachim Löw empfindet das "als falsches Signal". Sportlich sind zwei Leistungsträger rechtzeitig wieder fit.

Manuel Neuer, Leroy Sané und Co. trugen bei der Abenteuerreise ins Risikogebiet Masken zu ihren neuen bordeauxroten Anzügen, in Budapest ging's direkt zum Coronatest. "Ich glaube, Bauchschmerzen hat jeder", sagte Karl-Heinz Rummenigge vor dem umstrittenen Supercup-Spiel zwischen Bayern München und dem FC Sevilla in der ungarischen Hauptstadt am Donnerstag (21 Uhr/Sky und DAZN), das auch Joachim Löw kritisch sieht. Rummenigge betonte: "Wir haben jegliches Interesse daran, dass dort wirklich kein Ischgl des Fußballs stattfindet."

Das hofft auch Löw. Der Bundestrainer sieht in dem "Pilotprojekt" zur Zuschauerrückkehr von Uefa-Boss Aleksander Ceferin "das falsche Signal", wie er bei ntv betonte. Triple-Trainer Hansi Flick flüchtete sich in Budapest in beißende Ironie. "Ich lebe ja in München auch fast in einem Corona-Hotspot, da hat sich nicht allzu viel geändert", sagte er spöttisch. Klubboss Rummenigge versprach einen "seriösen und disziplinierten" Umgang mit dem Corona-Thema - doch die Münchner Mini-Delegation begleiteten Zweifel.

Die Warnung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder vor einem "Fußball-Ischgl" mit mehreren Hundert infizierten Fans klang manchem noch in den Ohren. "Wir wissen nicht so recht, was uns erwartet", sagte Kapitän Neuer vor dem ersten Bayern-Spiel mit Fans seit März. Er sei keinem Fan "böse, wenn er nicht ins Stadion kommt". Zumal sogar der Budapester Oberbürgermeister Gergely Karacsony sich angesichts der kritischen Lage für ein Geisterspiel aussprach. Vergeblich, die Uefa bleibt stur.

Corona-Lage schreckt Bayern-Fans ab

Ganz im Sinne der rechtsnationalen ungarischen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban lässt sie bis zu 20.000 Besucher in die Puskas Arena. "Die Verantwortung", warnte OB Karacsony in der oppositionellen Tageszeitung Nepszava, "liegt bei denen, die die Entscheidungsgewalt haben." Also bei Orban und Ceferin. Beide wollen bei diesem Glitzerkick ebenso auf der VIP-Tribüne sitzen wie Sandor Csanyi, der umtriebige ungarische Verbandsboss und Uefa-Vize. Dabei handle es sich beim Duell zwischen Champions- und Europa-League-Sieger längst nicht mehr um ein Fußballspiel, wie Stadtteil-Bürgermeister Csaba Horvath schimpfte: "Es ist ein Menschenversuch!" Orban gefährde mit seinem Hobby das Leben Tausender.

Die Lage in Budapest schreckt auch viele der traditionell sehr reisefreudigen Bayern-Fans ab. Rummenigge erwartet nur noch "unter 1000" beim Risikospiel - 2100 hatten Karten erworben. Die Bayern selbst reisten laut Herbert Hainer "nur mit der absoluten Minimalbesetzung" an. Der Präsident, der selbst zu Hause blieb, sprach von "maximal 30 Leuten".

Das Duell mit den Andalusiern "findet in einer Stadt statt, die eine RKI-Inzidenzzahl von über 100 hat, das heißt: nochmal den doppelten Faktor Münchens. Das ist ernstzunehmen", sagte Rummenigge im ZDF - obwohl er gut mit Ceferin kann. Er verstehe all die Skeptiker, behauptete der Bayern-Boss, sein Klub gehe aber wie von diesen gefordert "wirklich extrem vorsichtig mit dem Thema um".

Sevilla gibt sich angriffslustig

Flick war angesichts der giftigen Gemengelage bemüht, den Fokus aufs Sportliche zu lenken - zumal die Nachrichtenlage dort besser ist: Die zuletzt angeschlagenen Stars Robert Lewandowski und David Alaba sind fit. Flick forderte, die Mannschaft möge ihren Triumphen wie im ersten Triple-Jahr 2013 (5:4 i.E. gegen den FC Chelsea) bitte das "i-Tüpfelchen" hinzufügen. Sané versprach ganz im Sinne eines der Sponsoren: "Nach dem Triple kommt der Quattro."

Europa-League-Rekordsieger Sevilla (sechs Titel) um die früheren Bundesliga-Profis Ivan Rakitic und Luuk de Jong sowie Kapitän Jesus Navas hält dagegen. Die Bayern hätten aktuell "die beste Mannschaft der Welt" und spielten "grandios", ja "brillant", sagte Trainer Julen Lopetegui zwar ehrfürchtig, aber: "Wir reisen nicht an, um das Handtuch zu werfen."

Quelle: ntv.de, Marco Mader, sid