Fußball

"Nicht das richtige Signal" Löw kritisiert Zuschauerzahl bei Supercup

Während in Europa die Corona-Zahlen kräftig anziehen, fährt der FC Bayern zum Supercup ins Risikoland Ungarn. Dass auch Tausende Zuschauer ins Stadion dürfen, hält Bundestrainer Löw für das falsche Signal. Im Interview mit ntv.de spricht er über seine Angst vor Corona und seinen Umgang mit kranken Nationalspielern.

ntv.de: Was halten Sie davon, dass der Supercup zwischen dem FC Bayern München und dem FC Sevilla am Donnerstag mit bis zu 20.000 Zuschauern im Corona-Risikogebiet Budapest stattfinden soll?

Joachim Löw: Ich halte es grundsätzlich ein bisschen für das falsche Signal, dass man da in einem Risikogebiet jetzt so viele Zuschauer zulässt. Natürlich freuen sich alle, dass im Stadion dann wieder mehr Emotionen vorherrschen. Aber ich glaube, dass das nicht das richtige Signal ist.

İlkay Gündoğan ist der erste mit Corona infizierte Nationalspieler. Hatten Sie Kontakt mit ihm und wissen Sie, wie es ihm geht?

Bislang geht es ihm den Umständen entsprechend sehr gut. Ich habe ihm heute Morgen eine SMS geschrieben, aber bisher noch keine Antwort bekommen. Ich hoffe, dass es ihm bald wieder besser geht und er dann auch wieder ins Training einsteigen kann.

Gibt es Corona-Verhaltensregeln für die Nationalspieler?

Wir hatten ja schon im September die gleiche Situation, dass wir uns im Hotel normal bewegen können, weil alle getestet worden sind. Wir haben sehr viele Sitzungen in einem kleinen Kreis gemacht. Nicht mit allen Spielern in der großen Runde, sondern viele kleine Sitzungen. Wir haben beim Essen die Einmal-Handschuhe und die Maske getragen, bis wir beim Tisch waren. Natürlich gibt es keinen Besuch von Verwandten und Freunden im Hotel. Und natürlich halten wir die normalen Regeln ein: Abstand halten und das Desinfizieren der Hände.

In zwei Wochen steht das Länderspiel gegen die Türkei an. Anschließend geht es in der Nations League in die Ukraine. Was sind Ihre Ziele?

Rein sportlich ist unser Ziel, dass wir die Spiele in der Nations League gegen die Schweiz und die Ukraine gewinnen wollen. Das ist ja klar. Unser Ziel ist es, sechs Punkte zu erreichen. Der Start war für uns alle von den Ergebnissen her ein bisschen unglücklich. Aber es waren natürlich auch besondere Umstände. Viele Spieler kamen aus dem Urlaub und waren deshalb noch nicht im Wettkampfmodus. Jetzt werden wir stärker sein und gehen natürlich diese Spiele im Oktober und November richtig ernst an und wollen natürlich auch gute Ergebnisse erzielen.

Die Ukraine gilt zurzeit auch als Corona-Risikogebiet. Wie finden Sie es, dass Sie mit der Nationalmannschaft dorthin reisen müssen?

Da ist im Vorfeld ja auch einiges zwischen den Verbänden und der Uefa diskutiert worden. Die Spielplanungen sind jetzt abgeschlossen, und wir müssen jetzt einfach in die Ukraine reisen. Natürlich geht man mit einem mulmigen Gefühl dahin. Auf der anderen Seite werden bei uns schon auch alle Maßnahmen so getroffen, dass man davon ausgehen kann, dass wir keinem besonderen Risiko ausgesetzt sind. Wir werden uns an alles halten, was möglich ist und dann hoffentlich auch wieder gesund zurückkommen.

Der erste Bundesliga-Spieltag ist vorüber. Wie beurteilen Sie das Hygienekonzept und die Regelung zu Zuschauern?

Das Hygienekonzept der Bundesliga ist, denke ich, vorbildlich. In Deutschland, aber auch in der ganzen Welt. Die Bundesliga ist die erste Liga, die frühzeitig wieder den Spielbetrieb aufgenommen hat. Und das natürlich aufgrund dessen, weil sie ein schlüssiges und sehr gutes Konzept vorgelegt hat. Da muss man der Liga und natürlich Christian Seifert, dem Boss der Liga, auch ein großes Kompliment aussprechen. Das haben sie hervorragend gemacht. Wir sind natürlich im Fußball auch ein bisschen ein Vorbild in der ganzen Welt. Zu diesem Zeitpunkt war es auch einfach wichtig, dass wieder Spiele stattfinden können - wenn auch ohne Zuschauer.

Ihre sportliche Erkenntnis vom Bundesligaauftakt? Wer könnte die Bayern ärgern?

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Ich glaube, die Mannschaften haben schon auch ihre Sinne geschärft und mit Gladbach, Dortmund und Leverkusen wird es sicherlich die eine oder andere Mannschaft geben, die die Bayern auch mal schlagen könnte. Wobei die Bayern haben jetzt gerade eine sehr, sehr gute Phase: Sie sind eingespielt, haben eine große Qualität und einen sehr guten Trainer. Von daher wird es schwierig sein, aber im Fußball ist immer alles möglich.

Zur Premier League: Werden Timo Werner und Kai Havertz schon bald eine tragende Rolle beim FC Chelsea spielen?

Das könnte ich mir gut vorstellen. Man sollte aber beiden Spielern auch erstmal ein bisschen Zeit geben. Aus Erfahrung weiß man, dass Spieler, die in die Premier League wechseln, natürlich erstmal die Unterschiede spüren, was das Tempo und die körperliche Härte betrifft. Da werden sie sicherlich ein bisschen Eingewöhnungszeit brauchen. Aber beide haben natürlich die Klasse, um dort zu bestehen.

Mit Joachim Löw sprach Liv von Boetticher

Quelle: ntv.de